22. März 2017, 20:02 Uhr

Wenn Gefühle Achterbahn fahren

22. März 2017, 20:02 Uhr
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Von Manfred Merz
Am Tresen in Premierenlaune (v. l.): Marie Seidler, Heiko Mönnich, Hans Walter Richter und Grga Peroš. (Foto: Schepp)

Gießen (mm). Unter dem Motto »Die betrogenen Betrüger« gewährt die nächste Opernpremiere im Stadttheater Einblicke in allzu Zwischenmenschliches. Wolfgang Amadeus Mozarts Klassiker »Così fan tutte«, eine der erfolgreichen Symbiosen des Komponisten mit seinem Librettisten Lorenzo da Ponte, verspricht in der Neuinszenierung von Hans Walter Richter eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Premiere feiert das Stück am kommenden Samstag, 25. März, um 19.30 Uhr im Großen Haus.

Das Thema hat schon ein paar Jahrhunderte auf dem Buckel, erscheint aber tagtäglich aktuell: Wie treu ist meine Liebste? Die jungen Offiziere Ferrando und Guglielmo sind sich sicher: Ihre beiden zauberhaften Verlobten Fiordiligi und Dorabella würden sie niemals betrügen. Don Alfonso wettet dagegen. Als Zyniker ist er im Bilde und von den weiblichen Liaisonfähigkeiten überzeugt. Die beiden Naivlinge schlagen ein, schon beginnt ein folgenschwerer Partnertausch. Zunächst schwören die Damen ihren Helden felsenfeste Treue. Doch bald bröckelt der erste Stein. Als Ferrando und Guglielmo verkleidet die Szenerie betreten, wendet sich das Blatt vollends.

In seiner Regie greift Richter die Gefühlsebenen auf. »Ich habe sechs Hauptdarsteller auf der Bühne«, sagte er beim Pressegespräch im Theaterfoyer. Trotz der Ironie, die Text und Musik verströmen, betonte Richter, er nehme den Stoff ernst. Ausstatter Heiko Mönnich schafft dafür ein klares, zeitloses Bühnenbild, das sich wandeln lässt und so den Geschehnissen anpasst, ohne vom Spiel der Sänger abzulenken. »Wir haben eine gemeinsame Ästhetik gefunden«, betonten beide und behielten Details lieber für sich.

Mezzosopranistin Marie Seidler und Bariton Grga Peroš unterstrichen, wie intensiv die Probearbeiten waren, um die Gemütslagen der Protagonisten klar und deutlich auf die Bühne zu bringen. Unter dem Dirigat von Generalmusikdirektor Michael Hofstetter nimmt das Philharmonische Orchester Gießen in der klassischen Besetzung im Graben Platz. Als Experte für die historisch informierte Aufführungspraxis lässt Hofstetter mit Naturhörnern und -trompeten spielen. Die Streicher benutzen historische Bögen, um den Klang möglichst nah ans Original des Jahres 1790 heranzuführen.

Weitere Vorstellungen nach der Premiere sind am 1. und 17. April, 24. Mai sowie am 11. und 30. Juni (jeweils um 19.30 Uhr).



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