10. Dezember 2017, 18:32 Uhr

Zwischen Beruf und Berufung

10. Dezember 2017, 18:32 Uhr
Die Ehrenmedaille des Fachbereichs Medizin verleiht Dekan Prof. Wolfgang Weidner (l.) an Prof. Wolfram H. Gerlich. (Foto: csk)

Max Weber hat es schon 1917 gewusst: Junge Wissenschaftler brauchen nichts mehr als Mut, Leidenschaft und eine gehörige Portion Durchhaltevermögen. Und so zitierte Prof. Till Acker bei der Promotionsfeier des Fachbereichs Medizin der Justus-Liebig-Universität den Urvater der Soziologie nicht nur, weil sein berühmter Vortrag »Wissenschaft als Beruf« gerade 100 Jahre alt geworden ist. Vielmehr bestätigten die nun verabschiedeten Absolventen beispielhaft Webers Beobachtung, erklärte der Prodekan des Fachbereichs in der Uni-Aula. Denn sie alle hätten sich mit der Entscheidung für ihre Doktorarbeit »einem echten Abenteuer« und »einer großen Herausforderung« gestellt.

Wissenschaft im Sinne Max Webers mehr als Berufung denn als Beruf zu verstehen sei heute allerdings nicht mehr selbstverständlich, meinte Acker. Gerade den Doktortitel betrachte mancher zuerst als nützliches Mittel zur »Förderung der eigenen Karriere«, während die Wissenschaft mitunter zu einem »Instrument für die Durchsetzung von Partikularinteressen« verkomme. Umso eindringlicher forderte Acker die Jung-Doktoren auf, »das kritische wissenschaftliche Nachfragen zum Wohle Ihrer Patienten nicht zu verlernen«.

Insgesamt 176 Mediziner haben in diesem Jahr den Doktortitel an der JLU erlangt. Darunter finden sich Träger des »Dr. med.« und des »Dr. med. dent.«, aber auch solche des »Dr. biol. hom.« und des »Ph.D.«. Fast zwei Drittel der frisch Promovierten sind Frauen, 18 Urkunden tragen die Bestnote »Summa cum laude«. Dekan Prof. Wolfgang Weidner freute sich in seiner Ansprache besonders über die »glänzenden Zukunftsaussichten« der Gießener Universitätsmedizin – und darüber, dass der Anteil der Studentinnen in seinem Fach stetig steige. Was leitende Positionen in der Forschung betrifft, bleibe dagegen noch einiges zu tun, um das Ziel von mindestens 20 Prozent Professorinnen zu erreichen, sagte er.

Den Promotionspreis der Landesärztekammer Hessen erhielt Dr. Sören Jan Backhaus von Dr. Hans-Martin Hübner, dem Vorsitzenden der Bezirksärztekammer Gießen. Die Ehrenmedaille des Fachbereichs Medizin verlieh Weidner an Prof. Wolfram H. Gerlich, den Laudator Prof. Hans-Dieter Klenk zuvor als »einen der weltweit führenden Hepatitisforscher« gewürdigt hatte. Weidner betonte indes, mit dem diesjährigen Preisträger bekomme die Auszeichnung erstmals in ihrer Geschichte ein »Nicht-Mediziner«: Gerlich ist Virologe.

Dafür, dass auch die Wissenschaft nicht zu kurz kam, zeichnete die Gastroenterologin Prof. Elke Roeb verantwortlich. Unter dem Titel »Darm im Spiegel der Gesundheit« präsentierte sie in ihrem Festvortrag aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse über »ein total unterschätztes Organ«, dessen Erforschung und Behandlung in besonderer Weise der interdisziplinären Zusammenarbeit bedürfe. So müssten Mediziner beispielsweise mit Pathologen und Virologen eng kooperieren, um das »äußerst komplexe Zusammenspiel« zwischen Darm und Leber zu verstehen, lautete eine ihrer Botschaften.

Stellvertretend für die Absolventen sprach schließlich Dr. Franziska Graumann, ehe Prof. Gabor Szalay die Promovierten auf das Genfer Gelöbnis verpflichtete, eine zeitgemäße Form des Hippokratischen Eides. Musikalisch begleitete Florian Scharnofske am Piano die Feierstunde.

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