08. April 2008, 21:20 Uhr

Ziel: Heimische Handwerksbetriebe bevorzugen

Gießen (kw). Die städtische Wohnbau Gießen GmbH teilt künftig bei der Vergabe von Baumaßnahmen die Arbeiten in die einzelnen »Gewerke« auf. So ist ein begrenztes Vergabeverfahren und damit eine Bevorzugung von heimischen betrieben möglich.
08. April 2008, 21:20 Uhr

Bisher standen an Baustellen der Wohnbau Gießen GmbH häufig Schilder von Großfirmen zum Beispiel aus Thüringen. An einigen Wohnblocks am Rodtberg und demnächst bei der neuen Senioren-Wohnanlage am Eichendorffring sind nun vor allem heimische Handwerksbetriebe im Einsatz. Grund ist ein neues Vergabeverfahren: Die städtische Wohnungsgesellschaft teilt die Arbeiten in die einzelnen »Gewerke« auf. Folge: Der Umfang der Aufträge ist meist so gering, dass eine begrenzte Vergabe möglich ist. Das Handwerk in Stadt und Kreis werde dadurch in diesem Jahr voraussichtlich fünfmal so viel Geld mit Wohnbau-Aufträgen umsetzen wie bisher, hieß es gestern bei einem Pressegespräch.

300 bis 400 Arbeitsplätze plus 30 bis 40 Lehrstellen würden dadurch gesichert, sagte Thomas Kupka, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Er gehört seit zwei Jahren zum Aufsichtsrat der 1998 gegründeten Wohnbau-Tochter Mieterservice GmbH. Die inzwischen rund 100 Mitarbeiter übernehmen Instandsetzungsarbeiten im Wert von jährlich rund 4,9 Millionen Euro - etwa wenn ein Wasserhahn tropft, eine Gehwegplatte wackelt oder die Wände zum Mieterwechsel neu tapeziert werden. Kupka hatte in den ersten Jahren kritisiert, all diese Aufträge gingen der freien Wirtschaft verloren.

Diese Kritik sei weitgehend vom Tisch, hieß es nun: Zwar soll die Wohnbau Mieterservice weiterarbeiten wie bisher, aber der größere Anteil der Wohnbau-Investitionen soll nun fast komplett heimischen Firmen zugute kommen. 12,7 Millionen Euro sollen in diesem Jahr nach außen vergeben werden, erläuterte der Wohnbau-Geschäftsführer Volker Behnecke. Früher bekamen den Löwenanteil davon Generalunternehmer vor allem aus dem Osten, die nach einer EU-weiten Ausschreibung den Zuschlag erhalten hatten. Eine solche Ausschreibung ist vorgeschrieben ab einer bestimmten Auftragssumme.

Die werde mit der Branchen-Aufteilung nun meist unterschritten, so Behnecke. Die Wohnbau hole -das sieht ihre neue »Selbstverpflichtung« vor - Angebote bei einigen heimischen Firmen ein und nehme das günstigste davon an. Voraussetzung war, dass die Gesellschaft die Planung und Baustellenbetreuung selbst übernimmt. Dafür wurde die entsprechende Abteilung um zwei Architekten aufgestockt. Erste Erfahrungen hätten gezeigt, dass man auf diese Weise nicht teurer baue. Man erreiche deutlich bessere Qualität und angemessene Arbeitsbedingungen, zudem werde die Kaufkraft vor Ort gestärkt.

»Ich bin stolz, dass mir wieder einmal gelungen ist, Akteure zusammenzuführen, die eigentlich gegeneinander standen«, meinte Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann, der Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnbau ist. Es sei eine konstruktive Lösung gefunden worden. Kupka sprach von einer »Win-win-Situation«, Ingo Lück vom Vorstand der Kreishandwerkerschaft äußerte seine Freude über die »faire Partnerschaft«. Zur Wohnbau Mieterservice GmbH sagte der Obermeister der Elektroinnung, tatsächlich seien Hausmeister-Dienstleistungen für die Betriebe oft nicht rentabel.

Die Handwerks-Vertreter erklärten, ihrer Meinung nach gelte es auch künftig stets die Grenze zu finden zwischen solchen Instandsetzungsarbeiten und größeren Aufgaben, die die freie Wirtschaft erledigen sollte. Behnecke bestätigte: »Auch wir müssen rechnen, ob sich ein Auftrag an die eigene Tochtergesellschaft lohnt.« So sei es auf Großbaustellen erfahrungsgemäß sinnvoller, spezialisierte Firmen einzusetzen. Behnecke bekräftigte aber auch, die Gründung der Tochtergesellschaft sei »die richtige Entscheidung« gewesen. Er betonte noch einmal, es handle sich um einen regulären Handwerksbetrieb, der ohne Extra-Zuschüsse auskomme.



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