Stadt Gießen

Wenn Wespen arbeitslos werden

Gießen (mö). Von einer Plage ist die Rede und von einem Sommer, in dem die Wespen besonders aggressiv sind. Oliver Fox kennt diese wiederkehrenden Schlagzeilen seit vielen Jahren. Der Umsiedler für Wespen- und Hornissen gibt vor allem einen Tipp: »Immer die Ruhe bewahren.«
05. August 2015, 14:33 Uhr
1 LOK STADT 19 - B_112835
Oliver Fox mit einem leeren Wespennest und einem Nistkasten zur Umsiedelung von Hornissen.

Der Diplom-Biologe aus Linden ist vorsichtig mit seinen Einschätzungen, aber auch er sagt nach den Erfahrungen der letzten Wochen: »Ausnahmsweise würde ich auch von einem Wespenjahr reden.« Etwa 25 Haushalte aus Stadt und Kreis Gießen hat er zuletzt beraten, wie am besten mit dem Wespennest in der Gartenhütte, im Rollladenkasten oder der Autogarage verfahren werden sollte, in sechs Fällen siedelte er Völker um. Heute hat er in Fellingshausen seinen ersten Hornissenfall der Saison. »Beim Umgang mit Hornissen bin ich relativ entspannt. Sie haben leider einen extrem schlechten Ruf«, sagt Fox. Anders als ihre kleinen Artgenossen störten die Großwespen Menschen nicht beim Essen, sondern ernährten sich von Schädlingen. Ein Hornissen- bereite jedenfalls deutlich weniger Probleme als ein Wespennest mit über 1000 Tieren.

Seine Aufträge erhält Fox, dessen Haupterwerb ein Handel mit Schmetterlingen und Saatgut ist und der auch Lehraufträge an der Uni hat, meistens unter Vermittlung der Stadt- und Kreisverwaltung. Nur er und vier weitere Experten verfügen über eine Ausnahmegenehmigung, geschützte Insekten, zu denen auch Wespen und Hornissen zählen, umzusiedeln. Fox bringt die eingefangenen Völker in ein Gartengelände, das er im Außenbereich gepachtet hat.

Zum Leidwesen auch der Umweltschutzbehörden nutzen freilich Schädlingsbekämpfer mit 08 00-Nummern die vermeintliche Not von Hauseigentümern aus, töteten die Völker und kassierten die Kunden für diese gesetzeswidrige Dienstleistung auch noch kräftig ab. »Nur nicht«, rät Sigrid Brühl vom städtischen Umweltamt vor Anrufen bei diesen Nummern ab. »Manche Leute reagieren regelrecht panisch auf ihr Wespenproblem und wollen sofort Hilfe«, weiß Brühl. Auch beim Servicetelefon des Umweltamts gingen in diesem Jahr deutlich mehr Anrufe ein.

Bei Fox ist das Beratungsgespräch kostenlos, die dann womöglich notwendige Umsiedlung kostet je nach Aufwand zwischen 40 und 80 Euro, in extrem schwierigen Fällen auch 100 Euro. »Da fangen die Preise für Schädlingsbekämpfung im Grunde aber erst an«, erläutert der Biologe.

Nur die Jungkönigin überlebt

Wie er aus seiner Arbeit berichtet, seien die Leute häufig überrascht, wenn er ihnen sage, dass sie das Nest bereits seit April im Haus haben. Bemerkbar machten sich die Wespen aber erst im Spätsommer, wenn der Nestbau abgeschlossen sei und die Arbeiterinnen nichts mehr zu tun hätten. »Die sind dann arbeits- und führungslos, treiben sich rum und haben Hunger auf Süßes.« Mit der Auflösung des Staates erledige sich dann auch das Nestproblem; nur die Jungkönigin überlebe. Angesichts der Aussicht, dass die Wespen nur noch wenige Wochen Mitbewohnerinnen seien, verzichteten etliche Ratsuchende schließlich auf eine Umsiedlung, so Fox.

Generell rät er beim Umgang mit den Tieren zur Ruhe. Aggressiv würden Wespen eigentlich nur, wenn sie sich in Nestnähe gestört fühlten. Fox: »Die fühlen sich dann so wie Sie, wenn bei Ihnen ständig jemand gegen die Fenster und die Türen haut. Das würden Sie auch nicht mögen.«

Tipps für den Wespenumgang
  • Vor dem Trinken einen Kontrollblick ins Glas werfen.
  • Kindern enge Trinkhalme geben und ihnen nach dem Verzehr von Süßem immer Mund und Hände abwischen.
  • Esstisch immer abräumen und Speisereste beseitigen.
  • Vorsicht beim Einwerfen von Müll in nicht abgedeckte Abfallbehälter.
  • Keine hektischen Bewegungem, wenn Ihnen Wespen zu nahe kommen.
  • Sichtschutz gegen Nester, Insektengitter oder Perlschnüre halten die Tiere fern.
  • Nach einem Stich: Wunde kühlen und gegebenenfalls ein Gel auftragen. Bei allergischen Reaktionen und Stichen im Mundbereich die 112 anrufen und zur ersten Linderung Eiswürfel lutschen.

Servicenummer beim Umweltamt
306-21 13 E-mail: umweltamt@giessen.de

 

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Wenn-Wespen-arbeitslos-werden;art71,104405

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung