23. Februar 2014, 22:05 Uhr

Zum 38. Mal »Rabatz in Bonifaz«

Gießen (cst). Wenn Katholiken eine karnevalistische Rakete zünden, geht das so: Sie stampfen mit den Füßen auf den Boden, klatschen kräftig in die Hände, lassen ein lautes Brüllen ertönen und werfen die Arme in die Luft.
23. Februar 2014, 22:05 Uhr

Mit »Rabatz in Bonifaz« schallt anschließend der Schlachtruf der Fassenachtsgemeinde St. Bonifatius Gießen durch den Raum, die am Samstagabend bereits zur 38. Sitzung eingeladen hatte. Sitzungspräsident Thomas Kupka stellte fest, es werde »gesungen und gelacht, wenn Katholiken feiern Fassenacht.«

»Die Hütte ist voll«, freute sich Kupka zu Beginn der Veranstaltung. 425 Narren kamen in das Bürgerhaus Kleinlinden, wo die Fassenachtssitzung zum fünften Mal stattfand. Stolz zog der Elferrat, geleitet von der Präsidentengarde und dem Fanfarenzug »Zauberklang«, in den ausverkauften Saal ein und ließ den traditionellen Schlachtruf ertönen: »Rabatz in Bonifaz.« Vier Stunden lang unterhielt die Gemeinde mit einem bunten Programm voller Tanzauftritte, Gesangsdarbietungen und Humor. Zu den Ehrengästen zählten Pfarrer Hans-Joachim Wahl, Gisela Zimmermann und Martin Schindler.

Einen musikalischen Jahresrückblick hielten »Staan und Kev« alias Stefan Wohlfarth und Kaan Enis Bülte ab. Zentrales Thema die Spionageaffäre um die NSA, der man mit einem großen »Rauschangriff« und der »Nachrichtenverschlüsselung durch Bier« aus dem Weg gehen wolle. Getreu dem Motto »ein Jahr geht, ein Jahr kommt« widmeten sich die zwei Sänger Edward Snowden oder Franz-Peter Tebartz-van Elst, der sich als beliebtes Ziel diesjähriger karnevalistischer Attacken herausstellt. Staan und Kev hatten einen ernstgemeinten Ratschlag für den Limburger Bischof: »Er muss lernen, sich an das zu halten, was er predigt, es wie Franziskus machen und Füße küssen gehen.«

Das »scharfzüngige Duett« Ritter von Frings und Ritter von Schmitz (Dr. Christoph Thörmer und Klaus Bruchhäuser) versuchte als Kreuzritter verkleidet, die Gießener zum »Alaaf« zu bekehren – jedoch weitestgehend erfolglos. Die christliche Gemeinde wollte das vom »Halleluja« abgeleitete »Helau« nicht eintauschen.

Im Hawaii-Hemd und mit Strohhut bekleidet betraten die »Aandorfer Domspatzen« die Bühne und gaben ein Medley bekannter Kölscher Karnevalslieder zum Besten. Klassiker wie »Viva Colonia« schallten durch den Saal und läuteten den Narrensport Nummer eins ein: die Polonaise. Dadurch erhielten alle Faschingsfans die Möglichkeit, die Bühne zu betreten, ehe hoheitlicher Besuch diese wieder für sich beanspruchte. Das Prinzenpaar der GFV, Mathias I. und Elena I., machte samt Hofstaat seine Aufwartung. Dessen Artilleriekorps unterhielt zudem mit einem Gardetanz, der mitunter die Grenzen des Bürgerhauses aufzeigte. Denn bei der Choreographie gab es auch Hebefiguren, bei denen die Tänzerinnen mit ihren Köpfen die Decke der Bürgerhausbühne streiften.

Beim Lied »Im Schatten des Doms« von Thomas Ransbach ging es anschließend besinnlicher zu. Schneller wurde der Puls erst wieder bei den Sketchen der Formation »Stromkasten 64«, die von den Allendorfern Maxi Luh, Elmar Klee, Georg Rühl und Andrea Hoffmann vorgetragen wurden. Traditionell verbreiteten Küster Gerardus Pellekoorne, Regionalkontor Ralf Stiewe sowie Thomas Oelighoff (Mitglied der Verwaltungsrates) mit ihrer »Doofmusik« gute Laune.

Das Männerballett »Antikörper« zeigte nach einjähriger Kreativpause eine Homage zum Film »Zurück in die Zukunft«. Die 14 Tänzer hatten dazu eine selbstgebaute Zeitmaschine mitgebracht. Eine Büttenrede von Pfarrer Wahl sowie Sketche der Mitglieder der Italienischen Gemeinde und dem Zwiegespräch zwischen Miss Rabatz und Miss Bonifaz (Gisela Zimmermann und Manuela Fey) rundeten den Abend ab.



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