13. September 2019, 22:11 Uhr

Zu Fuß und doch im »Bus«

13. September 2019, 22:11 Uhr
Als Konsequenz aus dem Projekt steht in der Paul-Schneider-Straße nun ein Schild. Den Bus nutzen nur wenige Kinder für ihren Schulweg. (Foto: csk)

Es gibt sie schon, die Parallelen zwischen »Walking Bus« (zu deutsch: Laufender Bus) und traditionellem Schulbus. Mehrere Kinder machen sich gemeinsam auf den Weg, idealerweise angeführt von mindestens einem Erwachsenen. An festen Haltepunkten nimmt der Tross weitere Mitglieder auf. Und letztlich kommen alle sicher ans Ziel. Aber dieser eine gravierende Unterschied existiert eben doch: Der »Walking Bus« fährt nicht - er läuft. In der nördlichen Weststadt könnten schon bald mehrere Exemplare zu beobachten sein. Denn vor allem als Alternative zum berüchtigten Elterntaxi seien solche Zu Fuß-Gruppen sinnvoll, sagte Anke Judt, die kommissarische Leiterin der Grundschule Gießen-West, jetzt bei einem Pressegespräch.

Das Projekt »Schulwegemanagement« hat dort mit Mitteln aus dem Bund-Länder-Programm »Soziale Stadt - Nördliche Weststadt« ein Jahr lang untersucht, wie die Kinder zum Unterricht und wieder zurück kommen. Ziel ist es, die Verkehrsverhältnisse rund um die Schule zu verbessern und für alle sicherer zu machen. Dafür seien die Schülerinnen und Schüler befragt und Fragebögen an ihre Eltern verschickt worden, erklärten Martina Bodenmüller und Gerd Wilhelm, die Projektleiter. Ein Resultat: »Ein insgesamt sehr hoher Anteil« sei in der Regel zu Fuß, auf dem Fahrrad oder mit dem Roller unterwegs. Lediglich rund ein Viertel der Schüler werde regelmäßig mit dem Auto gebracht oder abgeholt - wobei viele die Wege mal so, mal so bewältigten.

Wünsche und Visionen

Ohnehin bildeten die Statistiken »nicht in erster Linie Gruppen, sondern eher Verhalten« ab, betonte Wilhelm. Eltern, Lehrer und Kinder seien gleichermaßen für das Thema sensibilisiert. So hätten 71 Prozent der Eltern die Fragebögen ausgefüllt und etliche außerdem auch konkrete Wünsche geäußert. Diese reichten von einer verkehrsberuhigten Zone an der Schule über neue Zebrastreifen und Fußgängerampeln bis zu Blitzern. Die Kinder, die mehrheitlich am liebsten das Fahrrad nutzen möchten, verewigten ihre Wünsche unter anderem auf bunten Plakaten. Mit Slogans wie »Lasst uns laufen - Für die Umwelt!« waren sie vergangenes Schuljahr rund um das Schulgelände zu sehen. Demnächst sollen die Kunstwerke erneut zum Einsatz kommen - zumal sie laut Bodenmüller »durchaus einen Effekt« haben. Ein weiteres Ergebnis des Projekts steht seit einiger Zeit in der Paul-Schneider-Straße, direkt vor der Kurve: Das mobile Dialogdisplay fordert Verkehrsteilnehmer auf, den Fuß vom Gas zu nehmen. Andere Maßnahmen seien indes »nicht von heute auf morgen umzusetzen«, sagte Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser.

Der geplante Hol- und Bringpunkt, für den ein Wohnbau-Parkplatz an der Ecke Krofdorfer-/Pater-Delp-Straße im Gespräch war, wird zum Beispiel vorerst noch nicht eingerichtet. Aktuell suche die Stadt weiter einen Standort, was in dem Wohngebiet »nicht ganz einfach« (Eibelshäuser) sei. Als Richtwert für die Entfernung zur Grundschule nannte die Stadträtin etwa 250 bis 300 Meter, eine Empfehlung des ADAC. »Im Prinzip«, meinte Eibelshäuser, seien solche Hol- und Bringzonen »für alle Schulen wünschenswert«. Judt kündigte an, fortan jährlich einen Aktionstag auszurichten.

Den Bus nutzen übrigens auffallend wenige Westschüler, obwohl er direkt vor dem Pausenhof hält. Ein Grund, erläuterte Judt, sei die Taktung, die nicht optimal zu den Unterrichtszeiten passe. Hier wie generell kündigte Eibelshäuser weitere Nachforschungen an. Und das Projekt als solches könne eine Blaupause für andere Gießener Schulen sein.

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