01. Oktober 2017, 18:32 Uhr

Weiterer Verdächtiger nach Attacke auf Schwule

01. Oktober 2017, 18:32 Uhr
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Von Steffen Hanak

Nach der brutalen Prügel-Attacke auf ein schwules Pärchen vor dem MuK Ende August hat die Polizei einen weiteren Verdächtigen ermittelt. Es soll sich – wie bei dem anderen mutmaßlichen Täter – um einen 19-jährigen Gießener handeln. Beide stehen im Verdacht, zusammen mit weiteren Mittätern, die zwei homosexuellen Männer vor dem Musik- und Kulturzentrum zusammengeschlagen zu haben. Die 25 und 34 Jahre alten Opfer trugen etliche Prellungen, Blutergüsse und Schürfwunden davon. Sie hatten nach dem Christopher-Street-Day in Gießen noch die Abschlussparty im MuK besucht. Am frühen Morgen des 27. August waren sie auf dem Parkplatz vor dem Gebäude angegriffen worden. Erst als Türsteher eingriffen, flüchteten die Täter (die GAZ berichtete).

Opfern wurde aufgelauert

Wie Jörg Reinemer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen, am Mittwoch berichtete, war der erste Verdächtige bereits in der Tatnacht auf dem angrenzenden Gelände des Landratsamtes festgenommen worden. Der Zweite fiel den Beamten später bei einer Pkw-Kontrolle auf. Er habe »verdreckte Kleidung« getragen – vermutlich, weil er beim Wegrennen zu seinem Auto mehrfach hingefallen sei. Außerdem habe dieser Mann auch keinen der Stempel, die am Eingang des MuK verteilt wurden, an den Händen gehabt. Das deute darauf hin, dass er kein Gast der dortigen Feier war. Die beiden Opfer hatten im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt, sie hätten den Eindruck, ihnen sei aufgelauert worden. Die Prügel hätten sie wegen ihrer sexuellen Orientierung bezogen.

Davon geht auch die Polizei aus. Zwar hatten die Tatverdächtigen – zwei polizeibekannte Türken – zu den Vorwürfen geschwiegen, »aber die Tat war kein Zufall«, sagte Reinemer. Allenfalls seien die beiden 25 und 34 Jahre alten Gießener Zufallsopfer, weil sie gerade »im falschen Moment« die Party verlassen hatten. Dennoch sieht Reinemer nicht, dass Homosexuelle in Gießen derzeit – möglicherweise auch durch eine größere Anzahl muslimischer Flüchtlinge in der Stadt – wegen ihrer sexuellen Orientierung häufiger Opfer von Übergriffen würden. »Die Taten sind überschaubar«, betonte der Pressesprecher. Aber: »Es ist schlimm genug, dass so etwas passiert.«

Bundesweit mehr Übergriffe

Laut einer Statistik der Bundesregierung gibt es deutschlandweit eine andere Tendenz: Im ersten Halbjahr 2017 gab es 130 Straftaten gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transsexuelle. Im ersten Halbjahr vergangenen Jahres waren es nur 102.

Die beiden Verdächtigen befinden sich vorerst auf freiem Fuß. Sie sollen demnächst – möglicherweise im Beisein eines Rechtsanwalts – förmlich vernommen werden. Gegen sie wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Sollte es zu einer Anklage mit späterer Verurteilung kommen, drohen den beiden 19-Jährigen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft.



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