03. Juli 2018, 06:00 Uhr

Mieterhöhungen

Wohnungs-Ärger durch Vonovia

Das Wohnungsunternehmen Vonovia soll nach Modernisierungen überzogene Mietsteigerungen verlangen. Der hiesige Mieterverein schlägt Alarm. In Gießen gehören Vonovia 300 Wohnungen.
03. Juli 2018, 06:00 Uhr
Auch in Gießen ist die Vonovia aktiv. Und auch hier beschweren sich einige Mieter. (Foto: ep)

Wenn Wohnhäuser modernisiert werden, endet das oft mit einer Mietpreiserhöhung. Klar: Zum einen kosten die Arbeiten Geld, zum anderen sparen die Mieter, zum Beispiel durch den Einbau neuer Fenster oder energiesparender Heizungen, später bei den Heizkosten. Doch die Einsparungen halten mit der höheren Miete nicht immer Schritt. Bei der Vonovia, mit über 350 000 eigenen beziehungsweise für Dritte verwalteten Wohnungen deutschlandweit größter Akteur der Branche, soll das besonders drastisch sein. Das sagt zumindest Stefan Kaisers, Vorsitzender des Mietervereins Gießen.

Mieterhöhungen bis zu 80 Prozent

Demnach seien Mieterhöhungen von bis zu 80 Prozent und angekündigte Mietsteigerungen bis zu mehr als 4,80 Euro pro Quadratmeter bekannt geworden. »Die mit den Modernisierungen verbundenen Wohnwertverbesserungen oder Heizkostenersparnisse fallen demgegenüber kaum ins Gewicht«, sagt Kaisers und betont, dass der heimische Verein etliche Vonovia-Mieter in Gießen und Umgebung vertrete. »Viele der Mieter können solche Mietsprünge nicht verkraften, sie müssen ausziehen, weil die erhöhte Miete ihre Einkommensverhältnisse übersteigt. Damit beginnt das, was man Gentrifizierung nennt.«

Eine Problematik, die nicht nur in Gießen zu beobachten sei, sagt Kaisers. Und in der Tat gibt es auch in etlichen anderen Städten Mietervereinigungen, die das Geschäftsgebaren des Wohnungsgiganten kritisieren. Der Vorwurf ist meist der gleiche: So würden die Kosten der Einzelmaßnahmen nur unzureichend dargelegt. Die Auswirkungen auf den Heizkostenbedarf würden lediglich pauschal berechnet. In keinem Fall führe eine energetische Modernisierung trotz behaupteter Einsparungen zu einer Senkung der monatlichen Heizkostenvorauszahlungen.

Instandhaltung statt Modernisierung?

Auch an einer plausiblen Darstellung, wie die Gesamtmodernisierungskosten des Hauses auf die einzelnen Wohnungen und Mietparteien verteilt werden, fehle es häufig. In der Regel steige die Miete drei Mal so stark wie im Gegenzug die Energiekosten für die Mieter sänken. Der Deutsche Mieterbund kritisiert zudem, dass bei der Vonovia häufig überfällige Instandhaltungsarbeiten als Modernisierungen verkauft würden, um anschließend die Miete erhöhen zu können.

Max Niklas Gille, der Pressesprecher von Vonovia, weist die Vorwürfe zurück. »Dass wir uns als börsennotiertes Unternehmen mit hohen Verpflichtungen an Transparenz an geltende Gesetze halten, ist eine Selbstverständlichkeit. Dazu gehört eine klare Trennung zwischen Instandhaltung und Modernisierung. Wir sparen nicht an der Instandhaltung, das ist Unsinn.«

Klage erfolgreich

Gille erinnert daran, dass ein Vermieter nach Modernisierungen bis zu elf Prozess der Kosten auf den Mieter umlegen dürfe. »Unsere durchschnittliche Modernisierungsumlage bewegt sich zwischen 1,60 bis 1,70 Euro pro Quadratmeter. Das ist für uns sozial verträglich.« Der Pressesprecher fordert daher mehr Sachlichkeit in der Diskussion: »Wir haben kein Interesse daran, uns mit unseren Kunden vor Gericht zu streiten.«

In Bremen ist das Unternehmen übrigens jüngst vor Gericht gescheitert. Vonovia wollte einem Mieter nach der Sanierung des Hauses die Miete um knapp 40 Prozent erhöhen. Der Mieter klagte – und erhielt Recht.

Zusatzinfo

Satter Gewinn

Vonovia – der früheren Deutschen Annington – gehören bundesweit rund 350 000 Wohnungen. Das Dax-Unternehmen ist vor allem durch Großübernahmen von Rivalen gewachsen. Die Mieteinnahmen stiegen im vergangenen Jahr um gut 8 Prozent auf 1,67 Milliarden Euro. Die Aufwendungen für Instandhaltung und Modernisierung kletterten auf 1,1 Milliarden. Das Betriebsergebnis erhöhte sich im vergangenen Jahr um gut ein Fünftel auf 920,8 Millionen.


 

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