18. November 2018, 18:26 Uhr

Wenn analog und digital heiraten

18. November 2018, 18:26 Uhr
Einen 3 D-Drucker präsentiert Elias Flory (rotes Hemd) am Stand des »MAGIE – Makerspace Gießen«. (Foto: csk)

Digital first, aber Realität auf keinen Fall second: So ließe sich die Botschaft von Prof. Martin Przewloka wohl nicht nur auf Wahlplakate drucken. »Digitales Gründen in der Praxis« hat der promovierte Physiker den Impulsvortrag überschrieben, den er am Samstag auf dem fünften Gießener Existenzgründertag »TIG Start-Up« des Technologie- und Innovationszentrums Gießen in den Hessenhallen hielt. Sein wichtigster Tipp für alle künftigen Unternehmer lautet: »Es geht heute fast immer um die geschickte Verheiratung der digitalen und der analogen Welt.«

Wie dieses Prinzip funktioniert, lässt sich an der Geschichte von Johannes Constantin Blei studieren. Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann hat »JCB Historische Baustoffe« gegründet. Von einem Wohnhaus und einer Scheune in Biebertal aus vertreiben acht Mitarbeiter historische Tür- und Fensterbeschläge. Ihr wichtigstes Werkzeug: der Onlineshop. Und auch die Idee kam Blei quasi im Internet. Dort habe er eigentlich nur ein paar alte Beschläge verkaufen wollen, erzählt er. Doch die Nachfrage übertraf alle Erwartungen – und offenbarte so eine wahre Marktlücke. Inzwischen listet die Firma 1650 Modelle. »Heute Morgen ist noch eine Bestellung nach Australien rausgegangen«, sagt Blei.

Nicole Elena Reh hat derweil einen harten Kern von Stammkunden auf dem platten Land bei Lüneburg. Über ihr Unternehmen »Spiegelliebe« verkauft die Modedesignerin seit rund einem Jahr nebenberuflich »Worte, die hängenbleiben«. Online, versteht sich. Ob an Spiegeln, Glas- oder Kunststoffoberflächen, ob mit einzelnen Worten (»geliebt«), kurzen Mutmachern (»hab Vertrauen«) oder hessischer Mundart (»net uffmugge«): Rehs Worte bleiben nicht nur hängen – sie sorgen offenbar auch dafür, dass etwas hängenbleibt. Und ganz nebenbei verwirkliche sie ein »Herzensprojekt«, berichtet die Gießenerin strahlend.

Nicht weniger enthusiastisch schildert Lisa Hartmann ihre Gründung. Mit dem Onlinemagazin »Elefantenklo« bietet sie zwar ein ausschließlich digital zu konsumierendes Produkt. Um ansprechende Geschichten zu produzieren, bleibt das echte Leben aber unverzichtbar. Sie wolle »das Analoge ins Digitale holen«, bringt Hartmann ihre Mission auf den Punkt.

Ein paar Schritte weiter erklärt derweil Elias Flory, wie der umgekehrte Weg funktioniert. Am Stand des »MAGIE – Makerspace Gießen« präsentiert er einen 3 D-Drucker und Informationen zum Prototyping. Das auffällig moderne Gerät, das mit digitalen Mitteln ganz analoge Produkte herstellt, lockt auch viele Kinder an.

30 Stände, erstmals Hessenhallen

Haben sich die Gründer von überübermorgen die technischen Möglichkeiten von heute erklären lassen, dann treffen sie am Stand gleich nebenan auf Johannes Mühlig-Hofmann und Falko Schnelle. Mit dem »studio gross klein« sind die beiden in der Produktentwicklung tätig. Am Samstag zeigen sie unter anderem das »KUKO«-Spielzeug. Die Abkürzung steht für »Kugelkonzept«. Klingt vielleicht etwas altbacken, ist es aber keineswegs: Die dahinter stehenden Produkte zielten auf alle Felder, in denen spielerische Ansätze pädagogisch oder didaktisch nutzbar seien, erklärt Hofmann. Vom Kindergarten bis zum Managerworkshop sozusagen.

Der Existenzgründertag fand am Samstag erstmals in den Hessenhallen statt und nicht, wie in den Vorjahren, im Technologie- und Innovationszentrum. Der Gründertag der Messe »Chance« wurde dafür in die Veranstaltung integriert. An mehr als 30 Ständen konnten sich Gründungsinteressierte den ganzen Tag lang beraten lassen und Informationen rund um Planung, Finanzierung und Umsetzung ihrer Geschäftsideen sammeln.

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