27. Oktober 2017, 20:11 Uhr

Zum 200. Geburtstag Carl Engel von der Rabenau

27. Oktober 2017, 20:11 Uhr
Das Gemälde der Londorfer Kirche befindet sich derzeit im Depot. (Foto: dkl)

Gießen (dkl). Nach Ernst Eimer und Otto Ubbelohde gilt es, einen weiteren Maler der hessischen Heimat zu würdigen. Am heutigen Samstag, 28. Oktober, vor 200 Jahren wurde der Maler Carl Engel geboren. Er wurde 1987 mit einer Ausstellung gewürdigt, die der hessische Museumsverband unterstützte. Schon damals hieß es, Engel sei zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Autor Walter Stolle musste großen Aufwand bei der Recherche betreiben, bis nach Wien, wo die Witwe ihre letzten Jahre verbrachte, und bis in die USA, wohin durch Auswanderung einige Bilder kamen. Der Katalog mit Werkverzeichnis enthält als Leihgeber keine Angabe zum Oberhessischen Museum Gießen, wo sich zwei herausragende Gemälde befinden. Engels Spätwerk »Londorfer Kirche im Abendschein« kam erst 1989 als Schenkung nach Gießen. Das »Kinderbildnis mit Hund« taucht im Werkverzeichnis nicht auf.

Zwei Gemälde im Museum

Carl Engel wurde 1817 in Londorf geboren. Sein Halbbruder und Vormund schickte ihn nach Gießen zur Schule, um sein Zeichentalent zu fördern. Nächste Station war eine private Zeichenschule in Darmstadt. Dank eines Stipendiums konnte Engel 1834 die Düsseldorfer Akademie besuchen. Hier erlernte er das Handwerk der Genre-Malerei. Es folgte 1837 der Besuch der Münchener Akademie. 1840/41 war Engel häufig in Gießen, porträtierte betuchte Beamtenfamilien, unter anderen auch Justus Liebig. Dessen Bildnis ist im Original verschollen, nur eine Zeichnung ist überliefert.

Überall lernte Engel wichtige Künstler kennen, schloss dauerhafte Freundschaften. Mit dem Bildhauer Johann Baptist Scholl dem Jüngeren aus Darmstadt unternahm er längere Reisen, Ende der 1840er Jahre erwarben sie in Rödelheim ein Schlösschen für ein gemeinsames Atelier. Engel zog mit Gattin in die kleine Residenzstadt vor den Toren Frankfurts. Hier verbrachten die Frankfurter Patrizierfamilien ihre Sommer, es gab also reichlich Aufträge für Porträts. Engel war beliebt für Familien- und Kinderporträts, da er Bewegtheit und Humor in seine detailgenaue Darstellung brachte. Sein Humor zeigt sich in zugespitzter Form auch in seinen Karikaturen von Politikern des 1848er Parlaments in Frankfurt, darunter auch der Gießener Professor Carl Vogt.

Das Gießener Museum hat mit den oben genannten Gemälden zwei besondere Schätze in seiner Sammlung. Die Ansicht von Londorf wird gerühmt wegen der besonderen atmosphärischen Lichtstimmung, die erzählerische Komponente in den bewegten Figuren ist typisch für den Maler. Das Kinderbildnis weicht ab vom üblichen, denn offensichtlich haben Eltern ihr verstorbenes Kleinkind porträtieren lassen. Carl Engel kannte dieses Gefühl, er und seine Frau bekamen sieben Kinder, von denen nur zwei Söhne und eine Tochter das Erwachsenenalter erreichten. Es gibt keine direkten Nachfahren.

In der aktuellen Dauerausstellung im Alten Schloss ist das Kinderbildnis zu bewundern (2. Obergeschoss, Stellwand mit Tiermotiven). Das Gemälde der Londorfer Kirche befindet sich derzeit im Depot. Verwiesen sei auf den Kindergrabstein des Moritz von Humbracht, gefertigt von Engels Bildhauerfreund Scholl, das sich im Foyer des Treppenaufgangs befindet. Es wurde vor einiger Zeit zur Unterschutzstellung ins Museum gebracht, auf dem Alten Friedhof befindet sich eine Kopie.

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