11. Januar 2019, 21:24 Uhr

Wort zum Sonntag

Wir alle sind »gekrönte Häupter«

11. Januar 2019, 21:24 Uhr

Vielleicht sind Sie auch schon dem Spruch begegnet: Hinfallen – Aufstehen – »Krone richten« – weitergehen. Das – hoppla! – Krone richten stellt man sich amüsant vor. Das Hinfallen ist es nicht.

Wenn man »nur« mit einer schmerzhaften Prellung davongekommen ist, hat man Glück gehabt. In den Kliniken und Krankenhäusern liegen mitunter Menschen, die von der Leiter gefallen sind bei Haus- und Gartenarbeit oder die aus anderen Gründen gestürzt sind. Dann geht es gar nicht so schnell weiter wie im Spruch beschrieben: Hinfallen – Aufstehen – »Krone richten«… Nach einer Operation dauert das Aufstehen noch länger.

Und auch seelisch braucht man nach solch einer Erfahrung seine Zeit. Der Schock muss überwunden werden. Und die Angst vor einem erneuten Sturz auch. »Krone richten« ist zwar nett, aber leicht gesagt. Manchmal muss man sich selbst verzeihen, dass man unvorsichtig war.

Wahrscheinlich zielt der genannte Spruch gar nicht in erster Linie auf das körperliche Hinfallen einer Person. Vielleicht soll er uns eher an Situationen erinnern, in denen wir aus irgendeinem Grund gescheitert sind.

Man stelle sich vor, man hat sich x-mal beworben und bekommt nur Absagen oder gar keine Antwort. Dann soll man nicht aus lauter Frust liegen bleiben, sondern aufstehen, »die Krone richten«, also Selbstbewusstsein behalten, und weitergehen.

Aufstehen und weitergehen

Ein anderes Beispiel: Man hat sich um die Beziehung zu einem Menschen so sehr bemüht. Und der reagiert nicht, wie wir es uns wünschen. Dieser Misserfolg ist wie hinfallen. Aber dann soll ich nicht liegen bleiben, sondern aufstehen, »Krone richten«, weitergehen.

Ich denke darüber hinaus auch an Situationen, in denen etwas gründlich schief gelaufen ist. Ich bin tatsächlich schuldig geworden. Krone richten, im Sinn von: »Kopf hoch, es muss weitergehen«, ist von anderen Menschen dann leicht gesagt. Kann ich mich selbst annehmen?

Ich muss daran denken, dass ich vor Gott einen unverlierbaren, unschätzbaren Wert habe. Im Psalm 8 sagt der Beter: »Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschenkind, dass du sich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht denn Gott, und mit Ehre und Schmuck hast du ihn gekrönt.« Wir sind also von Gott her gesehen »gekrönte Häupter«.

Gnade und Barmherzigkeit

Natürlich ist das nicht sichtbar, mit einer Krone auf dem Haupt. Aber könnte ich mich in meinem Innern nicht gelegentlich so sehen? Und den Mitmenschen neben mir auch?

Gott sieht uns so. Wir sind gekrönt mit Gnade und Barmherzigkeit, steht in Psalm 103. Er vergibt uns unsere Sünden und heilt unsere Gebrechen. So verstanden finde ich den Spruch hilfreich: Hinfallen – Aufstehen – »Krone richten« – weitergehen. Es kann gut weitergehen, weil Gott es so will und weil er uns liebt.

Regina Pabst, Ev. Klinikseelsorge Gießen

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