17. November 2019, 17:37 Uhr

Konzert in Johanneskirche

Weite Melodiebögen barocker Himmelsstürmer

17. November 2019, 17:37 Uhr
Ausdrucksstarke Solisten beim Applaus am Ende des Konzerts (v. l.): Frederic Moerth, Florian Cramer, Philipp Mathmann und Ulrike Malotta. (Foto: jou)

Die Werke spätbarocker »Himmelsstürmer«, die die Frankfurter Kantorei und die Camerata Frankfurt unter Leitung von Winfried Toll am Samstag in der Johanneskirche darboten, hatten es in sich: Schon die Orchestereinleitung zu Antonio Vivaldis Vespergesang »Domine ad adiuvandum me festina« versetzte mit der vibrierenden Spannung in Staunen. Souverän getragen vom Orchester, entfaltete der Chor weite Melodiebögen. Gefühlsgeladen und voller religiöser Ehrfurcht brachte Countertenor Philipp Mathmann die Sopranarie »Gloria Patri« zu Gehör.

Die Kompositionen erschienen geschickt zusammengestellt. So erinnerte an die klar gezeichnete Polyphonie des »Amen«-Finales die strenge Linienführung beim folgenden »Grave e Fuga« für Streichorchester von Johann Adolph Hasse. Die Interpretation mutete sehr schwungvoll und deutlich an. Hasses Arie für Sopran und Orchester »Mea tormenta properate« trieb die Affektgeladenheit auf die Spitze, unterstrichen durch markante Theorbenakkorde. Zur mitreißenden Dramatik kontrastierte der nach innen gekehrte Ausdruck im Mittelteil »Jesu care«, ehe der Schluss eine Brücke schlug zur anfänglichen Virtuosität. Bittere Wehmut rückte beim Duett »Son nata a lagrimar« von Georg Friedrich Händel in den Fokus. Sopranist Philipp Mathmann und Altistin Ulrike Malotta harmonierten hier vorzüglich in Timbre und Ausdrucksgestus.

Lebhafte Kontraste

Hauptwerk des Abends war die »Missa Omnium Sanctorum« a-Moll von Jan Dismas Zelenka. Auch hier taten sich lebhafte Kontraste auf, beispielsweise zwischen dem stimmgewaltigen ersten Chorteil des »Kyrie«, dem arienhaften, von Florian Cramer gesungenen Tenormittelteil und der bewegungsreichen Chorfuge. Beim »Gloria« traten Mathmann und Malotta sowie Bariton Frederic Moerth hinzu. Die ausdrucksstarken Solisten, aber auch die ansprechende Leistung des Chors und Orchesters, machten die Interpretation zu einem bereichernden Erlebnis.

Dirigent Toll hatte die Musiker fest im Griff und behielt die gleichermaßen frische wie lebhafte Interpretationsweise bis zum Schluss bei. Die Hörer spendeten Bravorufe und nicht enden wollenden Beifall.

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