16. Februar 2018, 21:40 Uhr

Weitere interessante Funde zu erwarten

16. Februar 2018, 21:40 Uhr
Michael Gottwald

Gießen (has). »Bisher haben wir nur einen kleinen Ausschnitt der Geschichte um die Burg Arnsburg ergraben können. Es wäre eine tolle Sache, wenn wir anhand der Bodenfunde die Zeit vom Ende des Limes bis zum Hochmittelalter lückenlos belegen könnten«, stellte Grabungsleiter Michael Gottwald am Ende seiner Ausführungen fest. Über 50 Besucher waren auf Einladung des Oberhessischen Geschichtsvereins ins Alte Schloss gekommen.

Vorstandsmitglied Manfred Blechschmidt, selbst der Archäologie eng verbunden, erinnerte daran, dass Gottwald sein Interesse an der archäologischen Erkundung Oberhessens mit seiner Magisterarbeit über die Wüstung Baumkirchen bei Laubach-Freienseen und seiner laufenden Dissertation über »Die mittelalterliche Siedlungsentwicklung im Bereich von Lich und Münzenberg« an der Ludwig-Maximilian-Universität München eindrucksvoll dokumentiert habe. Als Grabungsleiter seit 2014 könne er bei seinen Ausführungen über die Grabungen im Bereich Lich-Muschenheim aus erster Hand berichten.

Gottwald verwies darauf, dass die Wetterau mit ihren fruchtbaren Böden schon seit Beginn der Ackerbauzeit besiedelt war. Bereits die Römer legten Wert darauf, dass bei der Festlegung des Limesverlaufs die Wetterau innerhalb des von ihnen beanspruchten Gebietes lag. Erste Erkenntnisse über eine archäologische Fundstelle im Jahr 1990 ergaben, dass hier eine ungewöhnliche Fülle von Baudenkmälern auf engstem Raum vorhanden ist, was Grabungen seit 1993 bestätigten. Gottwald, der seit 2017 mit Christoph Röder vom Forschungszentrum Glauberg die Grabungen leitet, versprach, dass im April die archäologische Arbeit weitergehen wird. Bisher habe nur ein Teil des Areals, das er auf ein bis zwei Hektar schätzte, freigelegt und eine Siedlung vom 8. bis 12. Jahrhundert belegt werden können. Der nur etwa 250 Meter von der Burg im »Hainfeld« gelegene mittelalterliche Ort dürfte nach historischen Schriftquellen mit größter Wahrscheinlichkeit den Namen »Arnsburg« getragen haben.

Gottwald verwies auf Grabungsergebnisse, die auf einen Bau der Burg im 12. Jahrhundert deuteten, wobei aber lediglich Funde von Holzbauten nachweisbar waren. Unter den wohl mit der Wende zum 11. Jahrhundert einsetzenden Steinbauten seien insbesondere ein hoher Wohnturm und eine eng geführte Ringmauer von Bedeutung. Trotz zahlreicher Erweiterungen sei die Burg bereits 1174 aufgegeben worden.

Anhand der mit Mechthild, Tochter des Grafen von Bilstein, und ihrer unstandesgemäßen Heirat beginnenden Familiengeschichte, zeigte Gottwald auf, wie die Region zwischen Lich und Münzenberg zunehmend in das Blickfeld des Reiches rückte. Die mächtige Familie starb bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts mangels eines männlichen Erben aus.

Die Gründung des heute untrennbar mit Arnsburg verbundenen Klosters fand 1151 infolge einer Stiftung statt. Es wurde mit Benediktinern aus dem rheinischen Siegburg besiedelt. Mit der Errichtung des Klosters wird dann auch die Ortschaft Arnsburg erstmals erwähnt. Das Kloster wurde an Stelle des alten Römerlagers errichtet und der Kirchenbau in dessen Mitte vorgenommen. Allerdings war dem Kloster auch nach Wechsel des Mönchsordens zu den Zisterziensern von Eberbach kein glanzvoller Weg vergönnt. Gottwald stellte fest: »Das Kloster nahm mehr ab als zu.« Ab etwa 1200 kann keine Siedlungstätigkeit mehr nachgewiesen werden, die Landwirtschaft dominierte.

Exkursion im Frühling geplant

Mit aufschlussreichen Bildern stellte der Archäologe besondere Funde vor, wobei er insbesondere die Rolle der für das Gelände typischen Grubenhäuser erläuterte. Diese waren wohl von etwa 750 bis 1200 gebräuchlich. Gefunden wurden massenweise Keramik, aber auch eine Wolfsangel, Münzen sowie Hinweise auf Webstühle. Nicht zu unterschätzen sind auch Alltagsgegenstände wie etwa ein Schläfenring oder Schmuckfibeln mit Hinweisen auf byzantinische Vorbilder. Am Ende seines mit viel Beifall honorierten Vortrages sprach Gottwald die Erwartung auf weitere interessante Ergebnisse der Grabungen ab April aus. Dann ist auch ein Besuch seitens des Geschichtsvereins vorgesehen. (Foto: has)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Archäologen
  • Burgen
  • Geschichtsvereine
  • Gießen
  • Hoch- und Spätmittelalter (1000 - 1419)
  • Kirchenbau
  • Klöster
  • Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Magisterarbeiten
  • Michael Gottwald
  • Webstühle
  • Dr. Hans-Wolfg. Steffek
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 2 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.