21. Mai 2019, 06:00 Uhr

Ausstellung

Was ist typisch für die Stadt Gießen?

Unter dem Titel »Gießen ist... Orte und Bewusstsein einer Stadt« zeigt die neue Schau vier Themenfelder, die Gießen und das Bewusstsein seiner Bewohner geprägt haben und noch immer prägen.
21. Mai 2019, 06:00 Uhr

ist ein Ort der Migration, ein Industriestandort im Wandel, geprägt durch die US-Armee-Geschichte sowie die Universität und ihre Studierenden. Viel Stoff also, das alles in einer einzigen Ausstellung zusammenzuführen. Doch Ingke Günther und Jörg Wagner vom Stadtlabor, Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch, Kulturamt, Studentengruppen und jede Menge Mitstreiter aus der Bürgerschaft als Leihgeber und Zeitzeugen haben genau dies mit der neuen Ausstellung »Gießen ist...« vor, die am Mittwoch im Alten Schloss »Orte und Bewusstsein einer Stadt« in den Fokus nimmt.

Wer den Ausstellungssaal im ersten Stock des Museums betritt, blickt zuerst auf eine Wand mit Notizen von Gießenern über ihr Bild der Stadt. Direkt nebenan kann man sich an einem ehemaligen Schreibtisch aus dem US-Depot hinsetzen, und dort Anekdoten rund um die Amerikaner in Gießen aufschreiben. Das ist Programm, denn während der Laufzeit der Schau mit Gegenwartsschwerpunkt haben die Besucher die Gelegenheit, sich zu beteiligen und die Ausstellung mitzugestalten und zu erweitern.

In den rund ein Dutzend Infoelementen im Stadtlabor-Design warten Objekte, kurze Texte, Audiostationen und vieles mehr auf interaktive Nutzer. Ein Themenbereich dreht sich um die Tonwerke Gail und die Menschen, die dort ihr Brot verdient haben. Man kann Gail-Fliesen zu einem Muster zusammenlegen, sieht Wein, der zum 25-jährigen Betriebsjubiläum überreicht wurde, und hört Mitarbeiter in kurzen Interviews aus ihrem Arbeitsleben erzählen. Weitere Interviewpartner werden gesucht. Bürger sind dazu aufgerufen, Gebäude mit Gail’schen Kacheln in Gießen aufzuspüren und zu dokumentieren (bitte Fotos und Erinnerungen einreichen unter stadtlabor@giessen.de).

Ein weiterer Themenkomplex ist der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung bzw. dem Notaufnahmelager gewidmet. Ein von Studenten gedrehter Film zu DDR-Ausreisenden, Asylbewerbern und Kriegsflüchtlingen, die am Meisenbornweg untergebracht waren, ist zu sehen und auch ein Stockbett, in dem viele von ihnen die ersten Nächte in Gießen verbracht haben.

Wo wurden Gail-Kacheln verlegt?

Natürlich darf in einer Universitätsstadt auch das studentische Leben nicht fehlen. In der Ausstellung bieten ein Protestzelt gegen hohe Mieten, das kürzlich auf dem Uni-Vorplatz stand, ein mit Schnitzereien überzogener alter Tisch der Landsmannschaft Darmstadtia aus der »Pulvermühle« oder Fotos von Studentenprotesten der 68er-Jahre Anregung für weiteres Nachforschen. Dass sich Studenten heute weniger in Kneipen, denn im gesamten Stadtraum treffen, dafür stehen Hinterlassenschaften wie Bierflaschen und Süßigkeiten vom Uni-Vorplatz.

Auch die US-Armee hat Gießen maßgeblich geprägt. In diesem Zusammenhang sind die ehemalige US-Flagge zu sehen, ebenso Abzeichen, Namensschildchen und auch der Einfluss auf Sport (Basketball) und Kultur (Keller Theatre) spiegelt sich wider.

»Mit jedem einzelnen Thema wären vier Ausstellungen möglich gewesen«, betont Ingke Günther. »Besucher können sich hier lange aufhalten, aber auch gerne immer mal wiederkommen.« Dank der Aktion »Mein Museumsgegenstand« gibt es jede Menge Informationen zu dem was »Gießen ist« - eine facettenreiche städtische Gesellschaft.

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