23. Januar 2017, 19:00 Uhr

Sicherheitscheck

Wenn der Gürtel in der Disco Alarm auslöst

An der Tür der Gießener Diskothek »Nightlife« müssen die Gäste künftig einen Metalldetektor passieren.
23. Januar 2017, 19:00 Uhr
Im »Nightlife« werden Gäste per Metalldetektor überprüft. (Foto: edg)

Ich habe eine Kette, Ohrringe und einen Ring«, sagt die junge Frau etwas aufgeregt, als das Licht des Metalldetektors rot aufleuchtet und piept, während sie hindurchgeht. »Und Kaufmanns Kindercreme«, fällt ihr noch ein. Zu spät. Der Türsteher kommt bereits mit einem Handscanner auf sie zu. Seit Freitagabend müssen die Besucher der Diskothek »Nightlife« im Schiffenberger Tal am Eingang einen Metalldetektor passieren, wenn sie sich ins Nachtleben stürzen wollen. Sicherheitsvorkehrungen dieser Art habe es in der Stadt bisher noch nicht gegeben, sagt Jürgen Boldt, Geschäftsführer des Clubs, der früher Alpenmaxx hieß. Genau eine Woche zuvor war es im »Nightlife« zu einer Auseinandersetzung zweier Jugendlicher gekommen. Dabei soll ein 17-Jähriger einen 18-Jährigen mit einem Messer angegriffen haben. Mit den verschärften Sicherheitsmaßnahmen möchte Boldt verhindern, dass sich so etwas wiederholt.

Die Gäste müssen künftig Handy, Schlüssel und Geldbeutel in einer Plastikschale ablegen, bevor sie durch den Detektor gehen, den man von Flughäfen kennt. Handtaschen werden wie zuvor von den Sicherheitsleute per Hand kontrolliert. Meldet der Detektor einen Gegenstand aus Metall, kommt der Handscanner zum Einsatz. Bei der Abiparty der Ricarda-Huch-Schule am Freitag ist es in vielen Fällen nur ein Gürtel, der Alarm auslöst. Zwei kleine Klappmesser wurden vor dem Detektor freiwillig bei den Türstehern abgegeben.

Der Haken: Die Abfertigung braucht Zeit. Schon vor 23 Uhr hat sich eine Schlange bis auf den Parkplatz gebildet. »Es dauert natürlich etwas länger, aber es ist nicht weniger los«, sagt Boldt. Von seinem Sicherheits-chef kommt die Information: »Bisher hat sich keiner beschwert. Die Leute sind diszipliniert.« Die meisten Gäste ärgern sich nicht über die Verzögerungen, wundern sich aber doch über die Maßnahme. »Ich habe noch nie einen Metalldetektor vor einem Club gesehen, aber es erhöht die Sicherheit«, sagt eine Besucherin. Die Sicherheitsfirma hält die Maßnahme für effektiv und setzt auf einen psychologischen Effekt. Künftig würden vermeintliche Waffen gar nicht erst mitgebracht, glauben die Jungs an der Tür.

Das Polizeipräsidium Mittelhessen hat im Jahr 2015 in oder vor Gießener Diskotheken 70 Körperverletzungen registriert; 970 waren es insgesamt im Stadtgebiet. Messer, Schlagstöcke oder andere Waffen würden dabei jedoch selten eingesetzt, erklärt Polizeisprecher Jörg Reinemer. Meist komme es zu Faustkämpfen unter Alkoholeinfluss. Zahlen für 2016 liegen der Polizei noch nicht vor.

»Dass etwas passiert ist, kann man nicht ändern«, sagt Boldt. Mit dem Kauf des rund zwei Meter hohen und 40 Kilogramm schweren Detektors will er nun künftig für mehr Sicherheit sorgen. Dies sei durchaus eine geeignete Maßnahme, sagt Michelle Schreier von Detector Trade International. Die Firma ist auf Metalldetektoren spezialisiert und verleiht auch mobile Detektoren für Veranstaltungen. 6400 Euro kostet das Standardmodell, ein Handscanner ist für 200 Euro zu haben. Eingesetzt werden sie in Flughäfen, Justizgebäuden, Industrieanlagen, Banken und Behörden – sowie immer häufiger vor Clubs und Veranstaltungen.

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