19. April 2019, 17:15 Uhr

Weihnachtliches zur Osterzeit

Keine Sorge! Der Weihnachtsmann hat sich nicht im Terminkalender geirrt. Und auch der Osterhase braucht in diesen Tagen keine Konkurrenz zu fürchten. Doch für Sascha Kirner ist eigentlich das ganze Jahr über Weihnachten. Als Miet-Weihnachtsmann sorgt er für glänzende Kinderaugen. Und dabei hilft ihm nun auch ein antiker Ponyschlitten. Den hat ihm der Gießener »Superhändler« Patrick Paco Steinbeck geschenkt.
19. April 2019, 17:15 Uhr
Für Sascha Kirner ist das ganze Jahr über Weihnachten. Als Miet-Weihnachtsmann kann der Mann aus dem Schwarzwald künftig den vom Gießener »Superhändler« Patrick Paco Steinbeck (l.) gestifteten antiken Schlitten nutzen. (Foto: gl)

Die Sonne scheint an diesem Morgen in der Gießener Nordstadt. Es ist warm. Die Menschen bereiten sich auf die Ostertage vor. Überall sind die Gärten österlich dekoriert. Doch vor dem Haus des Antiquitätenhändlers Patrick Paco Steinbeck steht ein hölzerner Ponyschlitten. Sein Besucher Sascha Kirner, der eigens aus dem Schwarzwald angereist ist, um das antike Stück in Empfang zu nehmen, zieht sich einen dicken roten Weihnachtspulli an und setzt sich auf den Schlitten. Er ist überglücklich – und er wird künftig mit Hilfe des winterlichen Gefährts auch dafür sorgen, dass andere Menschen glücklich sind. Denn Sascha Kirner ist Miet-Weihnachtsmann, besucht mit »Ho, ho, ho«-Rufen und Süßigkeiten im Gepäck Kindergärten, Senioren- und Behindertenheime sowie Märkte und Geschäftseröffnungen für den guten Zweck – und das nicht nur zur Weihnachtszeit. »Geld verdiene ich damit nicht. Die Miete deckt gerade meine Kosten für Fahrten und Investitionen«, betont der leidenschaftliche Weihnachtsfan.

»Ich lebe diesen Traum und liebe es, Menschen glücklich zu machen«, erzählt der 40-Jährige aus dem baden-württembergischen Biederbach. »Für mich ist das ganze Jahr Weihnachten.« In seiner Garage lagern ein sechs Meter großer aufblasbarer Weihnachtsmann und eine Schneemaschine, er trällert selbst zur Sommerzeit ständig Weihnachtslieder und neben einem »Weihnachtsmannthron« steht in Erinnerung an seine Oma sogar ein kleiner Tannenbaum das ganze Jahr über in seiner Wohnung.

Mit dem Weihnachtsvirus infiziert hat sich der liebenswerte Exzentriker schon als Kind. Angefangen habe alles mit einem 5-Mark-Weihnachtsmann aus dem Baumarkt, erzählt er. Seitdem schlüpft er mit größtem Vergnügen immer wieder selbst in die Rolle des berühmten Rauschebartträgers. Wer ihn für Veranstaltungen buchen will, kann über die Homepages www.evento-saki.de oder www.santa-4-rent.de Kontakt aufnehmen.

Kirners Mechaniker-Kumpel Björn Ries hat dem Deutschitaliener, der früher in der Gastronomie arbeitete und nun im Hauptberuf am Empfang eines Autohauses stets für gute Laune sorgt, aus einem Rollator einen fahrbaren Schlitten mit Elektroantrieb und stimmungsvoller Beleuchtung gebaut. Mit dem ist Kirner im roten Weihnachtsmannkostüm und weißem Rauschebart ganzjährig unterwegs. Ein nahezu lebensgroßes Stoffrentier hat er außerdem davor geschnallt.

Doch mit dem fast fünf Meter langen Gefährt ist es nicht möglich, in Krankenhäusern oder Wohnheimen auf die Stationen zu kommen. Und da hilft Kirner der Zufall. Als er im Januar selbst einmal im Krankenhaus lag und eine Folge von »Die Superhändler – Vier Räume – ein Deal« im Fernsehen sah, in der der Gießener Antiquitätenhändler Patrick Paco Steinbeck einen Ponyschlitten aus dem Jahr 1880 gekauft hatte, schrieb er ihn an und fragte, ob er den Schlitten kaufen könne. »Eigentlich wollte ich den als Dekoobjekt für mich behalten und hätte ihn nicht weiterverkauft«, erzählt Steinbeck. Doch die beiden Männer waren sich sofort sympathisch. Und auch der Benefizgedanke überzeugte den »Superhändler« sofort. »Ich könnte dem Schlitten nie eine solche Aufmerksamkeit schenken«, sagt er und spendet das in der Sendung für 220 Euro erstandenen Stück nun dem Miet-Weihnachtsmann. Und der hat auch schon Pläne, wie er das Gefährt nutzen kann. »Es kommt eine Motorisierung drunter. Aber es soll auf jeden Fall weiter traditionell aussehen. Die Leute wollen keine nigelnagelneue Kutsche haben.« Nur das Nötigste werde hergerichtet, der Schlitten bekomme einen Elektroantrieb, rote Lichter und ein Gerät zum Abspielen von Weihnachtsmusik. Auch die Stabilität muss erhöht werden, damit der Schlitten den alles andere als schmächtigen Kirner und seine überwiegend junge Kundschaft tragen kann. »In dem kleinen Fach unter dem Sitz kann ich Süßigkeiten aufbewahren«, sagt er und erzählt, wie sehr es ihn jedes Mal berührt, wenn er Menschen eine Freude machen kann. Wenn etwa in einem Behindertenheim eine Bewohnerin wegen eines vom Weihnachtsmann überreichten Lutschers vor Freude aus dem Häuschen gerate, »dann sind das die Momente, an denen ich weiß, dass ich alles richtig mache«.

Aber hat denn jemand, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, als Weihnachtsmann Wünsche zu erfüllen, selbst auch noch welche? »Ich würde gerne in Amerika auf einer Weihnachtsmannschule mein Zertifikat machen. Oder in Norwegen das Weihnachtsmanndorf besuchen«, schwärmt Kirner. Doch das hat ausgerechnet in jenen Wochen geöffnet, wenn der Biederbacher Miet-Weihnachtsmann jahreszeitenbedingt im Dauerstress ist. Als Weihnachtsmann weiß er aber, dass auch schon die Erfüllung kleiner Wünsche große Freude bedeuten kann. »Ich bin noch auf der Suche nach der perfekten Messingglocke«, verrät er. Vielleicht hat er ja Glück und ausgerechnet so ein Exemplar wird Patrick Paco Steinbeck schon in einer der nächsten Sendungen von »Die Superhändler« angeboten?

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