05. Februar 2019, 21:23 Uhr

Wie reagieren Christen auf Populismus?

05. Februar 2019, 21:23 Uhr
M. Blöser

Beim Kirchenvorstandstag des evangelischen Dekanats Gießen im Bürgerhaus Wieseck ging es um den Umgang mit Rechtspopulismus. Wie können Christen in der Diskussion etwa mit AfD-Anhängern argumentieren und für Respekt gegenüber Fremden und für die Stärkung der Demokratie eintreten? Thema: Versöhnlich im Ton, aber klar in der Sache. Dekanatssynodalvorsitzender Gerhard Schulze-Velmede begrüßte 70 Teilnehmer. Referenten Matthias Blöser, Projekt »Demokratie stärken«, vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) zeigte in seiner Präsentation jene Ereignisse, die im vergangenen Jahr für Schlagzeilen sorgten: »Die Pfarrer in Treis, Alten-Buseck und Allendorf/Lda. entziehen einer Lektorin die Gottesdienste, weil sie zur AfD wechselt!«

Aufstehen für Weltoffenheit

Wie man mit rechten Parolen und Vorurteilen umgeht, war anschließend Thema verschiedener Workshops. Was sollen Kirchenvorsteher Vorwürfen wie »Für Flüchtlinge ist Geld da, aber niemand kümmert sich um unsere Obdachlosen« und auch »Als Frau kann man sich nicht mehr auf die Straße trauen« entgegnen? Wie lässt sich eine klare Haltung gegen solche die Wirklichkeit verdrehenden Sichtweisen zeigen? Wie können Christen in der Diskussion mit AfD-Anhängern argumentieren und für Respekt und eine Stärkung der Demokratie eintreten?

»Es ist gut, sich Gedanken über die eigenen Beunruhigungen und die eigenen Positionen zu machen. Diese Gedanken und Strategien können helfen, tatsächlich ins Gespräch zu kommen, ohne die Fronten weiter zu verhärten«, betonte der kommissarische Dekan Andreas Specht, während Schulze-Velmede sagte: »Dieses Thema ist uns nicht spontan eingefallen, sondern hat eine Vorgeschichte und einen konkreten Hintergrund, der sich aus unserer politischen und gesellschaftlichen Diskussion ergibt.«

Der Dekanatssynodalvorsitzende blickte auf eine Veranstaltung im September mit Blöser. Dieser hatte seinerzeit den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, mit den Worten »Aufstehen für Weltoffenheit« zitiert und empfohlen, »dass wir als Kirche selbstbewusst Themen angehen sollen, statt nur zu reagieren«. Daraufhin habe sich die Synode dazu entschlossen, an der Veranstaltung »Solidarität ist unsere Alternative, keine AfD in den Landtag« zu beteiligen. Seit September habe sich die Situation in der Welt »keinen Deut« verbessert.

»Wir stehen als Christen, als kirchliche Mitarbeiter vor der Herausforderung, wie wir auf populistische Äußerungen reagieren und uns dazu verhalten«. Blöser betonte, es gehe darum Ziele, von Rechtspopulismus und Rechtsextremismus zu erkennen. Populistisch agierende Parteien, Gruppen und Personen kennzeichne die Vorstellung, als einzige den »wahren Willen des Volkes« erkannt zu haben und deshalb auch als einzige berechtigt zu sein, für »das Volk« insgesamt sprechen zu können. Dieser Alleinvertretungsanspruch werde manchmal ausdrücklich erhoben. Manchmal stehe er auch verdeckt hinter Argumentationen, mit denen radikales Handeln legitimiert werden soll. Damit gehe einher, anderen die Rechtmäßigkeit ihres Handelns abzusprechen. Ein sachliches Ringen um Inhalte und Lösungen steht dahinter zurück. Wesentliche Elemente von Rechtspopulismus seien Ausländerfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit sowie Homophobie. Immer wieder gehe es darum, das Vertrauen in staatliche Institutionen und in die Presse zu untergraben. Dieses Vorgehen sei derzeit vor allem bei Parteien und Organisationen am rechten Rand des politischen Spektrums zu beobachten. Ihr Ziel ist es, eine grundlegende politische Wende weg von Pluralismus und Liberalismus hin zu völkischem Denken, der Rückkehr zu einem patriarchalen Ehe- und Familienbild.

Gemeinsame Perspektive suchen

In Gesprächen solle man versuchen, nach der Motivation zu fragen und nach einer gemeinsamen christlichen Perspektive zu suchen. Zwei Aspekte sollten dabei berücksichtigt werden: Um tolerant zu sein, lässt man sich manchmal dazu verleiten, menschenfeindliche Äußerungen nicht deutlich genug zurückzuweisen. So könne sich ein vermeintliches Einvernehmen einschleichen, wo eigentlich Widerspruch notwendig sei. Andererseits kann Abgrenzung ohne echtes Bemühen um ein konstruktives Gespräch dazu führen, Menschen noch weiter in rechtsextreme oder rechtspopulistische Positionen zu treiben. Im Dialog sei es hilfreich, Aussagen und Person zu trennen: Die Aussagen müssten problematisiert und Kritik müsse deutlich gemacht werden. Gleichzeitig sei jeder Person Respekt und Achtung entgegenzubringen. Die Grundhaltung: Die Person achten – menschenverachtende Äußerungen benennen und ihnen entgegentreten.

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