20. Oktober 2015, 15:33 Uhr

Wolf liest aus seinem neunten Ostfriesland-Krimi

Viele amüsante Geschichten hinter den Geschichten hatte der Bestsellerautor beim Krimifestival am Samstagabend mit im Gepäck, als er vor rund 200 Zuschauern im ausverkauften Rathaussaal aus seinem aktuellen Buch las.
20. Oktober 2015, 15:33 Uhr
Volles Notizbuch: Klaus-Peter Wolf hat den zehnten Roman schon fast fertig. (Foto: Nastasja Becker)

Kann man sich Humphrey Bogart mit einem Staubwedel in der Hand vorstellen? John Wayne am Staubsauger? Oder James Bond beim Gardinenaufhängen? Nein, Hausarbeit ist nichts für Männer, findet zumindest Robert. Bekanntlich müssen sich Schriftsteller ganz in die Protagonisten ihrer Geschichten hineinversetzen, um ihnen die nötige Couleur beim Schreiben zu geben. Einer, der das auf ganz vorzügliche Weise macht, ist Ostfriesland-Krimi-Autor Klaus-Peter Wolf. Da kann es auch schon mal passieren, dass er als eine seiner Figuren tanken fährt – nur schlecht, wenn es die Figur Robert ist und er der Verkäuferin wegen der nicht glimpflich weggekommenen Gemüsesuppe mal besser ein ordentliches Trinkgeld geben sollte. Diese und viele weitere amüsante Geschichten hinter den Geschichten hatte der Bestsellerautor beim Krimifestival am Samstagabend mit im Gepäck, als er vor rund 200 Zuschauern im ausverkauften Rathaussaal aus seinem aktuellen Buch las. Ehefrau Bettina Göschl und Gunnar Peschke (Kontrabass) garnierten die Lesekost mit Musik. So konnte die Kinderliedermacherin unter anderem ein Lied davon singen, wie es ist, »Wenn mein Mann einen neuen Krimi schreibt« und er in verschiedene Rollen schlüpft.

»Ostfriesenwut« ist der neunte Fall in dem Kriminalhauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen ermittelt. Alles beginnt mit einer jungen Frau, die in Leer tot aus dem Hafenbecken gefischt wird. Doch im Lauf des Falls wird die Kommissarin selbst zur Gejagten, denn ein Psychopath ist hinter ihr her, der anscheinend noch eine Rechnung mit ihr offen hat.

Wolf ist bereits zum vierten Mal zu Gast beim Krimifestival in Gießen. »Wenn Autoren mehrfach an einen Ort kommen, dann weils schön war«, sagte der 61-Jährige, der in Gelsenkirchen geboren wurde und auch Fernsehdrehbücher verfasst. Als 2007 der erste Fall, »Ostfriesenkiller«, erschien, da habe bei einer Lesung in Leer die Stadt ihrem Namen alle Ehre gemacht, sagte Wolf angesichts der beachtlichen Zuschauerzahl im Hermann-Levi-Saal. Doch das ist lange her. Mittlerweile sind Wolfs Bücher zu einem Phänomen geworden. Mehr als dreimillionenmal haben sich die im jährlichen Rhythmus erschienen Werke verkauft, und seit Jahren sind seine Romane weit oben auf den einschlägigen Bestsellerlisten. Gespickt mit viel Lokalkolorit mögen sie manchem Leser sogar als Reiseführer dienen.

Aber auch in anderen Sprachen sind sie übersetzt worden. Dabei sorgt das typische Ostfriesische schon mal für so manche Verwirrung. Die Kommissare trinken beispielsweise Tee mit Kluntje (Kandis). »Die französische Übersetzerin hat gefragt, ob das ein landestypischer Schnaps sei«, erzählte Wolf den Besuchern. »Sie dachte wohl, dass alle ostfriesischen Polizisten immer sturzbetrunken Auto fahren«, sagt er und lacht.

Wolf ist Wahl-Ostfriese und lebt als freier Schriftsteller in der Stadt Norden im gleichen Viertel wie seine Kommissarin Ann Kathrin Klaasen. Seine Romanfiguren haben zum Teil reale Vorbilder. So wie Maurer Peter Grendel, den er auf einer Grillparty traf, als er sich überlegt hatte, einen Handwerker als Freund der Kommissarin in die Handlung einzubauen. Grendel fuhr einen gelben Bulli mit dem Slogan »Eine Kelle für alle Fälle«, berichtete Wolf. Besser hätte man es sich nicht ausdenken können. Nachdem der Bulli kaputt gegangen war, hatte sich der Handwerker einen blauen gekauft – mittlerweile habe er ihn aber wieder gelb umspritzen lassen, sagte Wolf. »Das war ich meiner literarischen Figur einfach schuldig«, habe Grendel daraufhin erklärt.

Dass es im nächsten Jahr mit der Krimireihe weitergeht, hat Wolf übrigens auch seinen Gießener Zuhörern verraten. Er hielt sein vollgeschriebenes Notizbuch hoch und
verkündete, dass am 4. Februar der zehnte Band mit dem Titel »Ostfriesenschwur« erscheinen soll. (nab)

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