12. Dezember 2014, 20:23 Uhr

Wechsel im Kanzleramt der Uni

Gießen (srs). Dr. Michael Breitbach ist nach 20 Jahren als Kanzler der Justus-Liebig-Universität verabschiedet worden. Die Juristin Susanne Kraus folgt ihm nach.
12. Dezember 2014, 20:23 Uhr
Michael Breitbach und seine Nachfolgerin Susanne Kraus. (Foto: srs)

Zwei Jahrzehnte lang prägte Dr. Michael Breitbach als Kanzler die Geschicke der Justus-Liebig-Universität. Während die Hochschulen an Autonomie gewannen, begleitete er Reformen in Studium und Lehre sowie die Privatisierung des Uniklinikums, betreute in den vergangenen Jahren eine Reihe von Baumaßnahmen – und trug maßgeblich zu einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen den hessischen Hochschulen bei, zu »Kooperation statt Verdrängung«. Im Rahmen der feierlichen Amtsübergabe am Donnerstag würdigte Universitätspräsident Joybrato Mukherjee die Verdienste des scheidenden Kanzlers. »Gerade auch in Krisensituationen« habe Breitbach die Gießener Uni »entscheidend vorangebracht«.

Sanft und federleicht schwebte Edvard Griegs »Morgenstimmung« durch die Uni-Aula. Die Klänge, vorgetragen vom Universitätsorchester, trafen die Stimmungslage des scheidenden Kanzlers. Ja, er empfinde Freude auf einen neuen Lebensabschnitt, auf das »Schlendern aus dem Gehetzten«, sagte er. Rückblickend auf die vergangenen 20 Jahre äußerte er derweil seine Zufriedenheit vor allem darüber, dass die hessischen Universitäten sich mehr und mehr annähern. Vor dem Hintergrund der Verhandlungen für einen inzwischen vierten Hochschulpakt erklärte er: »Wenn die Landesuniversitäten in einem System miteinander verbunden sind und wechselseitig Rücksicht nehmen: Das ist eine Kultur, die für mich so neuartig ist.« Breitbach merkte indes an, dass noch in den 90er Jahren auch infolge der Landespolitik die beiden Unis in Gießen und Marburg »gegeneinander gestellt wurden.« Dies hätten er und sein Marburger Kollege Dr. Friedhelm Nonne im Rahmen des 2008 gestarteten Forschungsförderprogramms Loewe aber überwinden können.

Dankbar äußerte er sich auch über das Heureka-Programm des Landes, das in Gießen bereits mehrere Baumaßnahmen ermöglicht hat. Zu Beginn seiner Zeit als Kanzler sei er über die bauliche Situation geradezu verzweifelt gewesen. »Im Präsidium habe ich damals gesagt: Wir müssen wie die frühen Christen über Katakomben nachdenken. « Die Zusammenarbeit mit dem Uniklinikum beschrieb der scheidende Kanzler als »komplex« und »mit kulturellen Differenzen besetzt«. Seit der Privatisierung sei es allerdings auch »professioneller geworden, als ich es vorher erlebt habe.«

Zwei Jahre verlängert

Dank richtete Breitbach zudem an seine Ehefrau, Weggefährten und im Besonderen an die drei Uni-Präsidenten, unter denen er tätig war. Heinz Bauer habe ihn für die Universität begeistert und zu Beginn seiner Amtszeit »für mich gekämpft«. Der verstorbene Stefan Hormuth habe ihm »absolute Fairness« auch in Wahlkampfzeiten entgegengebracht. Dann wandte er sich an den heutigen Präsidenten Mukherjee: »Wenn du nicht gewesen wärst, wie du die Aufgabe anpackst, hätte ich nicht weitergemacht.« Breitbach hatte auf Wunsch Mukherjees zwei Jahre länger bis 67 gearbeitet.

»Man muss den Mut haben, in langen Linien zu denken«: Vor allem diese Erkenntnis ziehe er aus der Zusammenarbeit mit Breitbach, erklärte Mukherjee. Dank seiner Umsicht sei es gelungen, den Haushalt der Universität nachhaltig zu konsolidieren. Breitbachs Kanzlerschaft sei »ein kaum zu glaubendes Narrativ«. Der Beginn war überschattet von Konkurrentenklagen. Heute allerdings genieße Breitbach hohe Anerkennung für die »intellektuelle Kraft deines Auftretens, deine Wissenschaftsaffinität, unbedingte Sachlichkeit in kontroversen Diskussionen – meistens zumindest – und für deine mitunter gnadenlose Rationalität bei der Bewertung von Problemlagen.« Breitbach habe »immer das Wohl der Universität im Blick gehabt, manchmal unter ziemlicher Selbstausbeutung.« Nach dem plötzlichen Tod Hormuths sei Breitbach dem damaligen Vizepräsidenten Mukherjee zur Seite gestanden. Breitbach habe seine Rolle nicht als »Nebenpräsident« verstanden, « sondern als »Libero – als derjenige im Team, der das Spielfeld des gesamten Uni-Teams mit seiner Verwaltung nach hinten absichert.«

Dankende Worte fand auch der hessische Minister für Wissenschaft und Kultur, Boris Rhein. Breitbach verkörpere »Kontinuität und Verlässlichkeit«, die Hochschulpakte trügen seine Handschrift. Weitere Grußworte hielten der Vorsitzende des Hochschulrats Karl Starzacher sowie der Bundessprecher der Kanzlerinnen und Kanzler der Universitäten Deutschlands, Albert Berger, mit einem Limerick: »Es war ein Kanzler in Gießen. Bei dem der Geist tat stets sprießen. Die Gemeinschaft im Blick. Für die Uni ein Glück. Wir werden dich alle vermissen.«

Nachfolgerin Breitbachs ist die Juristin Susanne Kraus. In ihrer Antrittsrede hob sie in der Uni-Aula hervor, getreu ihrem Vorgänger die Verwaltung der Universität nicht nur als ordnende Aufgabe zu verstehen. Es gehe im Wesentlichen darum, »Wissenschaft zu ermöglichen«, sagte sie. Als Schwerpunkte ihrer Arbeit hob die seit 1993 in der Verwaltung der JLU tätige Kanzlerin die »bauliche Erneuerung«, die Personalentwicklung, den hessischen Hochschulpakt sowie im Besonderen die hiesige Hochschulmedizin hervor.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Boris Rhein
  • Bundeskanzleramt
  • Edvard Grieg
  • Heinz Bauer
  • Hochschulpakt
  • Hochschulrat
  • Juristen
  • Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Privatisierung
  • Prof. Dr. Joybrato Mukherjee
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen