05. September 2019, 14:00 Uhr

Spitzenzirkus

Zirkus Flic Flac kommt zurück nach Gießen

Atemberaubende Action, höchste Körperkunst und feinste Comedy: Das bietet Flic Flac vom 10. bis 20. Oktober an den Hessenhallen. Die Gießener Allgemeine macht das erneute Gastspiel möglich.
05. September 2019, 14:00 Uhr

Die Luft flirrt. Da hilft die beste Klimaanlage nicht. Sekunden später mischen sich auch noch Motorengeheul und Benzingeruch in die vor Spannung und Energie ohnehin schon strotzende Atmosphäre. Zu sagen, der Zirkus Flic Flac beginne seine neue Show mit einem Knalleffekt, wäre der Doppeldeutigkeit ein bisschen zu viel. Schließlich verstehen die »Mad Flying Bikes« ganz offenbar etwas von ihrem Handwerk. Allein: Wie sonst soll man den Auftakt dieses zweistündigen Wahnsinns in Worte fassen? 21 Meter weit und zehn Meter hoch fliegen Tomáš Lysácek und Ondrej Záruba mit ihren Motorrädern zur Begrüßung quer über die Manege - bis auf eine Rampe vor dem Backstage-Bereich. Unterwegs lassen sie die Lenker los, schlagen Salti, zeigen andere Stunts. Als sie danach unter dem Jubel der Zuschauer die Helme abstreifen, ahnt wirklich jeder: Klassischer Zirkus sieht anders aus.

Stattdessen liefert »Punxxx - 30 Jahre nicht irgendein Circus« eine Actionshow auf höchstem Niveau. Die Gießener können sie zwischen der Premiere am 10. Oktober und der letzten Vorstellung am 20. Oktober insgesamt 17 Mal live erleben. Nach seinen vielbestaunten Gastspielen 2015 und 2017 macht der weltberühmte Zirkus damit erneut an den Hessenhallen Station. Das Ensemble freue sich bereits auf das »tolle Gießener Publikum«, sagt Pressesprecherin Barbara Rott. Drei Jahrzehnte nach der Gründung des Familienunternehmens aus Bocholt verspricht sie die »beste Flic-Flac-Show aller Zeiten«.

»Beste Show aller Zeiten«

Auf dem Programm stehen neben Thrill auch Witz, Gefühl und Körperkunst. Knapp 100 Mitarbeiter sind für »Punxxx« auf Tour, unter ihnen diesmal 35 Artisten aus 14 Ländern. Dank des hochmodernen Zeltes genießen alle 1450 Zuschauer freien Blick auf das Geschehen. Störende Träger sucht man im Innenraum vergebens, weil außen zwei je zwölf Tonnen schwere Rundbögen sowie knapp 500 Erdanker für die nötige Stabilität bis zu Windstärke zehn sorgen. Der Durchmesser des Hauptzeltes beträgt 42 Meter, zwischen Publikum und Bühne liegen aber nirgends mehr als gut zwölf Meter.

Jeder Besucher ist deshalb hautnah dabei, wenn die von lauter, punkiger Musik begleitete Show sogleich an Fahrt aufnimmt. Jeder, bis auf einen: Ein Donald-Trump-Double geht bereits vor dem Motorrad-Stunt - nach klarer Ansage aus dem Off: »Bei uns gibt es keinen Platz für Rassismus, Sexismus oder Homophobie!« Diesem Gag folgen etliche weitere. Dafür bürgt vor allem »Guerilla-Comedian« David Eriksson, der selbst ernannte »King Kong of Ping Pong«. In hautengen rosa Shorts macht er eine Umbaupause nach der anderen zum humoristischen Event. Mal stopft er sich fünf Tischtennisbälle in den Mund, mal treibt er seine Spielchen mit Pümpel, Weinglas und Luftballon.

Während die Lachmuskeln auf eine harte Probe gestellt werden, finden die Nerven einen Moment lang Erholung. Die haben sie auch nötig, angesichts all der Waghalsigkeiten. So läuft Alex Michael unter dem Zeltdach - ohne Seil und doppelten Boden - kopfüber durch zehn Schlaufen von einem Trapez zum anderen. Die Motorradfahrer der »Helldrivers« rasen zu acht durch den »Globe of Speed«, eine dann doch eher winzige Stahlkugel. Sandeep Kale präsentiert mit Mallakhamb einen indischen Sport, der bisweilen den Atem stocken lässt. Und die »Holy Warriors« aus China, Gewinner des renommierten Fachpreises »Goldener Clown«, springen im vollen Lauf durch rotierende, 60 Zentimeter große Reifen.

Mit dem »King Kong of Ping Pong«

Anmutig wird es, wenn das Trio »Three G« seine Equilibristik performt. Erotik strahlt Olha Peresada aus, die zum Prince-Hit »Purple Rain« in vom Dach prasselndem lila Regen einen Pole Dance in der Luft hinlegt. Und sobald Julia Galenchyk und Dmytro Turkeiev an den langen Seilen zu schweben scheinen, vergisst man fast, wie riskant auch diese, im strömenden (Kunst-)Regen gezeigte Nummer ist.

Nur Tiere sucht man bei Flic Flac vergeblich. »Rocky«, der Waschbär von Magier Coperlin, ist aus Plüsch. Dustin Nicolodi, Rockys sprücheklopfendes und Samuraimesser jonglierendes Herrchen, treibt kurz vor Schluss noch einmal die Lachtränen in die Augen. Im großen Finale holen sich die Artisten ihre verdienten Standing Ovations. Das Publikum tobt. Wer diese Show verpasst, ist selbst schuld.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Artistinnen und Artisten
  • Comedy
  • Gießen
  • Gießener Allgemeine
  • Hessenhallen
  • King Kong
  • Körperkunst
  • Zirkus Flic Flac
  • Zirkus und Varieté
  • Gießen
  • Christian Schneebeck
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos