Stadt Gießen

Was wird das wichtigste Thema in unserem Wahlkreis sein?

Eine Frau und zehn Männer werben um das Abgeordneten-Direktmandat für den Bundestags-Wahlkreis 173. Wir haben sie gefragt: Was wird das wichtigste Thema in unserem Wahlkreis sein?
15. September 2017, 18:06 Uhr
der Redaktion
Reichstag
(Foto: fotolia JFL Photography (1))

Am 24. September wollen elf Mittelhessen Ihre Erststimme und das Abgeordneten-Direktmandat für den Bundestags-Wahlkreis 173. Wir haben den Kandidaten drei zentrale Fragen gestellt. Die erste: Was wird das wichtigste Thema in unserem Wahlkreis sein? Ihre Antworten.

 

Helge Braun (CDU)

»Im Landkreis Gießen und im Vogelsbergkreis ist die Stärkung des ländlichen Raumes das zentrale Thema. Wir müssen den Breitbandausbau vorantreiben und Infrastrukturen erhalten. Ich arbeite intensiv an der Verbesserung der Ärzteversorgung. Für die Stadt Gießen ist die Stärkung unserer Schulen und Hochschulen ein besonders wichtiger Punkt mit bundespolitischem Bezug. Nächste Legislaturperiode möchten ich die digitale Ausstattung der Schulen vorantreiben und die Gießener Hochschulen noch stärker mit der außer ­universitären Forschung vernetzen. Darüber hinaus gibt es immer wieder konkrete Fördermöglichkeiten des Bundes, über die ich im Wahlkreis informiere. Die Sanierung der Schiffenbergbasilika, das Alsfelder Neurathhaus, die Sanierung der ›Gummiinsel‹, das Lungenforschungszentrum und das Fraunhofer­-Zentrum an der Uni sind Beispiele für Bundesfinanzierung vor Ort.«



Matthias Körner (SPD)

»In der Region Mittelhessen liegen Wachstum und Stagnation nahe beieinander. Dem können wir nur mit Investitionen in öffentliche Einrichtungen, Verbesserung des Bildungsangebots auf dem Land und besserer Infrastruktur begegnen. Ich will, dass wir uns als Region besser auf die digitale Arbeitswelt vorbereiten. Gewerkschaftern wie mir wird häufig nachgesagt, dass sie für ›ihre Leute etwas rausholen‹. Das wird mein wichtigster Job als Bundestagsabgenordneter: Alle Hebel in Berlin in Bewegung zu setzen, dass unsere Region Unterstützung findet.«



Eva Goldbach (Bündnis 90/Die Grünen)

»Im Wahlkreis Gießen/Vogelsberg haben wir die Mittelzentren Alsfeld, Grünberg, Hungen, Lich und Laubach und das Oberzentrum Gießen. Rundherum ist Ländlicher Raum. Die wichtigste Herausforderung wird sein, das Wachstum der Zentren ökologisch und sozialverträglich zu gestalten, gleichzeitig aber die Dörfer strukturell zu stärken, sodass sie lebenswert bleiben. Das heißt möglichst wohnortnahe Arbeitsplätze, Breitband in jedes Haus, ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte in der Nähe und Freizeiteinrichtungen. Die Stadt Gießen hat sich unglaublich gut entwickelt. Sie ist schöner, grüner und moderner geworden. Jetzt müssen wir es schaffen, dass der Verkehr abnimmt, die Luft sauberer wird und auch ausreichend bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht.«



Ali Al Dailami (Die Linke)

»Nebst der Integrationsfrage wird auch die Frage des sozialen Wohnungsbaus für unseren Wahlkreis von Bedeutung sein. Bundesweit fehlen jetzt schon eine Million Wohnungen. In Gießen und Umgebung hat sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt zugespitzt. Immer mehr Menschen werden aus den Innenstadtgebieten und ihrer sozialen Umgebung verdrängt. Dies wiederum führt unweigerlich zur ›Ghettoisier­ung‹ und bedroht langfristig den sozialen Frieden. Der Bund ist in der Pflicht endlich in den sozialen Wohnungsbau massiv zu investieren. Wir brauchen endlich eine Mietpreisbremse, die ihren Namen auch verdient.«



Uwe Schulz (AfD)

»Mittelhessen darf sich nicht abhängen lassen vom Rhein-­Main­-Moloch. Wir müssen die technologische Infrastruktur bis in das entfernteste Dorf ausbauen, damit auch dort Teilhabe an der unaufhaltsam rollenden ›Digitalisierung‹ möglich ist. Die Verkehrswege (siehe auch den AfD­-Einsatz für die Lumdatalbahn) sind gerade für Pendler auszubauen. Der ländliche Raum muss wieder attraktive Wohnregion werden. Altbestandssanierung vor Neubau auf der grünen Wiese! Nicht das Leben in den besonders in Gießen entstehenden ›Wohnkästen‹ ist für Familien erstrebenswert. Es ist die Belebung unserer Dörfer und Kleinstädte, die das Leben ausmachen und Bindungen an Familie und Heimat erzeugen.«



Hermann Otto Solms (FDP)

»Wir müssen die Landflucht stoppen. Dafür müssen die Lebens­ und Arbeitsmöglichkeiten auf dem Land mit denen in den Städten mithalten können. Dazu gehört, dass wir den Ausbau des Glasfasernetzes beschleunigen und dass die Verkehrswege erneuert werden. Dazu kommt, dass auch die medizinische Versorgung auf dem Land gesichert wird und leistungsfähige Schulen auf dem Lande erhalten werden.«



Thassilo Hantusch (NPD)

»Die Sicherheit der Bürger gewährleisten. Durch den nach der Bundestagswahl wieder verstärkt eintretenden Massenzustrom kulturfremder Menschen wird auch die Kriminalität und körperliche Gewalt gegenüber Frauen noch massiv steigen. Auch die Gefahr von Terroranschlägen in mittleren Städten und ländlichem Raum wächst.«



Diego Semmler (Freie Wähler)

»In unserem Wahlkreis ist der demografische Wandel und seine Folgen sehr wichtig. Ländliche Regionen müssen gezielt gestärkt werden, um den Ungleichgewichten zwischen Stadt und Land Einhalt zu bieten. Nicht nur für ältere Menschen und Familien ist dies unerlässlich. Denn während in Gießen Wohnungen fehlen, stehen sie im Vogelsberg leer. Dieses Problem lässt sich nicht mit einer Mietpreisbremse lösen, sondern nur mit gleichen Lebensbedingungen auf Stadt und Land. Das schließt auch einen praktikablen Nahverkehr auf dem Land ein.«



Wanja Lange (MLPD)

»Gegen Wohnungsnot und Landflucht: Erhalt und Schaffung von ausreichendem, umweltgerechtem, preisgünstigem Wohnraum und Ausbau eines kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs auf Basis erneuerbarer Energien! Die Daseinsfürsorge muss ausgebaut und Kommunen entlastet werden. Während Großkonzerne kaum Steuern zahlen, werden soziale Leistungen wie Schulen, Bäder, Bibliotheken und Krankenhäusern gekürzt. Ich setze mich für die Neuordnung der kommunalen Finanzen auf Kosten der Konzerne und Großvermögen ein.«



Henning Mächerle (DKP)

»Die zunehmende Wegfall von Berufen und Arbeitsplätzen im Zuge der ›Industrie 4.0‹.«



Peter Klis (Überparteilich!)

Peter Klis hat es abgelehnt, an der Kandidatenbefragung teilzunehmen.


Wir haben den Kandidaten zwei weitere zentrale Fragen gestellt. Die Antworten finden Sie entweder am 16. September in Print und E-Paper oder in den kommenden Tagen auf www.giessener-allgemeine.de.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Was-wird-das-wichtigste-Thema-in-unserem-Wahlkreis-sein;art71,315563

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