17. Januar 2019, 21:57 Uhr

Sperrmüll

Wo ein Stuhl einen Euro kostet

Illegale Sperrmüllentsorgung zählt im Gießener Stadtgebiet zu den Dauer-Ärgernissen. Wissen die Menschen nicht, wie sie den Müll korrekt loswerden? Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.
17. Januar 2019, 21:57 Uhr
Unerlaubte Sperrmüllablagerungen – wie hier im Sandfeld – sind ein Ärgernis. Wer erwischt wird, für den kann es teuer werden. Korrekt entsorgen ist deutlich billiger. (Foto: Schepp)

? Was gehört alles zum Sperrmüll; und was gehört nicht dazu?

Sperrmüll sind feste Abfälle, die wegen ihrer Größe oder ihres Gewichts nicht in die Sammelbehälter gefüllt werden dürfen und die deshalb getrennt vom übrigen Hausmüll gesammelt und transportiert werden. Sperrmüll sind also Gegenstände, die so groß sind, dass sie auch zerkleinert nicht in die Mülltonne oder in einen -sack passen. Dazu gehören etwa Stuhl, Tisch, Sessel, Bügelbrett, Bettgestell, zerlegter Schrank, Matratze, Schreibtisch, Couch und Elektro- und Elektronikschrott. Nicht zum Sperrmüll gehören Baustellenabfälle, Fenster, Türen, Tapeten, Waschbecken oder Kleinmüll in Säcken.

? Wo, wie und wann kann ich Sperrmüll kostenlos abgeben?

Sperrmüll kann kostenlos im Abfallwirtschaftszentrum (Wertstoffhof) in der Lahnstraße 220 abgegeben werden. Zweimal pro Jahr und Haushalt ist dort eine Pkw-Kofferraumladung kostenfrei. Mengen, die darüber hinaus gehen, können dort gegen eine geringe Gebühr abgegeben werden. Diese Gebühr beträgt zum Beispiel bis 100 Kilogramm Sperrmüll pauschal zehn Euro. Geöffnet ist das AWZ Montag bis Freitag von 8 bis 12.15 Uhr und von 13 bis 17 Uhr sowie Samstag von 9 bis 12 Uhr. Bürger sollten ihren Personalausweis oder einen sonstigen Nachweis ihrer Meldeadresse mitbringen. Wer Sperrmüll im Auftrag anderer abliefern will, benötigt eine schriftliche Vollmacht.

? Kann ich meinen Sperrmüll auch direkt vor meiner Haustür abholen lassen?

Ja. Falls jemand den Sperrmüll nicht zum AWZ bringen kann, holt ihn das Stadtreinigungsamt an festgelegten Tagen gegen Entgelt ab. Beantragen kann man dies telefonisch unter der Nummer 0641/306-1639, im Stadtbüro im Rathaus oder im Internet unter www.giessen.de. Die Abholtermine für die jeweiligen Straßen finden Sie unter www.giessen.de.

? Was kostet die Abholung des Sperrmülls?

Das ist abhängig von der Art des Sperrmülls und wird pro Stück berechnet. Ein Stuhl (ein Euro) ist billiger als ein Sofa (vier Euro). Derzeit gelten folgende Gebühren: Ein Euro pro Stück: Gegenstände bis zur Größe eines Stuhls; Zwei Euro pro Stück: Sessel, Garderobe, Fernsehgerät, Tisch, Teppich bis zehn Quadratmeter, Gartenstuhl, Bügelbrett; Drei Euro pro Stück: Waschmaschine, Herd, Kühlschrank, Kleiderschrank, Matratze bis 90 cm, Spüle; Vier Euro pro Stück: Sofa, Arbeitsplatte, Schreibtisch, Bettgestell (ohne Sprungrahmen); Fünf Euro pro Stück: ·Öfen (ohne Schamottsteine), Bettcouch, Gefriertruhe, Kühl-/Gefrierkombination; Neun Euro pro Stück: Eckcouch, Boxspringbett.

? Was ist sonst noch bei der Abholung zu beachten?

Anmeldungen für eine Abholung werden bis 12 Uhr am Vortag vor der Abfuhr angenommen. Der Sperrmüll ist am Abholtag bis 6 Uhr so auf dem Gehweg zu platzieren, dass Fußgänger nicht behindert werden. Sperrmüll wird nur in haushaltsüblichen Mengen mitgenommen. Dies entspricht einer maximalen Summe von 50 Euro pro Abholung für alle Sperrmüllgüter. Glasscheiben, Spiegel und Fliesen sind vor der Abholung von Möbelstücken zu entfernen. Gegen höhere Gebühren (44 Euro pro Kubikmeter) werden auch Sonderabfuhren außerhalb der festgelegten Abfuhrtage durchgeführt. Diese Sonderabfuhren müssen gesondert beauftragt werden unter Tel. 06 41/306-16 39.

? Wie kann ich die Sperrmüll-Abholung bezahlen?

Barzahlung ist bei persönlicher Anmeldung des Sperrmülls im Stadtbüro Gießen möglich. Bargeldlos bezahlen kann man bei Ausfüllen des Abholformulars im Internet.

? Wie viele Tonnen Sperrmüll werden pro Jahr in Gießen abgeholt? Und wie viel Geld nimmt die Stadt dabei ein?

Rund 840 Tonnen Sperrmüll pro Jahr werden abgeholt. Diese verteilen sich auf 180 Tonnen Elektrogeräte/Altmetall, 420 Tonnen Altholz, 240 Tonnen sonstiger Sperrmüll. Die drei häufigsten Sperrmüllfraktionen sind Stühle (ca. 210 pro Monat), Matratzen (ca. 190/Monat) und Regale (ca. 140/Monat). Die städtischen Einnahmen aufgrund der Sperrmüll-Abholung belaufen sich auf rund 120 000 Euro, teilt Stadtsprecherin Claudia Boje mit.

? Warum kommt es trotz kostenloser Annahme von Sperrmüll und regelmäßiger Abholtermine immer wieder zu illegaler Sperrmüll-Entsorgung?

Dies ist eine Frage, die den meist unbekannten Verursachern gestellt werden müsste. Angesichts der sehr niedrigen Preise (etwa ein Euro für einen Stuhl oder drei Euro für eine Waschmaschine) stuft die Stadt Gießen eine »Gebührenvermeidung« als Grund eher nachrangig ein. »Obwohl wir monatlich in jedem Bezirk Sperrmüll entsorgen, ist dies offenbar vielen Personen nicht zeitnah genug«, vermutet Stadtsprecherin Claudia Boje. Die Kosten für die Beseitigung von illegalen Sperrmüllentsorgungen in Gießen liegen bei rund 65 000 Euro pro Jahr. Kann ein Verursacher ermittelt werden, werden ihm die Kosten in Rechnung gestellt. Ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wird auf jeden Fall eingeleitet – ein Bußgeld und die Verfahrenskosten kommen noch hinzu. Werden durch die illegale Ablagerung Umweltgütern (Boden, Luft, Wasser) beeinträchtigt, wird zusätzlich Strafanzeige gestellt.

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