Stadt Gießen

Wildschweine in Gießen: Tiere von Grundstück an der Eichgärtenallee verschwunden

Zwei Wildschweine lebten zuletzt in einem Vorgarten an der Gießener Eichgärtenallee. Zeitweise ein Publikumsmagnet. Damit ist es nun vorbei.
08. Mai 2019, 15:27 Uhr
Kays Al-Khanak
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Der Frischling vor einigen Wochen im Garten an der Eichgärtenallee. (Foto: Schepp)

Der Vorgarten an der Eichgärtenallee hatte sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt: Viele Passanten blieben dort in der Vergangenheit stehen, um den beiden Wildschweinen Napoleon und Ramses zuzuschauen, die sich auf dem Grundstück tummelten. Nun hat das Verwaltungsgericht Gießen dem Schauspiel in einem Eilverfahren einen Riegel vorgeschoben: Die Haltung zweier Wildschweine in dem Hausgarten sei nicht artgerecht, teilte das Gericht mit.

Zuvor hatte es dem Veterinäramt des Landkreises Gießen mit sofortiger Wirkung gestattet, den Haltern die Tiere wegzunehmen und anderweitig unterzubringen. Seit ein paar Tagen sind die Wildschweine verschwunden. Halterin Elvira Müller beklagt diese Entscheidung auf der GAZ-Facebookseite: »Den Schweinen ging es bei uns gut. In dem Totschießgatter, in dem sie jetzt sind, werden sie elend sterben – gefressen oder geschossen. Tierschutz wird vorgeschoben.«

 

Wildschweine auf Grundstück in Gießen: Vermittlung bei Napoleon schwierig

Die Gießenerin und ihr Lebensgefährte hatten wiederholt Wildschweine auf ihrem Grundstück an der Eichgärtenallee aufgenommen. Zuletzt waren sie gebeten worden, Frischling Ramses in Pflege zu nehmen; dessen Mutter war wohl erschossen worden. Die Wildschweine Woodstock und Hannibal hatten sie in der Vergangenheit in einen Tierpark vermitteln können. Beim dritten Wildschwein – dem 100 Kilogramm schweren Keiler Napoleon – gestaltete sich dies wesentlich schwieriger.

Das Veterinäramt des Landkreises hatte zwischenzeitlich Druck gemacht und gefordert, die Wildschweine sofort an anderer Stelle artgerecht unterzubringen. Auf Nachfrage dieser Zeitung teilte die Behörde mit, für eine dauerhafte Haltung von Wildtieren sollten mindestens 2000 Quadratmeter pro Tier vorhanden sein. Da Wildschweine in einer Gruppe von mindestens fünf Tieren gehalten werden sollen, sei eine Grundfläche von 10 000 Quadratmetern nötig. Diese Größe hat der Garten, in dem die Tiere bisher lebten, nicht. Gegen die sofortige Vollstreckung der Anordnung des Veterinäramts hatten die Halter Rechtsmittel eingelegt.

 

Wildschweine auf Grundstück in Gießen: Haltung laut Behörde nicht artgerecht

Wie das Verwaltungsgericht nun mitteilt, ermächtige das Tierschutzgesetz das Veterinäramt, »die zur Beseitigung festgestellter Verstöße und die zur Verhütung künftiger Verstöße notwendigen Anordnungen zu treffen und gegen die verantwortlichen Halter vorzugehen«. Die Behörde habe bei Kontrollen vor Ort festgestellt, dass die Haltung der Wildschweine nicht artgerecht sei.

Dass das Veterinäramt den sofortigen Vollzug gefordert habe, sei »nicht unverhältnismäßig«, teilt das Gericht mit. Denn die Anordnung sei »ohne Alternative«. Außerdem seien Belange der Halter, die dem Schutz der Tiere vorgehen könnten, nicht ersichtlich. Nun wird es an der Eichgärtenallee wohl weniger lebhaft zugehen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Wildschweine-in-Giessen-Tiere-von-Grundstueck-an-der-Eichgaertenallee-verschwunden;art71,586844

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