27. August 2019, 22:26 Uhr

Wenn Narren regieren

27. August 2019, 22:26 Uhr
Das »Tyll«-Team (v. l.): Dramaturg Harald Wolff, Mario Portmann (Regie), Jochen Diederichs (Bühne) und Tiago Manquinho (Choreografie). Es fehlt Katharina Sendfeld (Kostüme).

Mit der Bühnenadaption von »Tyll«, dem Bestseller-Roman des Erfolgsautors Daniel Kehlmann, startet am Samstag die Schauspielsaison im Großen Haus am Stadttheater. »Tyll« ist eine Geschichte von Schalk und Größenwahn - und die Lebensgeschichte von einem, der beschlossen hat, nie zu sterben: In seinem Bestseller erfindet Kehlmann den Till-Eulenspiegel-Mythos neu und versetzt die Geschichte des anarchischen Narren in das vom Dreißigjährigen Krieg verwüstete Deutschland. Er beschreibt, was passiert, wenn Polit-Clowns aus Langeweile, Machtgier und Dummheit leichtfertig eine europäische Staatenordnung aufs Spiel setzen. Kein Wunder, dass die Theater landauf, landab den Stoff adaptieren. Gießen ist nach der Uraufführung in Köln 2018 die zweite Station.

Im Pressegespräch stellten Regisseur Mario Portmann, der erstmals am Stadttheater inszeniert, und Chefdramaturg Harald Wolff die Besonderheiten der von Portmann geschriebenen Bühnenfassung des »fleischlichen Romans« vor. Die Zuschauer erwarte ein »Zeitpanorama voller starker Bilder«, verspricht der Dramaturg. Regisseur Portmann will in seiner Fassung des Tyll als »Prototyp des Künstlers« auch die »Beiläufigkeit des Todes« als Mahnung verstanden wissen und zeigen, mit welcher Nonchalance manchmal Mächtige Katastrophen auslösen. »Wir tauchen ein in das Buch von Kehlmann und sind in unserer eigenen Art autorentreu«, macht er neugierig. Mit im Team ist Jochen Diederichs, der die Bühne als leeren Raum nimmt, um mit den Mitteln der Theatermaschinerie die Kriegsmaschinerie zu zeigen. »30 Jahre und viele Ort« bringt er so zusammen.

Theaterwissenschaftlerin Katharina Sendfeld legt mit ihren Kostümentwürfen ihre Masterabschlussarbeit vor und freut sich, dabei »aus dem Vollen schöpfen zu können«. Ihre Kostüme seien historisch inspiriert und drifteten ins Fantasievolle ab: »Ein Narrenfest«. Choreograf Tiago Manquinho sorgt »fast homöopathisch« dafür, dass die Schauspieler ihre Texte mit Bewegungen unterstreichen können. Johannes Kühn baut mit Musik für das Stück einen »akustischen Raum«. (Foto: Schepp)

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