01. September 2019, 18:41 Uhr

Vor 5000 Fans

Xavier Naidoo antwortet seinen Kritikern

Sein Auftritt beim Gießener Kultursommer hatte im Vorfeld hohe Wellen geschlagen. Xavier Naidoo geht auf dem Schiffenberg auf die Kritik an seiner Person ein. Für 5000 Fans zählt seine Musik.
01. September 2019, 18:41 Uhr

Bei Xavier Naidoo spalten sich ein wenig die Geister. Die einen halten ihn für einen großartigen Musiker und lieben seine Songs, die anderen kritisieren ihn für sein Auftreten und seine Äußerungen. Letztere sind am Samstagabend aber nur eine Minderheit in Gießen. Nur ein Dutzend Menschen haben sich zum vorher angekündigten Protest vor dem Konzertgelände eingefunden. Die übrigen knapp 5000 Besucher auf dem Schiffenberg genossen Naidoos Musik - und der Musiker selbst nutzte die Gelegenheit, etwas zu den Kontroversen zu sagen.

Die Wellen hatten um den Mannheimer Soul- und Popsänger in den vergangenen Jahren hoch geschlagen: Da war sein umstrittener Auftritt am Rande einer Demonstration von Reichsbürgern am Tag der Deutschen Einheit in Berlin 2014. Wenig später zog der NDR seine Nominierung für den Eurovision Song Contest zurück. Naidoo ging erfolgreich gerichtlich gegen Antisemitismusvorwürfe vor; trotzdem wurde ihm wurde vorgeworfen, rechtsextremes und verschwörungstheoretisches Gedankengut zu bedienen. Zuletzt geriet der R&B-Sänger dann wegen des Söhne Mannheims Lied »Marionetten« in die Kritik.

Beim Kultursommer auf dem Schiffenberg konzentriert sich Naidoo nach dem grandios-langsamen Opening mit »Stille« auf das, was er am besten kann: auf das Singen. Deshalb verzichtet er auch auf ausgefeilte Bühnentechnik oder Show- und Tanzeinlagen. Meistens sitzt er auf einem Hocker vor dem Mikrofon. Vor ihm ein Ständer mit den Liedtexten. »Jetzt geht ihr nach Hause und sagt: ›Der ist alt geworden. Muss auf der Bühne sitzen und den Text ablesen«, witzelt Naidoo, der auch keinen Hehl daraus macht, dass er in drei Jahren schon 50 wird. Er wolle sich aufs Singen konzentrieren, erklärt der gut gelaunte Sänger mit der unvergleichlichen Stimme. »Nehmt’s mir nicht übel.«

Damit diese Stimme - die manchmal einen leichten Hang zum Weinerlichen hat - besonders gut herauskommt, ist auch die Band minimal gehalten: Ein Schlagzeuger, ein Keyboarder und Gitarrist Alex Auer, der extra aus dem Korsika-Urlaub für den Auftritt zurückgekehrt war, und auch schon das Vorprogramm bestritten hat.

Die Kontroversen um seine Auftritte und Äußerungen sind für Naidoo immer noch ein Thema. Er beginnt die erste Strophe von »Was wir alleine nicht schaffen«, aber plötzlich muss er lachen und bricht ab. »Sorry, ich muss bei dem Lied lachen, weil ich immer als rechts verschrien werde und als Nazi«, erklärt Naidoo und meint damit die Textzeile »Während sich andere plagen, und nichts passiert, Sind wir zur rechten (!) Zeit am rechten (!) Ort und alles ist arrangiert« - großer Applaus vom Publikum für den Sänger, den Samy Deluxe (der einen Tag vorher auf der Kultursommerbühne stand) bei seiner MTV-unplugged Version von »Adriano« mit ins Boot geholt hatte und den Chorus bei dem Lied gegen Fremdenhass und Rassismus singen ließ. Auch beim Söldnerlied wird der Sänger nochmal politisch: »Leider muss man immer noch Antikriegslieder singen«, sagt er und stimmt das »Söldnerlied« an.

Im übrigen Konzert schafft Naidoo, der durchaus über sich selbst lachen kann und den einen oder anderen lockeren Spruch auf den Lippen hat, einen abwechslungsreichen Mix. Balladen folgen auf soulige Nummern. Mit »Der Fels«, geschrieben von Moses Pelham, beweist er, dass kaum jemand so viel Gefühl und Pathos in ein Lied legen kann wie er. Bei »Sie sieht mich einfach nicht« aus dem Film »Asterix und Obelix« gibt es Gänsehaut pur. Und nach dem Mutmach-Song »Alles kann besser werden« bedient er sein christliches Klischee mit »Licht und Farbe« von seinem im Juli erschienenen Album »Hin und weg«. 17 Jahre ist es her als »Ich kenne nichts« erschien. Auf dem Schiffenberg motiviert Naidoo die Herren bei diesem Klassiker zum Singen. Nach »Ich brauche dich« verabschiedet sich Naidoo: »Es war eine Hammerehre hier gewesen zu sein, wir kommen gerne wieder.« Und nach der kurzen A-capella-Zugabe »Stand by me« gab er seinem Publikum noch mit auf den Weg: »Genießt das Leben. Gottes Segen. Peace.« Und schwups ist er von der Bühne verschwunden. (Foto: nab)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Asterix
  • Fans
  • Gießen
  • Kritiker
  • Kultursommer Gießen
  • Moses Pelham
  • Norddeutscher Rundfunk
  • Obelix
  • Samy Deluxe
  • Sänger
  • Xavier Naidoo
  • Gießen
  • Nastasja Akchour-Becker
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 - 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.