07. November 2018, 11:00 Uhr

Wohnungsnot

Wohnungsnot in Gießen: Warum die Aktivisten vor der Uni weitermachen

Der Winter naht. Kein Wunder, dass die Aktivisten aus dem »Kultlab« ihre Mahnwache auf dem Uni-Vorplatz beenden wollten. Doch das Zeltlager steht immer noch. Wir haben bei der Uni nachgefragt.
07. November 2018, 11:00 Uhr
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Von Christoph Hoffmann , 1 Kommentar
Kalle hält derzeit die Stellung. Die Mahnwache soll weitergehen. (Foto: Schepp)

Die vor dem Eingang stehenden Sessel sind durchnässt, die leeren Flaschen füllen sich langsam mit Regenwasser. Das Zeltlager vor dem Uni-Hauptgebäude wirkt verlassen. Ist es aber nicht. Wer die Plane beiseite schiebt, erhält zur Begrüßung ein freundliches Hallo. Kalle hat es sich auf einem Sofa gemütlich gemacht. Die Zeltwände schützen vor dem Wind, alte Holzkisten dienen als Regale, und wären die roten Teppiche ein wenig großzügiger ausgebreitet worden, man würde die kalten Pflastersteine gar nicht merken.

Kalle gehört zur Aktivistengruppe, die mit ihrer Mahnwache auf Wohnungsnot und spekulativen Wohnungsleerstand aufmerksam machen will. Gleichzeitig fordern die Demonstranten die Beseitigung von Mängeln in den Uni-Wohnheimen und eine Belebung von leerstehenden Uni-Gebäuden. Angefangen hatte alles mit der Besetzung der Senckenbergstraße 5. In dem Gebäude, in dem früher das Institut für Tierernährung beheimatet war, wollten die Aktivisten ein selbstverwaltetes Kulturzentrum errichten. Nach einem Gespräch mit der Uni-Leitung verließen die jungen Leute das Gebäude aber wieder, alles blieb friedlich. JLU-Präsident Joybrato Mukherjee hatte den Aktivisten Gespräche angeboten, die aktuell auch laufen.

»Nach unseren Informationen wurde die Mahnwache bis 9. November verlängert. Für die damit verbundenen Ziele – insbesondere was die Wohnraumknappheit und die steigenden Mieten in Gießen angeht – hat das JLU-Präsidium großes Verständnis. Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee und Kanzlerin Susanne Kraus sind derzeit mit der hauptsächlich aus Studierenden bestehenden Gruppe in konstruktiven Gesprächen, um gemeinsam nach Lösungsansätzen zu suchen«, teilt die JLU-Pressestelle auf Anfrage mit. Unabhängig davon appelliert das Präsidium an die Teilnehmer der Mahnwache, sich aus Rücksicht auf die Anwohner an die nächtlichen Ruhezeiten zu halten und pfleglich mit dem Platz umzugehen. »Allen Beteiligten sollte zudem klar sein, dass das Zeltlager aus verschiedenen Gründen nicht unbegrenzt bestehen bleiben sollte.«

Wie groß die Wohnungsnot in Gießen sein kann, erlebt Kalle übrigens gerade am eigenen Leib. Nach eigenen Angaben ist er wohnungslos. Einen kleinen Vorteil hat dieser Umstand jedoch: Wegen des Wetters wird er die Mahnwache so schnell nicht aufgeben. »Ich habe schon öfters im Freien geschlafen. Ich kann die Kälte gut ab.«

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