21. November 2018, 09:16 Uhr

Weihnachtsmarkt

Weiter Zoff um Standvergabe bei Gießener Weihnachtsmarkt und Stadtfest

Der Streit um die Vergabe von Standplätzen bei Festen und Märkten in Gießen geht weiter. Im Fokus steht das Stadtmarketing und die Frage, ob ein bekannter Schausteller bevorzugt wurde.
21. November 2018, 09:16 Uhr
Hinter den Kulissen des Gießener Weihnachtsmarkts geht es auch in diesem Jahr nicht so beschaulich zu wie an den Ständen. (Foto: pm)

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch der Ärger über die Vergabe von Standplätzen am Weihnachtsmarkt. Im vergangenen Jahr sorgte ein heftiger Streit innerhalb der Gießener Schausteller-Dynastie Walldorf für Schlagzeilen. Nicht zuletzt dieser Konflikt war es, der vor Jahresfrist zur Ankündigung von Wirtschaftsdezernent Peter Neidel führte, transparente Vergabekriterien für Veranstaltungen einzuführen, die von der Stadtmarketing Gießen GmbH durchgeführt werden. Bislang konnte das Stadtmarketing dieses Vorhaben aber nur für das Stadtfest umsetzen, beim Weihnachtsmarkt ist die Vergabe wieder nach dem altbekannten Muster »bekannt und bewährt« gelaufen.

 

Platzvergabe auf letzten Drücker

Und das auch noch mit deutlicher Verzögerung: Bis Ende Oktober hatte das Stadtmarketing noch keine Standplatzverträge an die Bewerber verschickt, Absagen soll es erst in den letzten Tagen gegeben haben. Mit »Planungssicherheit« habe das nichts zu tun, heißt es in einem anonymen Brief, der offenbar von einem Beschicker verfasst wurde.

Marketing-Geschäftsführer Tilman Bucher begründet die Verzögerung und Verschiebung von Bewerbungsfristen mit der Entscheidung der GmbH, letztlich doch auf die Einführung von Vergaberichtlinien für den Weihnachtsmarkt zu verzichten. »Wir wollten den Beschickern einen zeitlich ausreichenden Vorlauf für die Umsetzung neuer Richtlinien geben«, erklärt Bucher. Beim Weihnachtsmarkt 2019/20 werde es aber auf jeden Fall Vergaberichtlinien geben, ebenso für alle anderen Veranstaltungen mit Ausnahme der Frühjahrs- und Herbstmesse. »Auch für die Messen arbeiten wir Vergaberichtlinien aus, die dann ab 2020 gelten werden«, fügt Bucher hinzu.

 

Stadtmarketing hilft mit Fotos aus

Dass die Existenz von Vergaberichtlinien keine Garantie dafür ist, dass das Gerede über Mauscheleien aufhört, zeigt das letzte Stadtfest. Der Umstand, dass das Stadtmarketing eine gesonderte Ausschreibung der Katharinenplatz-Bühne veröffentlichte, dem Betreiber einen Zuschuss in Höhe von bis zu 7500 Euro in Aussicht stellte und schließlich Platzhirsch Andreas Walldorf den Zuschlag erteilte, nährt nicht nur in der Schausteller-Szene Zweifel daran, dass vor dem Stadtmarketing alle Bewerber gleich sind.

Auf Anfrage der GAZ hat Bucher nun bestätigt, dass er Andreas Walldorf bei der Bewerbung um die Katharinenplatz-Bühne geholfen hat. Dem Schausteller, der gleichzeitig auch Gesellschafter der Stadtmarketing GmbH ist, wurden Fotos zur Verfügung gestellt, damit er die Anforderungen an die »aussagekräftige Bewerbung« erfüllen konnte. Die Ausschreibung hatte für Bühne, Biergarten und Ausschankwagen eine »Bebilderung oder Visualisierung« vorgesehen. Bucher sieht darin aber keine Bevorteilung: »Da Andreas Walldorf bei uns nachgefragt hat, ob wir ihm Bildmaterial geben können, haben wir dies auch getan. So wie wir dies bei jedem anderen Bewerber auch machen würden.« Im Übrigen seien die Bilder, die mit der Bewerbung eingereicht wurden, nur zu einem geringen Anteil die von der Gießen Marketing gewesen.

 

Mitbewerber prüft Klage

Für den Katharinenplatz gab es zwei Bewerbungen. Die zweite kam von Patrick Walldorf. Früher haben die beiden Walldorfs mit einem gemeinsamen Unternehmen die Stadtfest-Bühne am Katharinenplatz bewirtschaftet, mittlerweile sind sie zerstritten, die Firma ist insolvent. Aber während Andreas Walldorf weiter der vermutlich größte Auftragnehmer des Stadtmarketings ist, wurde Patrick Walldorf bei der Standvergabe für Weihnachtsmarkt und Stadtfest zuletzt nicht berücksichtigt. Seine Wut darüber entlud sich Ende Oktober in einem Brandbrief an die Stadtverordnetenfraktionen, in dem er beklagte, dass Teile der Stadtpolitik ihre schützende Hand über den Kollegen und SPD-Stadtverordneten Andreas Walldorf halten würden.

Patrick Walldorf sagte der Gießener Allgemeinen, er habe seine Bewerbung für die Katharinenplatz-Bühne ohne Hilfestellung des Stadtmarketings eingereicht und sehe sich klar benachteiligt. Er werde den Vorgang nun rechtlich prüfen lassen und gegebenenfalls Klage gegen die Geschäftsführung des Stadtmarketings erheben.

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