11. November 2019, 06:00 Uhr

Herztod

Wenn das Herz plötzlich stillsteht

In Deutschland sterben pro Jahr bis zu 200 000 Menschen am plötzlichen Herztod. Professor Michael Schoppet, Kardiologe im EV, beschreibt die Warnzeichen.
11. November 2019, 06:00 Uhr
M. Schoppet

Was versteht man eigentlich unter einem plötzlichen Herztod?

Prof. Michael Schoppet: In der Folge verschiedener Herzerkrankunge n kann es zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen aus der Herzkammer kommen, die zu einem plötzlichen und unerwarteten Herzstillstand führen. Werden nicht umgehend Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet, kann es zum Tod kommen. Auslösende Herzerkrankungen sind vor allem die koronare Herzerkrankung mit einer Minderdurchblutung der Herzkranzgefäße, Herzmuskelerkrankungen oder eine Herzschwäche. Der plötzliche Herztod stellt die häufigste tödliche Manifestationsform einer Herzerkrankung dar. In Deutschland versterben 60 000 bis 200 000 Menschen pro Jahr daran.

Gibt es Menschen, die besonders gefährdet sind? Welche Altersgruppe ist häufig betroffen?

Schoppet: Besonders gefährdet sind Menschen, die bereits an Herz-Kreislauferkrankungen leiden oder die kardiovaskuläre Risikofaktoren haben. Allein die koronare Herzerkrankung erhöht das Risiko für einen plötzlichen Herztod auf das zwei- bis vierfache. Männer sterben häufiger an einem plötzlichen Herztod als Frauen, zudem steigt die Sterblichkeit mit dem Alter an.

Kann man vorbeugen, und wenn ja, was sollte man tun?

Schoppet: Besteht bereits eine Herzerkrankung, muss diese konsequent behandelt werden, entweder durch Medikamente oder durch eine Verbesserung der Durchblutung der Herzkranzgefäße, was beispielsweise durch einen Herzkatheter mit Stentimplantation oder eine Bypassoperation erreicht werden kann. Bekannte kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus, erhöhte Blutfette, Übergewicht oder Bewegungsmangel müssen durch konsequente Behandlung bzw. Vermeidung im Keim erstickt werden. Auch sollte man an regelmäßige kardiologische Kontrolluntersuchungen denken, wenn eine Herzerkrankung bekannt ist.

Welche Warnzeichen deuten auf einen drohenden Herzstillstand hin?

Schoppet: Symptome wie Brustschmerzen, Atemnot oder Schwindel können Vorboten eines plötzlichen Herztodes sein und sollten medizinisch abgeklärt werden.

Die Erstversorgung ist bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand besonders wichtig. Wie kann man denn helfen?

Schoppet: Als erstes muss umgehend der Rettungsdienst (Notruf 112) alarmiert werden. Dann müssen bei einem plötzlichen Herzstillstand sofort Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden. Wenn die Person nicht reagiert, beginnen Sie sofort mit der Herzdruckmassage, die Person sollte mit dem Rücken möglichst auf einer harten Unterlage liegen. Dann an einer Seite des Betroffenen knien, Handballen auf die Mitte des Brustkorbs, zweite Hand auf den Handrücken der ersten setzen und mit gestreckten Armen das Brustbein tief drücken (etwa 5 bis 6 Zentimeter) und schnell genug (100 bis 120 Malpro Minute) in Richtung Wirbelsäule, nach jedem Drücken wieder entlasten. Die Herzdruckmassage nicht durch Beatmen unterbrechen.

Viele haben bei einem Notfall Angst, etwas falsch zu machen und tun stattdessen gar nichts, bis der Notarzt kommt. Warum ist das so fatal?

Schoppet: Bei einem Herzstillstand hört das Herz »von einer Sekunde auf die andere« auf zu schlagen, es fließt kein Blut mehr, der Blutdruck sinkt auf »Null«. Nach etwa zehn Sekunden verliert die betroffene Person das Bewusstsein. In der Folge werden durch den fehlenden Sauerstofftransport die Organe geschädigt und in wenigen Minuten zunehmend zerstört. Besonders das Gehirn ist hiervon betroffen. Die Überlebenschance sinkt von Minute zu Minute, sofern keine Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt werden. Das Einzige was Sie falsch machen können ist, keine Hilfe zu leisten.

UKGM und EV informieren

Um die Erkennung, Behandlung und Vermeidung des plötzlichen Herztods geht es am Mittwoch (13. November) in einer Gemeinschaftsaktion des universitären Herzzentrums des Universitätsklinikums UKGM, Agaplesion Evangelisches Krankenhaus und der Deutschen Herzstiftung. Die Veranstaltung mit mehreren Fachvorträgen von Kardiologen aus beiden Kliniken beginnt um 17 Uhr im Medizinischen Hörsaal 1, (Gebäude Alte Chirurgie), Klinikstraße 29.

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