Stadt Gießen

»Wir brauchen Sie!«

Gießen (csk). Wie wird man eigentlich Gießener? Indem man sich dafür entscheidet, meint die Oberbürgermeisterin. »Gießener ist, wer Gießener sein will«, erklärte Dietlind Grabe-Bolz beim Einbürgerungsempfang des Magistrats am Freitagabend in Abwandlung eines Bonmots des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn. 99 Menschen haben diesen Schritt seit Ende August 2017 in Gießen getan und die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. 14 von ihnen waren zu der Feier in den Stadtverordnetensitzungssaal des Rathauses gekommen.
25. Februar 2018, 20:04 Uhr
Christian Schneebeck
14 neue deutsche Staatsbürger begrüßen Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (2.v.l.), Stadträtin Astrid Eibelshäuser (2.v.r.) und Eden Tesfaghiorghis vom Ausländerbeirat (l.) persönlich.		(Foto: csk)
14 neue deutsche Staatsbürger begrüßen Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (2.v.l.), Stadträtin Astrid Eibelshäuser (2.v.r.) und Eden Tesfaghiorghis vom Ausländerbeirat (l.) persönlich. (Foto: csk)

Gießen (csk). Wie wird man eigentlich Gießener? Indem man sich dafür entscheidet, meint die Oberbürgermeisterin. »Gießener ist, wer Gießener sein will«, erklärte Dietlind Grabe-Bolz beim Einbürgerungsempfang des Magistrats am Freitagabend in Abwandlung eines Bonmots des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn. 99 Menschen haben diesen Schritt seit Ende August 2017 in Gießen getan und die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. 14 von ihnen waren zu der Feier in den Stadtverordnetensitzungssaal des Rathauses gekommen.

Sie alle seien fortan »Botschafter unserer Stadt und einer offenen Gesellschaft«, sagte Grabe-Bolz, die sich in ihrer Ansprache für »eine echte doppelte Staatsbürgerschaft« starkmachte. Dass manche ihre ursprüngliche Staatsangehörigkeit aufgeben mussten, nannte sie »bitter«. »Zwei Heimaten, zwei Identitäten und also auch zwei Pässe zu haben« sei dagegen »Ausdruck der Lebenswirklichkeit einer wachsenden Zahl von Menschen nicht nur in unserem Land«.

Die meisten der im vergangenen halben Jahr in der Stadt Eingebürgerten stammen aus Syrien oder der Türkei; ferner sind unter insgesamt 35 verschiedenen Nationalitäten der Iran, Afghanistan und Großbritannien besonders oft vertreten. Ob sie nun aus dem Nahen Osten gekommen sind oder aus der europäischen Nachbarschaft, ob sie »auf der Suche nach Schutz, einem besseren Leben oder einfach der Liebe wegen« den Weg nach Deutschland gefunden haben: »Wir brauchen Sie!«, versicherte Grabe-Bolz den neuen Staatsbürgern.

Wie die Oberbürgermeisterin und Stadträtin Astrid Eibelshäuser ermunterte auch Eden Tesfaghiorghis, die stellvertretende Vorsitzende des Ausländerbeirats, sie dazu, sich sozial und politisch zu engagieren, etwa in Vereinen, Verbänden oder der Nachbarschaft. Eine wichtige Möglichkeit, aktiv zu werden, warte schon im Herbst: Bei den Landtagswahlen könne jeder und jede das neu erworbene Wahlrecht erstmals nutzen, so Tesfaghiorgis.

Unterdessen soll der Einfluss von Migranten auf die Gießener Geschichte in den städtischen Museen demnächst im Zuge eines neuen Projekts deutlicher sichtbar werden, das Stadtarchivar Dr. Ludwig Brake und Dr. Georgia Rakelmann vom Verein »Transit Gießen« vorstellten. Das Multikulturelle Orchester unter der Leitung von Georgi Kalaidjiev begleitete die Feierstunde musikalisch.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Wir-brauchen-Sie;art71,395375

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