08. September 2008, 20:34 Uhr

Zucker kein unabwendbares Schicksal

Gießen (if). »Tut mir leid. Sie haben Diabetes.« Zu befürchten ist, dass künftig immer häufiger unsere Ärzte den Patienten diese schockierende Eröffnung machen müssen: Acht Millionen Mitbürger sind bereits zuckerkrank, und sie wissen es. Weitere drei bis vier Millionen sind sozusagen »stumme Diabetiker«: Sie wissen es noch nicht.
08. September 2008, 20:34 Uhr

Gießen (if). »Tut mir leid. Sie haben Diabetes.« Zu befürchten ist, dass künftig immer häufiger unsere Ärzte den Patienten diese schockierende Eröffnung machen müssen: Acht Millionen Mitbürger sind bereits zuckerkrank, und sie wissen es. Weitere drei bis vier Millionen sind sozusagen »stumme Diabetiker«: Sie wissen es noch nicht. Dahinter aber droht eine wahre Lawine unser Gesundheitssystem zu überrollen. Rund fünf von zehn Europäern zählen, so Schätzungen der Experten, zu den »Diabetes-Kandidaten«. Sie weisen Symptome des »metabolischen Syndroms« auf, ihr Zuckerstoffwechsel ist bereits gestört. »Die Zahl der Diabetiker in Europa wird in wenigen Jahren von 246 Millionen auf 380 Millionen steigen«, warnt in dieser Situation Prof. Reinhard G. Bretzel, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III im Universitätsklinikum Gießen-Marburg. Ist Diabetes also praktisch unvermeidlich und Resignation angesagt? Dr. Jutta Liersch, Schulungsleiterin des »Diabetes-Schulungszentrums Gießen«, das der Klinik angeschlossen ist, widerspricht energisch: »Diabetes ist kein unabwendbares Schicksal.« Dr. Michael Eckhard, ärztlicher Leiter des Zentrums, pflichtet bei: »Jeder zweite Typ II -Diabetes kann verhindert werden.«

Einen Schwerpunkt im Programm des »11. Gießener Diabetikertages«, der in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Diabetikerbund (DDB) am kommenden Samstag in der Kongresshalle veranstaltet wird, bildet die Aktion »Find-Risk« - zu gut Deutsch »Erkenne Dein Risiko«. Die Beantwortung von acht Testfragen, die jeweils mit Punkten bewertet werden, soll den Teilnehmern ermöglichen, ihr ganz persönliches Diabetes-II-Risiko abzuschätzen und danach ihr Verhalten einzurichten. Wer dabei unter sieben Punkten bleibt, kann aufatmen: Eine spezielle Vorsorge ist nicht nötig. Mehr als 20 Punkte bedeuten: »akuter Handlungsbedarf«.

Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung werden, wie Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann als Schirmherr der Veranstaltung Prof. Bretzel zusagte, den entsprechenden Fragebogen dieser Tage in der Post finden, zusätzlich geht er an rund tausend, nach dem Zufallsprinzip ermittelte Gießener Adressen aus dem Telefonbuch. Die Gießener Allgemeine wird Fragen und die jeweils damit zu ermittelnden Punktzahlen zum Auftakt der Veranstaltung im Laufe dieser Woche veröffentlichen. Schließlich ist auch ein »Find-risk«-Bogen im Internet unter der Website des Diabetesschulungszentrums <%LINK auto="true" href="http://www.uniklinikum-giessen" text="www.uniklinikum-giessen" class="more"%>. de/dsz herunterzuladen.

Im Foyer der Kongresshalle bietet sich dann am kommenden Samstag von 11.15 bis 15 Uhr Gelegenheit zu einem Präventionsgespräch und individueller Beratung. »Aufgerufen«, so Prof. Bretzel, Dr. Eckhardt, Dr. Liersch und Diabetesberaterin Heike Weber, »sind vor allem Teilnehmer, in deren Familien bereits ein Diabetes mellitus vorliegt oder bei denen Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder Übergewicht vorkommen, ohne dass bisher ein Diabetes erkannt wurde.«

Nach Eröffnung von Industrieausstellung und Informationsbörse um 9 Uhr sowie den Grußworten wird Dr. Eckhard jüngste Zahlen zur »Diabetes-Epidemie«präsentieren. In einer anschließenden Podiumsdiskussion, an der Ärzte, Psychologen und Vertreter des Diabetikerbundes teilnehmen, kommen Fragen rund um das diesjährige Motto »Diabetes erkennen-behandeln-vermeiden« zur Sprache.

Danach werden aus verschiedenen Blickwinkeln in Workshops aktuelle Themen mit Experten aus Medizin, Sportmedizin sowie Vertretern regionaler Selbsthilfegruppen angesprochen. Die Abteilung für Sportmedizin der Justus-Liebig-Universität bietet im Laufe des Tages Bewegungs- und Fitnesschecks sowie Nordic-Walking-Einführungen an, die Diätschule präsentiert an ihrem Stand »Prävention durch Ernährung« mit köstlichen Beispielen. Und wer Fragen an die Referenten hat: Ab 13 Uhr stehen sie im Foyer Rede und Antwort.

Vielfach unbekannt ist, dass in der Kinderklinik Gießen das größte hessische Diabetes-Zentrum für Kinder besteht. Für sie und ihre Eltern bieten Prof. Stefan Wudy und seine Mitarbeiter ein eigenes Programm an - »Stargast« ist Anja Renfordt, die Kickbox-Weltmeisterin. Noch Fragen - beispielsweise »Wie viel Bewegung braucht mein Herz ?«, »Können Medikamente durch Bewegung reduziert werden?« oder »Was gibt es Neues aus der Wissenschaft ?« - am Samstag können sie in der Kongresshalle gestellt werden.

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