17. Juli 2018, 22:09 Uhr

Zum Feiern und Faulenzen

17. Juli 2018, 22:09 Uhr
Einladender Balkon: Vera Bonica ist froh über die neue Errungenschaft. (Foto: Friedrich)

Gießen (cg). Bis vor zwei Jahren gab es eine selbst konstruierte Seilbahn hinunter in den Garten – damit konnte man Essen, Getränke und Geschirr praktisch befördern. Seit Vera Bonica einen großen Balkon besitzt, hat der Lieblingsplatz im Garten Konkurrenz bekommen. An dem großen Tisch ist Platz für einen »Mädelsabend«, ebenso gut lässt es sich aber auch im gemütlichen Liegestuhl aushalten. Gegenüber liegt die Ricarda-Huch-Schule – so ein großes Gebäude bietet nicht gerade tolle Aussichten, möchte man meinen. Das stimmt aber nicht, denn die Stadt hat die riesige graue Fläche begrünt. Im Sommer schaut man ins dichte Grün, im Herbst in flammendes Rot. Wunderschön, sagt Vera Bonica.

Mit roter Fahne voran

Wunderschön ist auch, was sie aus dem riesigen Garten gemacht hat. Als sie Mitte der 80er Jahre das alte, unter Denkmalschutz stehende Haus in der Schillerstraße entdeckte und die leer stehende Wohnung besichtigte, war ihr sofort klar: »Die oder keine.« Das galt auch für den Garten, der damals kaum als solcher zu erkennen war, sondern einer zugewucherten Wildnis glich. Viel Zeit, viel Kraft und viele Ideen später präsentiert sich das Grundstück ganz anders: Großzügig und stilsicher, gepflegt, aber nicht übertrieben gestylt. Rasen, Teich, Wege und Rabatten bilden ein harmonisches Gefüge. »Dabei gab es gar kein Konzept, vieles hat sich so ergeben«, sagt Bonica und lacht. Die Wohnungsbesitzer haben sich darauf verständigt, dass alle den Garten gleichermaßen nutzen können, aber jeder hat sein Areal, das zu ihm gehört. »Das läuft ganz unkompliziert.« Die Familie mit Kindern aus dem Erdgeschoss hat Spielgeräte aufgebaut, eine Nachbarin richtete sich auf dem Rasen einen Sitzplatz ein, und Vera Bonica hat unter den ausladenden Bäumen einen idyllischen Platz geschaffen, an dem man mit vielen Menschen feiern kann. Die ungezwungenen Feste, zu denen jeder Gast etwas beiträgt, sind lieb gewordene Tradition schon von Beginn an, und daran hat sich auch nichts geändert, seit Mann und Kinder nicht mehr hier leben.

Noch nie haben sich im Garten ungebetene Gäste eingefunden, und auch Diebstähle hat es noch nicht gegeben, Lichterketten, Mobiliar und Deko blieben unangetastet. Zum Glück auch die Gartenzwerge aus dem elterlichen Garten im Westerwald. Die Herren mit den Zipfelmützen bilden einen kleinen Demonstrationszug - der erste marschiert mit roter Fahne voran. Ihre Forderung? Vermutlich »Grüne Lieblingsplätze für alle!«

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