06. März 2017, 06:00 Uhr

30 Jahre Wirtin

Wer einmal »zu Maria« geht, kommt immer wieder

Seit inzwischen 30 Jahren ist Maria Penavic Wirtin im Vereinsheim des WSV Hellas. Die ersten Jahre waren durchaus hart. Ein Besuch bei einer Gießener Gaststätten-Institution.
06. März 2017, 06:00 Uhr
Maria Penavic ist seit 1987 Wirtin im Vereinsheim des WSV Hellas. (Foto: süd)

Wohin zieht es den Gießener, wenn er »zu Maria« geht? Diese Frage stand vor Jahren in einem Stadt-Quiz im Streifzug-Magazin. Und die meisten Teilnehmer konnten wie aus der Pistole geschossen antworten. Ganz klar, in die Gaststätte des Wassersportvereins Hellas am Wißmarer Weg. Seit sage und schreibe 30 Jahren ist Maria Penavic dort nun die Wirtin. Nach wie vor denke sie nicht ans Aufhören, sagte die 69-Jährige am Samstag bei einer Feier mit rund 100 Stammgästen.

»Sie ist immer nett und freundlich«, »wir fühlen uns ein bisschen zu Hause«, »so ein gutes Rumpsteak gibt es sonst nirgends zu diesem Preis«: So erklären einige der Mitfeiernden ihre langjährige Treue. Dabei hatten Maria Penavic und ihre Familie – Ehemann Marko sowie die Söhne Zlatko und Tommy haben sie immer unterstützt – eine lange Durststrecke zu überwinden, bis das Restaurant zum Publikumsmagneten wurde. Als sie es 1987 übernahmen, war der schmucklose Flachbau auf einer Anhöhe an der Lahn ein reines Vereinsheim, in dem sich fast ausschließlich Ruderer, Paddler und deren Angehörige trafen. »Da gab es vielleicht mal ein heißes Würstchen oder eine Frikadelle zum Bier«, erinnern sich Senioren.

Speisekarte? »Brauchen wir nicht«

»In den ersten Jahren hatten wir alle noch andere Jobs und kamen erst nach Feierabend hierher«, berichtet Zlatko Penavic, heute Küchenchef. Es habe mehrere Jahre gedauert, bis sich herumsprach, wie gut und günstig man dort essen kann – und das in familiärer Atmosphäre, eben »bei Maria«. »Werbung haben wir nie gemacht, das war alles Mund-zu-Mund-Propaganda.«

Was ist das Erfolgsgeheimnis? »Das Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir waren immer fair, zum Beispiel bei der Umstellung von Mark auf Euro. Und dass man sich über jeden Gast freut.« Manche Mittelhessen brauchten indes einige Zeit, um sich an die Balkan-Küche samt Knoblauchduft zu gewöhnen. Zweites Standbein sind von jeher gutbürgerliche Fleischgerichte, jetzt in den ersten Monaten des Jahres kommen zahlreiche Gruppen außerdem eigens zum Heringsessen her.

»Ich habe in den letzten Jahren auch mal etwas anderes angeboten, Hamburger oder Hähnchen«, erzählt Zlatko Penavic. »Das wollte niemand haben.« Für viele Gäste gehöre es zum Gaststättenbesuch, schon Stunden zuvor voller Vorfreude zu überlegen, was sie heute essen möchten: Raznjici-Spieß, Hellas-Schnitzel, Lammkoteletts? Speisekarte? »Die brauchen wir nicht. Wir wissen schon, was wir wollen«, bekommt die Bedienung häufig zu hören. Ändern soll sich möglichst wenig, das wünschen sich die Stammgäste einhellig. Dass der Verein die Gaststätte vor anderthalb Jahren behutsam renoviert hat, haben sie akzeptiert. Mit Schrecken hörten sie indes das Gerücht, das damals aufkam, während der Umbau viel länger dauerte als geplant: »Maria hört auf.« Sie habe tatsächlich ihren Ruhestand erwogen, räumt die Wirtin ein, doch sie vermisste ihre Arbeit. »Ich bin noch voll im Saft und möchte weitermachen, so lange es geht.«

Seit der Zwangspause lässt sich die Chefin etwas mehr Zeit für Gespräche mit den Gästen. Mit etlichen von ihnen verbindet sie eine Freundschaft, mitunter schon seit 30 Jahren. Für die Hobbys bleibt nach wie vor wenig Zeit: Maria Penavic ist aktive Fünfzigerin, geht gern spazieren oder ins Thermalbad, für ihre sechs Enkel war und ist sie eine beliebte Spielkameradin. »Ich bin zufrieden und brauche keine Geschenke« – die Festgäste bat sie am Samstag stattdessen um Spenden für die Station Peiper für krebskranke Kinder an der Uni-Kinderklinik.

»Wir können uns keine bessere Wirtin vorstellen«, sagte am Samstag der WSV-Hellas-Vorsitzende Michael Berkowski. »Die Zusammenarbeit ist hervorragend. Wir hoffen, dass sie uns noch sehr lange beruflich erhalten bleibt.« Mit Applaus zeigten die Gäste: Diesem Wunsch schließen sie sich an.

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