26. April 2009, 21:00 Uhr

»Welt der Reptilien« lockte in die Kongresshalle

Gießen (fd). Johanna ist eine dieser Schönheit. Jeder will ihre Haut spüren - und bereitwillig schmiegt sie sich auch dem letzten ihrer Bewunderer für einen kurzen Moment an den Hals. Johanna ist ein fast vier Meter langer Tiger-Python und Teil der Ausstellung »Welt der Reptilien«, welche am Wochenende die Kongresshalle mit zahlreichen Schaulustigen füllte. Anfassen war bei den meisten Tieren erlaubt.
26. April 2009, 21:00 Uhr
Tierpfleger Felix Kendler brachte mit dem Tigerpython Johanna vor allem die Kinder zum Staunen. (Foto: fd)

In ihrer asiatischen Heimat wäre Johanna genauso wie ihre Artgenossen wohl in großer Gefahr: Das Interesse der Lederindustrie an Pythonhaut, die Nutzung der Eingeweide als Arzneimittel oder auch Waldbrände haben ihre Zahlen stark dezimiert. Doch fern von Bangladesch und Indien hat die Würgeschlange im sächsischen Torgau bei Fernando Richter ein sicheres Zuhause gefunden. »Natürlich achten wir auf artgerechte Haltung«, erklärt der Tierpfleger. Warum die wilden Tiere bei den Vorstellungen auf der Bühne so zahm erscheinen, dass sie vom Publikum gestreichelt werden können? »Wir züchten selbst, und so sind Alligatoren oder Schlangen den Umgang mit Menschen gewohnt.« Weder würden Medikamente zur Beruhigung verabreicht, noch kühle man die Terrarien der wechselwarmen Reptilien so stark herab, dass diese nur noch träge herumkauern. »Außerdem sind wir keine klassische Wanderausstellung, und die 300 Tiere hier machen nun erst einmal wieder lange Entspannungsurlaub auf unserer Farm in Sachsen«, möchte Richter Zweifel ausräumen.

Mittlerweile hat Matilda den Platz auf der Bühne eingenommen. Mit ihren behaarten Beinen und ihren spitzen Fangzähnen erinnert sie kaum an klassische Schönheitsideale, Gänsehaut löst die zehn Zentimeter große Vogelspinne dennoch aus. Die Ängste stehen aber in keinem Verhältnis zur Realität: »Ihr Gift tötet zwar potenzielle Beute wie Vögel oder Ratten, einem gesunden Menschen kann es aber wenig anhaben«, verrät Tierpfleger Felix Kendler und streichelt über Matildas Rücken. »Wir leisten auch Aufklärungsarbeit«, verweist er darauf, dass sich Reptilien oder Spinnen noch immer großer Beliebtheit als Haustiere erfreuen. Wenig sachgerechte Haltung oder überforderte Besitzer führten jedoch häufig zu Problemen.

Während Richter und Kendler nun Alligator Ali herumzeigen und beschreiben, wie sich dessen Artgenossen auch in körperlich überlegenen Gegnern festbeißen und dann mehrmals blitzschnell um die eigene Achse drehen, um Fleischstücke aus dem Opfer herausreißen zu können - die sogenannte »Todesrolle« -, scheint sich am anderen Ende der Kongresshalle ein entfernter Verwandter Alis von solchen Geschichten nicht aus der Ruhe bringen zu lassen: Hier schlagen zwar keine Herzen plötzlich höher, dennoch wecken die Riesenschildkröten großes Interesse bei den Besuchern. Schon als noch der Vaters des heutigen Tierpflegers Fernando Richter die Zucht vor vielen Jahren leitete, waren die bis zu 80 Zentimeter hohen Tiere bereits an Bord. Und vermutlich ließen sie sich damals schon unbeeindruckt einen Salatkopf nach dem anderen schmecken, während unzählige Kinder und Erwachsene immer wieder herausfinden wollten: Klingt es eigentlich hohl, wenn man auf einen Schildkrötenpanzer klopft? Die Antwort damals wie heute: Nein. In ihrem an einen Streichelzoo erinnernden Gehege bleiben die Vierbeiner aber entspannt. Mit ihren teilweise 130 Jahren haben sie wohl auch wahrhaft schon Schlimmeres überstanden. Und außerdem: Ihre Ahnen haben die Dinosaurier überlebt - da wird man sich von ein paar Menschenhänden sicherlich nicht vom Salatgenuss abhalten lassen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Dinosaurier
  • Farmen
  • Kongresshalle Gießen
  • Medikamente und Arzneien
  • Terrarien
  • Tierpfleger
  • Würgeschlangen
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos