24. September 2019, 14:00 Uhr

Spatenstich

Wohnstätte für Autisten entsteht in Gießen

Die Lebenshilfe hat an Rödgener Straße mit dem Bau einer Wohnstätte für Autisten begonnen. Sie investiert fast vier Millionen Euro.
24. September 2019, 14:00 Uhr
Vertreter der Lebenshilfe, der Stadt, des LWV und der Planer beim ersten Spatenstich für die Wohnstätte. Im Hintergrund ist das Gebäude des früheren Woodland Clubs zu sehen. (Foto: Schepp)

Es gibt »Weglauftendenzen«, die Betroffenen sind »nicht verkehrssicher«, und einige von ihnen sind auch nicht in der Lage, die gewohnte Umgebung zu verlassen. Die Rede ist von Menschen mit einer sogenannten »Autismusspektrumsstörung«. Elf von ihnen im Alter zwischen 20 und Mitte 30 sollen ab dem übernächsten Winter in der neuen Wohnstätte der Lebenshilfe an der Rödgener Straße ein Zuhause finden. »Wir haben endlich das Stadium der Realisierung erreicht«, freute sich Geschäftsführer Dirk Oßwald am Montag beim ersten Spatenstich für das 3,9 Millionen-Euro-Projekt.

Auf einem Grundstück hinter dem früheren Woodland Club soll in den nächsten eineinhalb Jahren eine Wohnstätte für drei Gruppen mit 15 Einzelzimmern und zwei Gastzimmern entstehen. In zwei Gruppen werden Autisten untergebracht, die dritte werden fünf Bewohner der Lebenshilfe-Wohnstätte aus Albach bilden, die geschlossen wird. Sechs weitere Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten aus der Albacher Wohnstätte werden in Langgöns untergebracht. Zur Schließung der Einrichtung in dem Fernwalder Ortsteil hatte sich die Lebenshilfe aufgrund der schlechten Anbindung nach Gießen, wegen des Gebäudezustands und Ärgers mit Nachbarn entschieden. Aktuell befindet sich die Wohnstätte für die Autisten noch im Gießener Aulweg, aber die Wohnverhältnisse sind beengt und die Möglichkeiten, sich draußen aufzuhalten, begrenzt. Aber genau dies bräuchten autistische Menschen, machte Bereichsleiterin Wohnen, Christine Hasenauer, deutlich. An der Rödgener Straße sehe sich die Lebenshilfe durch die Vermittlung der Revikon GmbH in der Lage, ein großes Außengelände mit Garten zu gestalten. Um die Bewohner vor sich selbst zu schützen, müsse das Areal eingezäunt werden. Tagsüber arbeiteten die Bewohner in den Werkstätten der Lebenshilfe, aber auch das könnten nicht alle. »Für einige müssen wir eine hausinterne Struktur aufbauen«, erklärte Hasenauer.

Mit an Bord ist auch der Landeswohlfahrtsverband (LWV), mit dem die Belegung der Wohnstätte abgestimmt wird. »Es gibt einen großen Bedarf an dieser Platzerweiterung für autistische Menschen. Die Not ist groß in Hessen«, sagte Hasenauer.

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz lobte die Lebenshilfe als »starken Partner«, der »beispielhaft« vorangehe, wenn es um die Einrichtung inklusiver Wohngemeinschaften gehe. Aufsichtsratsvorsitzende Maren Müller-Eríchsen erinnerte daran, dass die Lebenshilfe seit 1991 Autisten betreue: »Die Nachfrage ist leider groß.«

Spendenaktion geplant

Architekt Thomas Raab hat ein Effizienzhaus geplant, das fast 50 Prozent über den üblichen Umweltstandards liege, was Dämmung und Haustechnik betreffe. Eine architektonische Besonderheit werde die kleinteilige Gestaltung der Dachlandschaft sein, die in einer »dörflichen Struktur« angeordnet werde, um auch den Gruppencharakter der Wohnstätte abzubilden. Um den Außenbereich den Erfordernissen an die Unterbringung autistischer Menschen anzupassen, braucht die Lebenshilfe noch knapp 70 000 Euro und will eine Spendenaktion starten.

Mit dem nächsten Neubau etabliert sich zunehmend im Gießener Osten. Auf der anderen Straßenseite wird im Gewerbegebiet Alter Flughafen ein Familienzentrum mit Kita und Wohnungen errichtet, an der Rödgener und Grünberger Straße ist die Sophie-Scholl-Schule untergebracht, während nebenan im Woodland Club die Fahrzeuge der Lebenshilfe Oldtimer-Aktion stehen.

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