21. Dezember 2018, 19:11 Uhr

Weihnachtsmann an Fassade?

21. Dezember 2018, 19:11 Uhr

Einer liebt um die Balkonbrüstung gewundene Lichterketten, ein anderer bläst den überlebensgroßen Weihnachtsmann für den Vorgarten auf. Und ein Dritter kann dem Weihnachtsfestrummel gar nichts abgewinnen. Was müssen auch Weihnachtsmuffel hinnehmen? Wo sind die Grenzen? »Grundsätzlich ist in der gemieteten Wohnung erlaubt, was gefällt«, sagt Stefan Kaisers vom Mieterverein Gießen. »Nur weil dem Nachbarn die Dekoration zu ausgefallen ist, hat er noch kein Recht, dagegen vorzugehen.« Doch über die Maßen gestört oder sogar gefährdet dürfe keiner werden. Ein Überblick über typische Streitpunkte:

Deko im Treppenhaus – Sowohl Nachbarn als auch der Vermieter müssen eine Treppenhausdekoration nicht ohne weiteres hinnehmen, sondern können die Entfernung fordern, zeigt ein Urteil des Amtsgerichts Münster (Az.: 38 C 1858/08). Auch weihnachtliche Duftsprays dürfen nicht im ganzen Haus versprüht werden, entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf vor einigen Jahren (Az.: 3 WX 98/03). Kerzen im Treppenhaus sind aufgrund der Brandgefahr ohnehin tabu. »Das Treppenhaus ist nur zur Mitbenutzung an die Mieter überlassen«, erklärt Kaisers. »Entsprechend kann hier keiner allein entscheiden.« Woran die anderen Mieter aber keinen Anstoß nehmen dürfen, sind weihnachtliche Kränze an der Wohnungstür. Das geht aus einem älteren Urteil des Landgerichts Düsseldorf hervor (Az.: 25 T 500/89). Beschädigt werden darf aber auch hier nichts. Selbst wenn sich die Mieter bei der Treppenhausdeko einig sind, sollte sie sicher angebracht sein. Sonst droht Ärger.

Leuchtdekoration – Das Landgericht Berlin hat in einem Urteil festgestellt, dass es eine weitverbreitete Sitte ist, Fenster und Balkone in der Weihnachzeit mit elektrischer Beleuchtung zu schmücken (Az.: 65 S 390/09). »Allerdings sollte eine elektrische Beleuchtung nicht ständig und dauerhaft in die gegenüberliegende Wohnung scheinen«, schränkt Kaisers ein. Um Mitternacht ins Schlafzimmer blinkende Lichter muss also niemand akzeptieren. Weihnachtsbeleuchtung dürfe nicht wesentlich heller sein als die sonstige Beleuchtung vor Ort. Einige Kommunen hätten in Satzungen Obergrenzen für die Dauer der Beleuchtung, die erlaubte Helligkeit und die erlaubte Lautstärke festgelegt. Wer Ärger vermeiden wolle, der solle Lichter zu den üblichen Ruhezeiten zwischen 22 und 6 Uhr ausschalten.

Befestigung am Haus – Ob kraxelnde Weihnachtsmänner an der Hauswand oder Rentiere, die auf dem Dach stehen – vieles ist möglich. Über Geschmack lässt sich streiten. »Es darf nur niemand gestört oder gefährdet werden, zudem muss die Dekoration sicher und ordnungsgemäß angebracht sein«, rät der Mieterverein. Außendekoration muss auch starkem Wind standhalten. Mieter sollten in der Regel mit dem Eigentümer sprechen, bevor sie in die Wand bohren und den Weihnachtsmann mithilfe von Dübeln befestigen. Wird das Gebäude beschädigt, dürften Vermieter verlangen, dass der Schmuck entfernt und der Schaden behoben wird.

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