08. Januar 2018, 20:07 Uhr

Wenn sieben Ekel gratulieren

Vom Hexenessen bis zum Kampf ums nackte Überlegen: Auch im vergangenen Jahr hat das GAZ-Korrektorat viele Verschreiber abgefangen. Manchmal entging den Lesern damit allerdings ein Anlass zum Schmunzeln. Nun erscheinen sie doch noch: Unsere schönsten Fehler 2017.
08. Januar 2018, 20:07 Uhr
Vor allem Petra Pickenhahn, Abteilungsleiterin im GAZ-Korrektorat, steuert zur Sammlung vermiedener Druckfehler immer wieder Zeichnungen bei. Oben von links: Der römische Wachwurm, ein Wehmutstropfen und der Hund, der gern Auto fährt. Unten die Illustration zum Satz »Am zweiten Geiertag öffnet das Hallenbad wieder«. (Fotos: kw)

Lepragruppe hat sich aufgelöst.« »Die meisten dicken Kinder leben im Speckgürtel um die Stadt.« »Polizei überwältigt Stofftier.« Diese Zitate, gesammelt auf der Facebook-Seite »Perlen des Lokaljournalismus«, stammen glücklicherweise nicht aus der Gießener Allgemeine Zeitung. Doch auch wir fanden dort vor wenigen Wochen Erwähnung mit dem augenzwinkernd formulierten Titelkopf »Verkehrsgünstig: Zwei neue Bordelle im Gewerbegebiet Reiskirchen«.

Dass unsere Redaktion nicht häufiger und unabsichtlich dort auftaucht, hat sie vor allem dem Korrektorat zu verdanken. Dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entdecken die meisten Fehler und missverständlichen Formulierungen rechtzeitig vor dem Druck. Die schönsten Beispiele haben sie auch 2017 wieder aufgeklebt und liebevoll illustriert.

Manchmal ist so ein Schnitzer schnell behoben. Nur jeweils ein Buchstabe muss eingefügt werden bei den Sätzen: »Es gratulierten zwei Töchter, zwei Söhne sowie sieben Ekel« und »vom Nachtisch des 76-Jährigen ließ der Einbrecher eine Armbanduhr mitgehen«. In der »Mehrweckhallengaststätte« geht der Trend offenbar zum Zweitbrötchen. »Die Wahrscheinlichkeit, dass die Leute wählen gehen, steigt beim Hautürwahlkampf um 20 Prozent«, erklärt ein Kandidat. Etliche Bürger allerdings hauen ihm leider die Tür vor der Nase zu.

Jägeraugen leuchten rot

In anderen Fällen ist die Löschtaste gefragt. »Energischer Bewohner schreibt Einbrecher an«, »auf der A5 fängt das Fahrzeug plötzlich Feuerwehr« oder »ein Herz für die Klammermusik« (es ging nicht um Stehblues). Bei »Kass-Spatzen und Schnupfnudeln« dachte der des Bayerischen unkundige Kollege vielleicht an den Tabak, den Alpenbewohner gern in die Nase ziehen. »Schwanzentanz ist zu Ende« lautete eine Schlagzeile zum Diebstahl einer Schwanen-Skulptur.

Mitunter ist das Korrigieren indes gar nicht so einfach; nämlich wenn Sätze erst durch den Zusammenhang komisch werden. Eine Sommerfreizeit zum Beispiel wird so zusammengefasst: »Bei abendlichen Lagerfeuerrunden, einem Geländespiel sowie einer Nachtwanderung konnten die Kinder bei strahlendem Sonnenschein die Natur entdecken.« Lob für einen Tierheim-Hund: »Autofahren ist für ihn kein Problem.« Vielleicht kann der Vierbeiner sein Herrchen nach einem feuchtfröhlichen Abend sicher nach Hause bringen? So vermeidet man die »Fahrerflucht nach Parkplatzlollision«, die irgendwie nach Alkohol klingt.

»Auf Ablehnung bei den Delegierten stieß die Absicht des Verbandes, jeden Schützenbezirk zur Abnahme von 1000 Siegerurkunden pro Jahr für derzeit 600 Euro zu verpflichten. Damit könne zum Beispiel das Schützenhaus in Merlau neu tapeziert werden.« Mit Urkunden oder Geldscheinen? Zu diesem Verband gehört wohl auch der Choleriker, der seinen Nachbarn »mit Luftdruckgewähr bedroht« hat. Ist das nicht die Waffe, die bei der Bekanntgabe der Lottozahlen immer ausgeschlossen wird...?

In einer Jagd-Reportage heißt es: »Die Jäger sind mit Suchscheinwerfern auf der Pirsch. Ihre Augen leuchten rot auf, wenn sie angestrahlt werden.« Immerhin ist hier nicht der legendäre Schweinwerfer im Einsatz, der diesmal versucht hat, sich im Kulturteil durchzumogeln: Gleich sechs Tier-schleuderer rahmen eine Bühne mit einem Steinway. Im Wald haben indes »Wildscheine erheblichen Schaden angerichtet«.

Zum Sport. »Gummersbach steht unter massivem Druck, da geht es ums nackte Überlegen.« Nachdenken kann nichts schaden. »Wir haben jetzt zwei Heimspiele hintereinander, dafür müssen wir den Kopf im Schalter umlegen.« Bei einem Wettbewerb geben sich Spitzenschwimmer »die Linke in die Hand«. Gemütlicher geht es im Hallenbad zu, das nach Weihnachten »am zweiten Geiertag wieder öffnet«.

Ein falscher Buchstabe kann viel ausmachen. Etwa beim »He-xenessen« eines Vereins oder bei der »Rekonstruktion eines römischen Wachwurmes«. Der »Wehmutstropfen« leuchtet ein, heißt aber »Wermutstropfen«. Ja, Sie finden leider immer noch Fehler in der Zeitung. »Am nächsten Tag sieht man sie sofort und ärgert sich«, wissen Redakteure wie Korrektoren. Bleibt zu hoffen, dass es manchmal ein Schmunzel-Anlass für die Leser ist, der durchrutscht. Im Korrektorat hängt jedenfalls schon das Plakat für 2018. Mehr dazu in einem Jahr.

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