21. Juni 2018, 22:02 Uhr

Zehn Jahre RPJAM mit Konzert gefeiert Kulturtermine Brückenschlag der Lahnstädte Das gleiche Stück irgendwie anders Experten des Alltags

Aus einer Mücke einen Elefanten machen können viele. Doch wie man aus einem Krümel vom Abendbrot oder einem Einkauf im Kiosk eine Ausstellung macht, das zeigen ab heute Ingke Günther und Jörg Wagner im KiZ.
21. Juni 2018, 22:02 Uhr
Bum-Suk Kim am Flügel. (Foto: D. Keiner)

Ab jetzt wollen wir es weit bringen« nennt das Künstlerpaar Ingke Günther und Jörg Wagner voller Selbstironie seine neueste Ausstellung im KiZ, dem städtischen Ausstellungsraum in der Kongresshalle. Zu sehen sind Arbeiten, die von Wintersemester 2014/15 bis Sommersemester 2016 entstanden sind, als Günther/Wagner die Gastprofessur Kunst am Institut für Kunstpädagogik der Justus-Liebig-Universität innehatte. Dabei spielen Ansammlungen, Häufungen, Wiederholungen oder eben auch Krümel eine besondere Rolle. Die fotografischen Arbeiten Wagners und die textbasierten Günthers werden um installative Situationen und Bespielungen ergänzt.

Alltagskultur mit Kongressformat

In ihrer Kunst gestalten Günther und Wagner immer wieder Orte und Situationen, die ungewöhnliche Begegnungen provozieren. Verbindendes Thema ist die Alltagskultur. Im KiZ hängen Fotografien, die mit dem Thema Berge und Häufungen spielen: Gestapelte Bodenplatten einer Parkhaussanierung wirken fast wie ein Bühnenbild. Aber es häufen sich auch Wortspielereien, Reihungen von Sätzen und gestickten Schimpfwörtern sowie aus Papier ausgeschnittene Wort-Bild-Kunst. Auf Wäscheständern aufgehängt sind Strudelteige, die die Ästhetik dieses Alltagsmaterials feiern. Es gibt jede Menge zu entdecken und Brot, Käse und Wurst werden auch schon mal zum Hauptdarsteller.

Zu seiner Ausstellung hat das Künstlerduo das Kongressformat ausgerufen. Beim Abendbrotkongress am 30. Juni lädt es an den Tisch zu Brot, Butter und belegten Broten. Es geht um Abendbrotpraktiken, Tischreden und Improvisation. Günther/Wagner wollen ihre maximal 40 Gäste bei einer einfachen Mahlzeit ins Gespräch bringen. Wer den eigenen Teller und Besteck mitbringt, ist im Vorteil. Wer ohne Teller kommt, bekommt ein Provisorium. Um Voranmeldung unter kontakt@extraktnetz.net oder über eine ausliegende Liste wird gebeten.

Die früheren Räume der städtischen Tourist-Info am Berliner Platz werden beim »Internationalen Kioskkongress« am 7. Juli durch eine temporäre Bespielung zur »Kioskbehauptung«. Der Pavillon wird noch einmal für ein flüchtiges Aufscheinen des Kioskthemas genutzt. Für einen Tag wird der büdchenartige Anbau durch ein schnell getaktetes Programm (jeweils sieben Minuten für Vorträge, Diashows, Filme, Performances) bespielt, für das Künstler, Kunstwissenschaftler, Stadtplaner, Architekten und Kioskfans aus dem Umfeld des 1. Kioskclubs 06 eingeladen sind. »Einen Nachmittag feiern wir die Größe der Kleinstarchitektur«, betonen Günther/Wagner. (Foto: gl)

Gießen (pm). Zehn Jahre besteht die in Gießen ansässige Rock Pop Jazz Akademie Mittelhessen (RPJAM) unter der Leitung von Marion Krämer und Andreas Dieruff. Am Freitag fand ein musikalischer Galaabend zum Jubiläum vor geladenen Gästen im Hermann-Levi-Saal statt. Unter der Moderation von Heinz-Jörg Ebert präsentierten sich verschiedene Formationen, die rund um die Akademie entstanden sind.

Doch Krämer und Dieruff wagten auch noch einen Rückblick auf die vergangenen Jahre. Vier Jahre Vorlauf seien nötig gewesen, erinnert sich Andreas Dieruff im Interview, um die Lehrpläne zu entwickeln, für die Akquise der international renommierten Dozenten und vor allem die Koordination mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Der Aufwand hat sich gelohnt, denn die RPJAM ist als gemeinnützig anerkannt. »Ich bin stolz, dass Marion und ich den Mut hatten, das Risiko – vor allem auch das finanzielle – einzugehen, etwas zu starten, das es so vorher noch nicht gegeben hat«, zeigt sich Dieruff stolz.

Beide erinnern sich noch an den ersten Schultag in den Räumen des Music Camps Leihgestern, in dem es bereits nach vier Jahren zu eng wurde, sodass das heutige Gebäude im Gewerbepark in der Grünberger Straße 140 am Waldstadion bezogen wurde. Heute zählt die RPJAM 70 Studierende. Bis heute haben über 200 Studierende dort ihren Abschluss mit der staatlichen Anerkennung zum Berufsmusiker/Pädagogen und Audioengineer/Producer gemacht.

Tag der offenen Tür

Den musikalischen Reigen eröffnete Bum-Suk Kim am Flügel. Er ist Leiter der Franz Liszt Akademie in Köln, die seit letztem Jahr eine Filiale der RPJAM ist. Als nächstes präsentierte sich die Studentenband mit Studierenden aus dem ersten Jahr mit einer Interpretation von Randy Crawfords »Street Life«. International aufgestellt ist die RPJAM auch durch ihre Kooperationen mit dem Los Angeles College of Music, der Universität in Varna in Bulgarien sowie mit verschiedenen Einrichtungen in China und Südkorea. Im Anschluss präsentierte sich die Dozentenband mit Marcel »Chello« Huber (Gesang), Thomas Hromatka (Keyboard), Dirk Brand (Drums), Peter Fischer (Gitarre), Claudio Zanghieri (Bass) und Pitti Hecht (Percussion). Für weitere musikalische Darbietungen sorgten die Studenten/Schülerband und Vorträge verschiedener Studierenden.

Am Samstag bestand dann beim Tag der offenen Tür Gelegenheit, sich umfassend über das Wirken der RPJAM zu informieren. Neben Livemusik der Studentenbands gab es Workshops zum Schnuppern sowie Informationen rund um die Ausbildung an der RPJAM und zu Förderprogrammen.

Musikalischer Sommer – An diesem Freitag stehen ab 19.30 Uhr gleich zwei Gruppen auf der Bühne. Poco piu steht für Harfenpop und Percussionsoul – schillernd, groovig, intim und experimentierfreudig. Auf dem Schiffenberg treffen sie auf das Trio Afro-Kunda Akustik, eine vielseitige multikulturelle Band, die mitreißende afrikanische Grooves mit Elementen aus Funk, Jazz und Pop anreichert. Am Sonntag, 24. Juni, gibt es um 11.30 Uhr ein – kostenpflichtiges – Basilikakonzert mit dem Quadriga Posaunenquartett. Das Repertoire des Posaunenquartetts umfasst Renaissance- und Barockkompositionen, authentisch gespielt auf historischen Instrumenten.

Gemeindefest in St. Thomas Morus – Er hätte dieses Jahr 540. Geburtstag gefeiert, Sir Thomas More, Lordkanzler unter Heinrich VIII von England, Schutzpatron der Regierenden und Kirchenpatron der Gießener Gemeinde St. Thomas Morus. Ihm zu Ehren feiert sein Patrozinium (22. Juni) zwei Tage später am Sonntag, 24. Juni, gemeinsam mit der spanisch-sprechenden Gemeinde in einem festlichen Gottesdienst und anschließend auf dem Kirchenplatz. Los geht’s um 10.30 Uhr. Das Festzelt steht bereit. Gegrilltes und Gezapftes, dazu leckere Paella. Auch die eritreischen Freunde feiern. Am Samstag, 23. Juni, wird der neue Altar geweiht. Wie üblich beginnt der Gottesdienst bereits um 3 Uhr nachts, Samstag um 12 Uhr startet ein großes Fest.

Gießen (dkl). In Wetzlar hat es eine Stadtansicht in das Logo der Stadt geschafft: Das wohl beliebteste Postkartenmotiv von der alten Lahnbrücke hinauf zum Dom auf dem Hügel. Dieses Motiv hat die Künstlergruppe »Schnittmenge« zum Anlass einer Themenausstellung gemacht, die vor einiger Zeit schon in ihrer Galerie am Domplatz zu sehen war. Dr. Susanne Ließegang, Kunstbeauftragte am Uniklinikum Gießen, lud die Künstlergruppe mit ihren Gästen ein, im Klinikum auszustellen. Ort ist die große Magistrale auf Ebene 3, wo man neben der Kunst auch einen grandiosen Ausblick auf die Hügel jenseits der Lahn hat.

»Schnittmenge«, das sind Anne Held, Mechthild Trimborn, Klaus Reuter, Karl-August Sarges und Erhard Waschke; wobei Reuter bei dieser Ausstellung nicht dabei ist. Als Gäste sind präsent: Heike Haas, Aline Litzka-Gans, Liane Talarowski, Inge Trinthammer-Dörr und Werner Krauß. Alle leben in Wetzlar und Umland, was durchaus bis Wettenberg und Gießen reicht.

Zu sehen sind insgesamt neun künstlerisch interpretierte Brücken, von den ursprünglich geplanten zehn sei »eine in Reparatur«, wie Renate Seeger-Brinkschmidt, Vorsitzende des Freundeskreises der Kunst im Uniklinikum Gießen, scherzhaft anmerkte. Ließegang führte in die Ausstellung ein, nutzte die überschaubare Gruppengröße und wanderte mit allen von Bild zu Bild. Für alle vorgegeben war das Format von 140 mal 100 Zentimetern und dass Brücke irgendwie vorkommen muss. Es ist interessant zu sehen wie unterschiedlich damit umgegangen wurde. Da sind formal und farblich reduzierte Arbeiten, die Wetzlar als Ort völlig negieren. Andere belassen die bekannte Stadtansicht, lösen sie malerisch wie in Pixel auf oder machen sie zu einem Nachtbild. Bei anderen steht nur die Brücke im Fokus, mal losgelöst wie eine Himmelsleiter, dann wieder erdenschwer mit Wasser unten und Feuer darüber. Völlig losgelöst vom Postkartenmotiv ist eine grafisch überarbeitete Draufsicht, wie sie im Zeitalter von Drohnen und Googlekarten vertraut ist.

Die Ausstellung ist ein besonderer Brückenschlag zwischen den Lahnstädten Wetzlar und Gießen. Zu sehen bis auf Weiteres, im Neubau des Klinikums, Eingang Klinikstraße.

Gießen (pm). Im März hatte die Kinderoper »Eloise« von Karl Jenkins Premiere auf der taT-Studiobühne. Der Kinder- und Jugendchor des Stadttheaters erzählte darin zusammen mit dem Orchester der Musikschule Gießen eine schaurig-schöne Märchengeschichte über eine böse Hexe und eine heldenhafte Prinzessin, die ihre Brüder von einem Fluch befreien muss. Gemeinsam mit den Musikern haben die jungen Darsteller im Alter von elf bis 18 Jahren nun das Staatstheater Kassel besucht, wo das Stück ebenfalls auf dem Spielplan steht. Die Idee zum Ausflug hatten Theaterpädagogin Masae Nomura und Martin Gärtner, der den Gießener Kinder- und Jugendchor leitet. Den Kontakt zu den nordhessischen Kollegen hatte Nomura auf der jährlichen Tagung für Theaterpädagogen geknüpft.

Die Idee für den Besuch in Kassel sei von den Chorkindern begeistert aufgegriffen worden, sagt Nomura. Groß sei die Neugier gewesen, eine völlig andere Inszenierung »ihres« Stückes zu sehen. Und tatsächlich konnten diverse Unterschiede ausgemacht werden. War die Gießener Inszenierung eher märchenhaft, hatten die Kasseler das Stück in einer moderneren Form auf die Bühne gebracht. Bei einem Nachgespräch im Anschluss an die Vorstellung nutzten die jungen Schauspieler und Sänger die Möglichkeit zum gegenseitigen Kennenlernen, tauschten sich aus über die unterschiedlichen Kostüme und die anders gesetzten Schwerpunkte in beiden Inszenierungen. Dabei, so freut sich Nomura, hätten die Jugendlichen eine wichtige Erfahrung gemacht, nämlich die, dass jede Inszenierung eine einzigartige Interpretation eines Stücks ist, aber nicht die einzig mögliche. Es soll nicht der letzte Ausflug dieser Art bleiben. Den Kontakt zu den Kasseler Theaterpädagogen möchte Nomura in Zukunft vertiefen.

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