14. Oktober 2018, 19:06 Uhr

»Wir glauben an das Kino«

14. Oktober 2018, 19:06 Uhr
Mit dem Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck (r.) und dem Schauspieler Tom Schilling (M.) begrüßt Kinocenter-Leiter Martin Otto hohen Besuch. (Foto: csk)

Als der Oscar-Preisträger und sein Hauptdarsteller eintreffen, merkt das im ersten Moment kaum jemand. Das Publikum bei der Sondervorstellung von »Werk ohne Autor« sieht am Freitagabend im Kinocenter gerade die letzten Szenen des 188 Minuten langen Films, da stehen sie plötzlich in der Tür: Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck und Schauspieler Tom Schilling. Noch ehe der Abspann beginnt, hat dann aber jeder im Saal mitbekommen, welch prominenter Besuch soeben angekommen ist, um über das monumentale Werk zu sprechen.

Befragt von Kinocenter-Leiter Martin Otto, gewähren die beiden Gäste zunächst Einblick in ihre Arbeit. Schilling erzählt, dass er für die Rolle des Malers Kurt Barnert gelernt habe, wie in den 50er-Jahren Bilderrahmen gebaut wurden. Das sei zwar »nicht gerade einfach gewesen«, habe ihm, der selbst einmal Maler werden wollte, aber durchaus Freude bereitet: »Vielleicht bin ich im Film jetzt sogar ein besserer Maler als Schauspieler.«

Und Henckel von Donnersmarck, 2007 für »Das Leben der Anderen« mit einem Oscar geehrt, berichtet vom Casting. Besonders das Kind Kurt Barnert (Cai Cohrs) sei schwer zu besetzen gewesen. Sebastian Koch als idealer Professor Carl Seeband, Mittäter im NS-Euthanasieprogramm und später Schwiegervater Barnerts, sei ihm dagegen schnell eingefallen. Insgesamt hätten er und sein Team ein »Bekenntnis zum anspruchsvollen Kino« und »etwas Kompromissloses« liefern wollen, sagt Henckel von Donnersmarck, der auch das Drehbuch für »Werk ohne Autor« geschrieben hat. Denn: »Wir glauben an das Kino.«

Thematisch gehe es ihm diesmal um »die menschliche Kreativität«. Und was ist mit den zahlreichen historischen Kontexten, von Naziterror über Wiederaufbau bis zur DDR? »Irgendwie hat es sich angeboten, das Thema vor den Hintergrund der politischen Wirren zu setzen.« Seine tiefere Botschaft beschreibt Henckel von Donnersmarck auf Nachfrage mit dem »Weg eines Menschen zu sich selbst« sowie der »Annäherung an Wahrhaftigkeit«.

Schließlich beantworten Schilling und er sechs Fragen aus dem Publikum, unter anderem zu der Stoffauswahl und Barnerts Vorbild Gerhard Richter. Ein Zuschauer überreicht dem Regisseur noch ein selbst geschriebenes Drehbuch (»Vielleicht finden Sie da Inspirationen für Ihren nächsten Film«). Kurz darauf endet die Stippvisite mit Autogrammen und Fotos, wobei Henckel von Donnersmarck vor allem schreibt, Schilling hauptsächlich posiert.

Viel Zeit haben beide nicht. Sie müssen weiter – zu einem ähnlichen Termin in Marburg.

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