28. Juli 2011, 20:55 Uhr

Zwischen 13 und 19 Uhr ist die Not am größten

Gießen/Wetzlar (ür). Im vergangenen Jahr haben die rund 50 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Telefonseelsorge Gießen-Wetzlar insgesamt 15 388 Anrufe entgegengenommen. Die meisten Anrufe gibt es am Nachmittag und frühen Abend zwischen 13 und 19 Uhr.
28. Juli 2011, 20:55 Uhr
Pastoralreferent Gerhard Schlett (l.) und Pfarrer Wolfgang Schinkel (r.) stellten die Bilanz der Telefonseelsorge vor. (Foto: ür)

Diese Zahlen nannten die beiden Leiter der heimischen Telefonseelsorge, der evangelische Pfarrer Wolfgang Schinkel und der katholische Pastoralreferent Gerhard Schlett. Die Zahl der 15388 Anrufe liegt etwa so hoch wie 2008 (15 339). Im Vorjahr 2009 war die Zahl der Anrufe mit 18 266 ungewöhnlich hoch. Doch schwanken Schlett zufolge die Zahl der entgegengenommen Anrufe allein schon aus technischen Gründen. Dauert ein Gespräch etwas länger, so werden weitere Anrufe in der gleichen Zeit an andere Telefonseelsorgestellen weitergeleitet. In der Statistik vor Ort werden diese nicht gezählt, sondern am Zielort erfasst. Insgesamt wurden im Jahr 2010 bundesweit knapp über zwei Millionen Anrufe von den ca. 7000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 105 Telefonseelsorgestellen entgegengenommen.

Die meisten Anrufe gibt es zwischen 13 und 19 Uhr. Zu diesen Zeiten ist die seelische Not der Menschen offenbar besonders stark. Am häufigsten wurde im März (über 1500-mal) angerufen, gefolgt vom Januar (1455 Anrufe) und Mai (1440 Anrufe). Das Alter reicht von unter 9 Jahren bis über 80 Jahre. Der größte Anteil mit über 3000 Anrufern stellt die Altersgruppe zwischen 40 bis 59 Jahren.

Die meisten Ratsuchenden meldeten sich laut örtlicher Statistik mit psychischen Problemen, gefolgt von Fragen der Partnerschaft, Einsamkeit, Sinn- und Orientierungslosigkeit. Auch Konflikte in Familie und Verwandtschaft, Probleme mit der Sexualität und Krisen in Krankheitszeiten oder im beruflichen Umfeld lassen Menschen zum Hörer greifen. Ebenso schwierige Situationen wie Trauer wegen Trennung oder Todesfall, und das Durchleben von Schmerz, Ohnmacht und Hilflosigkeit bis hin zu Gedanken über Suizid sind Gründe für einen Anruf.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter nehmen Gespräche über die bundeseinheitlichen Nummern 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 entgegen. Die regionale Telefonseelsorgestelle Gießen-Wetzlar in Trägerschaft der EKHN und der evangelischen Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar sowie der Diözesen Mainz und Limburg ist rund um die Uhr für fast eine Million Einwohner von Friedberg bis Alsfeld und von Limburg bis Herborn zuständig. Die Telefonseelsorge ist für jeden kostenlos erreichbar. Sie versteht sich als ein offenes Ohr, das zuhört und die akute Krise begleitet, ohne Vorbedingungen als niederschwelliges Angebot. Dabei geht es weniger um die Erarbeitung einer »Lösung«, sondern darum, einen geschützten Raum anzubieten, in dem die Anrufer ihre Anliegen und Gefühle aussprechen können, sich entlasten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sich ihrer verantwortungsvollen Aufgabe bewusst und nehmen jeden Anruf ernst - egal ob um acht Uhr morgens oder um Mitternacht. Unter der Homepage www.Telefonseelsorge.de besteht zudem die Möglichkeit der anonymen und datengeschützten Begleitung mittels Mail oder Chat.



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