23. Oktober 2017, 06:00 Uhr

Zirkus-Gastspiel

Zirkus des Horrors: Nosferatu an den Hessenhallen

Beim »Zirkus des Horrors« dreht sich alles um Zombies, Angst und Schrecken. Manches Monster war vorher ein braver Azubi.
23. Oktober 2017, 06:00 Uhr

In der Pause steht das Monster zwischen den Zirkuswagen und zieht intensiv an einer Kippe. Es ist offenbar doch irgendwie anstrengend, Menschen im Auftrag einer Zirkusproduktionsfirma zu erschrecken. Das Monster lacht. Dominik Piel Herbst arbeitet seit drei Jahren als hauptamtlicher Erschrecker beim »Zirkus des Horrors«. In der Horrorbranche tätig ist er schon viel länger. Er hat sein Geld verdient in Freizeitparks, bei Halloween-Events, im Theater, beim Film und in Musikvideos. »Ich genieße es, in meinem Beruf in eine Rolle schlüpfen zu können, die mit dem Alltag relativ wenig zu tun hat«, sagt Herbst.

Monster mit Erfahrung

Ursprünglich hat er mal eine Friseurlehre begonnen. Seinen aktuellen Job nennt er »Monstern«. In Gießen ist er für das Labyrinth des Schreckens verantwortlich, das jeder Besucher der Show »Inquisition – Die Folterkammer« auf dem Weg in die Manege passieren muss. Hier ist es dunkel, verwinkelt, nebelig, und an jeder Ecke lauern Monster mit einem klaren Auftrag. In vielen Städten werden einheimische Monsteramateure angeworben, in Gießen greift der Zirkus bei der Premiere am Freitag auf Monster mit Erfahrung zurück. Sie verstehen ihr Handwerk und versetzen die Zuschauer schon vor der zweistündigen Show in die richtige Stimmung.

Am Ende weicht die Anspannung bei großen Teilen des Publikums im fast ausverkauften Zelt der Begeisterung. Es gibt stellenweise stehende Ovationen für Moderator Vampir Nosferatu und seine mehr als 20 Darsteller. Doch selbst wenn die in ihren Kostümen und hinter ihren Masken auch nach der Show noch teilweise bedrohlich wirken und Angst und Schrecken verbreiten, bleibt festzuhalten, dass im Zirkus aus der Geisterbahn nicht alle Nummern die Besucher von den Sitzen gerissen haben.

Zu den Höhepunkten zählten die Jonglage-Künste von Cylios, der bis zu vier Diabolo dressierte. Auch die Schlangenfrau, die ihren Körper bis zur Unkenntlichkeit verdrehte, begeisterte die Gäste, was auch für Hula-Hoop-Künstlerin Camilla und die Motor- und Feuershow galt. Die beiden Luftakrobaten vom Duo Dark Blood sowie Rene D’Arcs Handstandequilibristik auf fünf Stühlen und später auf dem Scheiterhaufen zeigten Akrobatik auf bemerkenswertem Niveau. Manch andere Nummern beschränkte sich aber zu sehr auf Horror-Symbolik, grenzdebile Hexenaustreibungsgesten und morbide Kostüme. Wie von den Zirkusleuten versprochen, floss in der Manege beim Auftritt der Freaks Mago Denis und Pretty Pistol auch Blut. Sie stach ihm Nadeln durch die Wangen und ließ sie später vom Publikum entfernen. Dann klopfte er ihr einen Nagel durch die Zunge, und er sich selbst einen anderen in die Nase. Die Reaktion des Publikums darauf war breitgefächert. Am Ende war der Großteil von der Show begeistert. Und Profi-Monster Herbst zog wohl wieder an einer Kippe.

Noch sieben Shows

Gießen ist die letzte Station der Deutschlandtour des »Zirkus des Horrors«. Bis zum Sonntag stehen die mehr als 20 Artisten noch täglich ab 19.30 Uhr an den Hessenhallen in der Manege und zeigen die Show »Inquisition – Die Folterkammer«. Karten in drei Preiskategorien zwischen 20 und 35 Euro gibt es an bekannten Vorverkaufsstellen. Nach der Show am 29. Oktober verabschieden sich die Mitwirkenden aus sieben Nationen in das Winterquartier.
 

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