29. Dezember 2017, 20:23 Uhr

Wort zum Sonntag

Zugang zu den Kraftquellen finden

29. Dezember 2017, 20:23 Uhr

Es ist guter Brauch, dass man einander zum neuen Jahr Gutes wünscht. Was beinhalten diese Wünsche? Häufig werden hier Gesundheit und Glück genannt. Was mit Gesundheit gemeint ist, können wir meist ganz gut beschreiben, beim Glück ist das schon viel schwieriger. Das lässt sich schwer fassen, und jeder hat seine eigenen Vorstellungen davon. Irgendwie soll alles besser werden, einfacher, klarer. Dieser Wunsch wird umso größer, je unübersichtlicher unser Leben und unsere Welt wird. Und dann gibt es machthungrige Selbstdarsteller, die versprechen, dass es die einfachen Lösungen für die schwierigen Probleme dieser Welt gibt: Egal, ob sie nun Trump, Kim Jong Un, Putin oder Erdogan heißen: Sie verbreiten Lügen und Unwahrheiten und diskriminieren Andersdenke. Und in Deutschland haben etwa ein Achtel der Wähler bei der letzten Bundestagswahl einer Partei ihre Stimme gegeben, die inhaltlich nicht viel mehr zu bieten hat als: Wenn Merkel und die Muslime weg sind, geht es Deutschland wieder gut. Da behaupten Leute, mit simplen Parolen die schwierigen Fragen dieser Welt lösen zu können, und eine große Schar von Menschen läuft ihnen hinterher wie einst dem Rattenfänger von Hameln. Das macht mir Angst und lässt mich mit Sorgen in das kommende Jahr blicken.

Miteinander Hoffnung teilen

Nein, es wird nicht alles gut, und es wird schon gar nicht alles besser, wenn Populisten das Sagen haben. Das Leben ist kompliziert, und manchmal gibt es Probleme, die sich nur mit viel Mühe, Geduld und Ausdauer lösen lassen. Und manchmal gibt es Fragen, auf die wir keine Antworten finden. Das müssen wir lernen auszuhalten. Das kostet Kraft und ist anstrengend. Aber es ist der einzige Weg, dem Leben mit seinen Anforderungen gerecht zu werden.

Von daher wünsche ich Ihnen nicht einfach Glück für das neue Jahr. Ich wünsche Ihnen vielmehr, dass Sie Zugang finden zu Ihren Kraftquellen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Vertrauen finden können, dass Gott schon da ist und unsere Wege mitgeht, auch wenn wir noch nicht sehen können, wie diese Wege verlaufen werden. Und ich wünsche Ihnen, dass Ihr Vertrauen wächst, dass auch andere Menschen diese Zuversicht teilen, dass Gott mit uns unterwegs ist. Dann kann man sich verbunden fühlen und miteinander die Hoffnung teilen. Sie stärkt uns im Widerstand gegen die dunklen Kräfte der Mutlosigkeit und Resignation. Dazu will uns die Jahreslosung aus der Offenbarung ein guter Begleiter sein: »Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.«

Pfarrer Thomas Born

Evangelische Klinikseelsorge Gießen

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