07. Februar 2018, 19:00 Uhr

Wohngemeinschaften

Zweier-WG liegt in Gießen im Trend

Wer Wohnungen vermittelt, dem bleibt nichts Menschliches fremd. Die Gießener Maklerinnen Bettina Hofmann und Sibylle Strzala haben auch in Sachen WG schon einiges erlebt.
07. Februar 2018, 19:00 Uhr
Zu zweit geht alles besser… auch der Einzug in eine neue Wohnung. (Foto: Fotolia/Ingo Bartussek)

WG-Serie

Gießen gilt als junge Stadt. Wohngemeinschaften gehören daher zum Stadtbild. In unserer Serie »WGießen« wollen wir uns dem Lebensgefühl Wohngemeinschaft nähern.

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Was kann für einen Vermieter verlockender sein, als gleich ein ganzes Quartett Polizisten im Haus zu haben? Das dachten sich jedenfalls Maklerin und Hausbesitzer, als sie vier junge Gesetzeshüter den Mietvertrag unterschreiben ließen. Die Polizeianwärter entpuppten sich jedoch schnell als weniger seriös als angenommen. Ihre Partys waren legendär und laut, die Nachbarschaft rief schon mal die Polizei: »Hallo Kollegen, gehts auch ein bisschen leiser?«.

Ja, ging es, und nach der ersten Zeit des Sturm und Drangs kehrte Ruhe ein in der WG der Uniformierten. Die Polizisten-Anekdote illustriert, dass es beim Geschäft mit Immobilien immer auch um Geschichten rund um Menschen geht, sagt Hofmann.

Für Makler hat sich seit 2015 Entscheidendes verändert: Es gilt das Bestellerprinzip, was bedeutet, das derjenige den Makler bezahlt, der ihn beauftragt. Das ist in der Regel der Vermieter. Der Gesetzgeber hat eine Entlastung der Mieter erreichen wollen, die auch eingetreten ist. Doch viele Vermieter versuchen nun auch, die Wohnungen auf eigene Faust zu vermitteln, um die Courtage zu sparen.

Auch kommt es vor, dass Vermieter ihre Wohnungen zum Verkauf statt zur Vermietung anbieten. Einerseits, beschreibt Strzala, ist die Arbeit der Makler aufwendiger und bürokratischer geworden, andererseits auch persönlicher, denn es gibt weniger unverbindliche Anfragen und ein größeres Interesse, zu passgenauen Ergebnissen zu kommen.

Ebenso wie der Verband »Haus und Grund« (GAZ-Interview vom 26. 1) erleben auch die Maklerinnen, dass die Feier-Wohngemeinschaften der 70er und 80er Jahre der Vergangenheit angehören – wobei die typische WG-Szene auch heute nicht dazu neigt, einen Makler einzuschalten. Hofmann und Strzala, die für die Firma Peters Immobilien tätig sind, haben es häufig mit gut betuchten Eltern zu tun, die bereit sind, für ein WG-Zimmer tief in die Tasche zu greifen. Aber die Bandbreite der Kunden ist insgesamt groß, die Wünsche sind individuell.

Makler sind oft auch psychologisch unterwegs

Bettina Hofmann, Maklerin

Einen auffälligen Trend gibt es seit einigen Jahren: Die Zweier-WG wird immer beliebter. Ein-Zimmer-Appartements sind häufig sehr klein und in Relation zu anderen teuer, zudem verspüren viele den Wunsch nach Geselligkeit. »Abends zusammen essen oder klönen, das bedeutet Lebensqualität«, sagt Hofmann. Oft tun sich Freunde, Kommilitonen oder Geschwister zusammen, manchmal sind die WG-Gefährten sich anfangs auch fremd. Auch berufstätige Erwachsene oder Rentner schätzen zunehmend die Zweisamkeit.

Manchmal gehören Vermieter-Wünsche auch in die Kategorie kurios. Kürzlich wollte ein Hausbesitzer eine riesige Wohnung unbedingt an sieben Frauen vermieten. Weil es mehr Geld bringt als die Miete, die eine große Familie zahlen könnte. Und weil der Mann der Meinung war, die Frauen hielten die Wohnung besonders gut in Schuss.

Geklappt hat die 7er-WG nicht, man einigte sich schließlich nach einem Kennenlern-Termin doch auf ein Paar mit mehreren Kindern. »Unser Geschäft basiert auf Vertrauen, anders geht es nicht«, sagt Hofmann.

 

Kuriose Wünsche

Kurzfristig in Schieflage geraten war das Vertrauensverhältnis vor einiger Zeit in einer Studenten-WG. Die jungen Leute hatten sich ausdrücklich ein ruhiges Lernumfeld gewünscht. Alle Auflagen des Vermieters hatten sie brav abgenickt: Kein Einzug am Samstag, keine Grillfeiern, kein später Besuch. Was sie nicht ahnten: Der Vermieter, der mit seiner Familie im Haus wohnte, war selbst von der lauten Truppe. Die angehenden Akademiker fühlten sich so gestört, dass die Maklerin vermitteln musste.

Verkehrte Welt. »Geben und nehmen nennt man so etwas«, sagt Hofmann und lacht. »Wir Makler sind immer öfter auch psychologisch unterwegs«.

Die Frauen wundern sich zunehmend darüber, dass vielen Menschen ganz normale Alltags- und Sozialkompetenzen fehlen. Sie sind brillant im Beruf und legen erfolgreiche Karrieren hin, bekommen aber im Haushalt nichts hin, leben im Chaos und sind schwierig in der Kommunikation. In einer WG, in der sich keiner so richtig verantwortlich fühlt, können solche Eigenschaften besonders ausgelebt werden.

Aber neben all den »schwierigen« Fällen ist die konfliktfreie Vermittlung immer noch der Normalfall. Motto: Topf findet Deckelchen.

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