26. August 2018, 19:31 Uhr

AfD

Weidel und von Storch in Gießen, Proteste vor der Tür

Die AfD-Spitzenfrauen Alice Weidel und Beatrix von Storch haben sich in Gießen in Stimmung für den Landtagswahlkampf gebracht. Vor der Tür versammelten sich knapp 200 Gegner.
26. August 2018, 19:31 Uhr
Die beiden AfD-Promis Alice Weidel (r.) und Beatrix von Storch mit den Gießener AfD-Landtagskandidaten Arno Enners (2.v.l.) und Nikolaus Pethö.

Allendorf gilt wegen der Dominanz der SPD in der Ortspolitik als »rotes Dorf«, aber einen Demonstrationszug durch die Untergasse mit vielen roten Fahnen haben die Allendorfer wohl schon lange nicht mehr gesehen. Anlass für den kurzen Protestzug vom Backhaus vor die Mehrzweckhalle, an dem schätzungsweise knapp 200 Personen teilnahmen, war eine Veranstaltung der Hessen-AfD. Um die 500 Anhänger der Partei aus Hessen und angrenzenden Bundesländern hatte der Auftritt der beiden Spitzenfrauen Alice Weidel und Beatrix von Storch am Sonntagnachmittag in den Gießener Stadtteil gelockt. Die gaben sich angesichts der aktuellen Umfragewerte für die Landtagswahlen in Bayern und Hessen sehr selbstbewusst. »Wir werden immer stärker«, rief Bundestags-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel unter lautem Beifall in den Saal.

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Knapp 200 Gegendemonstranten zogen durch die Untergasse vor die Mehrzweckhalle. (Fotos: mö...

Weidel und ihre Stellvertreterin waren früh nach Allendorf gekommen und standen im hinteren Bereich der Halle an Bistrotischen für Gespräche mit der Parteibasis zur Verfügung. Aufällig viele junge Männer suchten den Kontakt zu den Politikerinnen und baten um Selfies. »Wir haben für 500 Besucher bestuhlt und hinten eine Kennenlern-Zone freigelassen«, erklärte der Gießener Landtagskandidat Arno Enners.

 

DGB ruft zur Gegen-Demo auf

 

Zeitgleich wurden 200 Meter weiter weg die ersten Pizzableche in den Ofen des Backhauses geschoben und die ersten Reden gegen die Präsenz der AfD gehalten. »Es ist wichtig, dass man sich gemeinsam vergewissert, dass 82 Prozent der Leute mit der menschenverachtenden Politik dieser Partei nichts zu tun haben wollen«, sagte Matthias Körner, Geschäftsführer des DGB, der unter dem Motto »Keine AfD in den Landtag« zu der Gegenveranstaltung aufgerufen hatte. Die Resonanz könnte besser sein, meinte Gießens Linksfrakion-Chef Matthias Riedl: »Hier raus nach Allendorf zu fahren, das ist für viele schon eine Hemmschwelle.«

Drinnen gab derweil AfD-Kreissprecher Uwe Schulz den Einheizer für die beiden Stargäste und teilte vor allem gegen die Bundeskanzlerin aus, sprach vom »Merkel-Regime« und forderte unter großem Beifall, »die Asylindustrie durch eine Abschiebeindustrie zu ersetzen«. In gewisser Weise zustimmen müsse er Merkel, wenn sie davon spreche, dass »Afrika vor unserer Haustür anfängt«. Der Bundestagsabgeordnete: »Am Vorplatz des Gießener Bahnhofs rückt Afrika tatsächlich jeden Tag ein bisschen näher.« Nach dem Einzug der AfD in den Hessischen Landtag werde man auch die Regierung in Wiesbaden »jagen«.

 

Polizei belehrt AfD-Ordner

 

Von Storch streifte neben der Migrationspolitik auch andere Themen, bei denen sich die AfD nach eigener Überzeugung klar unterscheidet. So unterstellt von Storch den anderen Parteien Klimawandel-Hysterie und bemerkte zur Dürre-Debatte. »Ich fand den Sommer super.« Den stärksten Beifall erhielt sie für ihre Kritik am öffentlichen-rechtlichen Rundfunk. Wenn sich die Tagesschau einerseits weigere, über den Mord eines Flüchtlings an einem Arzt in Offenburg zu berichten und andererseits ein Fünftel der Sendezeit für den Vorfall mit einem ZDF-Team bei Pegida verwende, könne die Forderung nur lauten: »Die GEZ muss weg.«

Da blieben für Weidel nicht mehr viele Themen übrig, zum Beispiel der Diesel, als dessen Schutzmacht sich die AfD versteht. Überbordende Umweltvorschriften und die Energiewende »machen unser Handwerk und den Mittelstand kaputt«, sagte Weidel, die es wie ihre Vorredner offenbar mit der Jägerei hält und als Motto für die Landtagswahl in Hessen ausgab: »Jagen wir sie aus ihren Ämtern«.

Draußen ging der Protest friedlich zu Ende. Einige der Demoteilnehmer wollten den Schluss der AfD-Veranstaltung in der Halle miterleben, aber Parteiordner verwehrten einer Gruppe Aktivistinnen der Initiative »Seebrücke« den Zutritt zur Halle und begründeten dies mit Überfüllung. Da die Halle keineswegs überfüllt war, wurden die Ordner von der Polizei darauf aufmerksam gemacht, dass die Abweisung unzulässig ist, woraufhin die Gruppe eingelassen wurde.

Wie Kandidat Enners ankündigte, ist der nächste größere Wahlkampfevent der AfD in Allendorf bereits geplant. Am 21. September werde eine weitere Veranstaltung in der Mehrzweckhalle stattfinden, genauere Angaben machte er nicht.

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