27. August 2018, 21:39 Uhr

Zwei Freunde an der Leinwand

Bei der Vernissage in der Hardthof-Galerie wagen die Maler Andreas Rück und Rainer Lather ein Experiment: Sie stellen sich gegenseitig dem Publikum vor. Und das kommt eindeutig von Herzen.
27. August 2018, 21:39 Uhr

Eine erstaunliche Ausstellung ist derzeit in der Galerie im Unteren Hardthof zu sehen. So viel großformatige Malerei dicht nebeneinander, das gibt’s nur selten zu sehen. Überraschend sei auch, so Dieter Hoffmeister, der in seiner Funktion als zweiter Vorsitzender des Vereins Unterer Hardthof zur Vernissage sprach, dass die beiden Maler sich erst seit zwei Jahren kennen. Da bietet die Region Mittelhessen offenbar immer wieder ungeahnte Möglichkeiten.

Beide Künstler sind etwa gleich alt (Jahrgang 1960/61), beide sind in der Region aufgewachsen und verwurzelt. Und beide sind leidenschaftliche Maler. Das ist das verbindende Moment, über das sie sich rege austauschen. Darüber wurden sie zu Freunden und wagten bei der Vernissage am Freitagabend ein Experiment: Sie stellten sich gegenseitig vor. Und das kam eindeutig von Herzen.

Rainer Lather wohnt in Kirchhain bei Marburg, ist aufgewachsen auf dem Dorf in einer Handwerkerfamilie. Er machte eine Ausbildung zum Tischler, bevor er an der Werkkunstschule in Flensburg studierte. Nach beiden Ausbildungen war er jeweils zwei bis drei Jahre im Entwicklungsdienst in Afrika. Nach seiner Rückkehr 1993 war er auch Ausbilder von Tischlern, bevor er vor acht Jahren Lehrer für polytechnische Fächer an der Sophie-Scholl-Schule Gießen wurde.

Malerei fasziniert ihn seit seiner Jugend, er ist Autodidakt in diesem Bereich und hat sich eine enorme Wucht und Frische bewahrt. Erste Motive waren Architektur und Raum, alte Maschinen und Geräte, die er bereits porträthaft inszenierte. Bis er sich an das menschliche Porträt heranwagte und es als sein Thema entdeckte. Er malt nach Fotovorlagen oder Film-Stills, lebende Personen und Selbstbildnisse. Er ist Mitglied des Berufsverbands Bildender Künstler, auch in der neu gegründeten Regionalgruppe Marburg/Mittelhessen. Und nächste Woche erhält er den Weilburger Kunstpreis 2018. Über die Anerkennung freut er sich sehr.

Andreas Rück ist in Gießen bekannt, stellt er doch seit 1999 an verschiedenen Orten aus und ist als Mitglied des Oberhessischen Künstlerbunds an dessen Ausstellungen beteiligt. Er ist aufgewachsen in Biebertal, zeichnet und malt seit seiner Kindheit. Zunächst studierte er Kunstpädagogik in Mainz, später freie Malerei bei Klaus Fußmann an der HdK Berlin. Von Berlin brachte er das gestische, abstrahierende Malen mit, das in der Tradition des deutschen Informel steht. Nach einer schöpferischen Pause entdeckte er die Gegenständlichkeit wieder und erlebte es als eine Befreiung. »Ich habe nicht so viel Fantasie, dass ich aus mir heraus immer Neues erfinden kann. Aber um mich herum gibt es so viel zu entdecken.« Und was er entdeckt, sind oft kleinteilige Dinge, Angeschwemmtes am Strand und im Hafen, Sammelsurien auf Flohmärkten und Schrottplätzen, wie der von Willi Eimer bei Langgöns. Er fotografiert diese Dinge, kombiniert sie im Atelier neu und malt in All-Over-Manier. Es gibt eine Grundzeichnung, die er aber nicht immer weiterverfolgt. Er setzt den Pinsel leicht und locker, was aus der Distanz wie ein minutiöses Detail wirkt, ist aus der Nähe betrachtet ein Farbfleck.

Zu sehen bis 9. September

Es ist die erste gemeinsame Ausstellung für die beiden, sie waren im Vorfeld sehr gespannt, ob die Arbeiten zusammenpassen. Sie haben sich schließlich für eine abwechselnde Hängung entschieden, was bestens funktioniert. Die Malweise ist darüber vergleichbar, Farben harmonieren erstaunlich gut, ähnliche Motivdetails überraschen. Zu entdecken bis 9. September, an den bis 18 Uhr – außerdem beim Hardthof/ARThof-Fest am 8./9. September.

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