25. März 2018, 09:00 Uhr

Skatelounge

Warum Gießen den Ruf als Skateboard-Stadt hat

Die Skatehalle im Schiffenberger Tal verkleinert sich von 600 auf 400 Quadratmeter. Geht es bergab mit der Szene? Ganz im Gegenteil, sagen die Mitglieder des Skateboard Verein Gießen.
25. März 2018, 09:00 Uhr
Mit fliegenden Brettern und großer Motivation: David Perez und Jonas Kaletsch in der Skatelounge im Schiffenberger Tal. (Foto: Schepp)

Hinauf und hinab sausen David Perez und Jonas Kaletsch über die Holzrampen, Stufen und Metallstangen im Heegstrauchweg. Auf 600 Quadratmeter betreibt der Skateboard Verein eine Skatehalle. Auf und ab ging es auch in der Szene. Bis April müssen die Skater einen Teil der 2004 eröffneten Halle schließen. Im Interview sprechen Kaletsch (29, Vorsitzender) und Perez (29, Skatelehrer und Kassenwart) über die Szene in Gießen, Menschen auf der Durchreise und die Zukunft der Skatelounge.

Als Lokalgröße und Green-Hill-Skateshop-Inhaber Frank Loth aus Gießen wegging, war das ein großer Verlust für die Szene. Was hat sich seitdem getan?

David Perez: Die Szene ist seitdem gewachsen. Das hat viel damit zu tun, dass es wieder einen Skateshop in der Bahnhofstraße gibt. Das ist schon ein zentraler Treffpunkt für die Szene. Dazu kommt außer der Halle natürlich noch der Skatepark in der Wieseckaue. Als wir in einem Jahr vor der Landesgartenschau keinen Skatepark hatten, haben wir das schon deutlich gemerkt. Aber nun ist wieder viel los.

Jonas Kaletsch: Für den Verein gab es tatsächlich schlechte Jahre. Aber nun verzeichnen wir nach wie vor einen Anstieg der Mitgliederzahlen. Was sich momentan gut entwickelt, ist eine Mädels-Skateboard-Szene. Das ist auch ein weltweiter Trend.

Wie viele Mitglieder hat der Gießener Skateboardverein?

Perez: In unserem Verein haben wir 110 Mitglieder. In Berlin hat der Skateclub auch nur 260 Mitglieder. Für eine rund 85 000-Einwohner-Stadt ist das schon nicht schlecht.

 

Wer ist der Gießener Durchschnittsskater?

Perez: Das kann man so gar nicht sagen. Es ist sehr unterschiedlich. In den Skatekursen haben wir recht viele Studenten, aber auch Kinder von fünf bis 14 Jahren, ebenso wie den 40-jährigen Familienvater.

Kaletsch: Ein Teil der Szene stammt aus Gießen und Umgebung und bleibt voraussichtlich hier. Es gibt aber auch viele Leute auf der Durchreise, die die Stadt nach ein paar Jahren wieder verlassen. Da macht sich die Uni schon bemerkbar.

Tragen die Studierenden auf Durchreise dennoch etwas zur Szene bei?

Kaletsch: Jeder, der Mitglied ist, unterstützt den Verein und damit die Halle – auch Leute, die hier drei Jahre lang ihren Bachelor machen und dann weiterziehen.

Perez: Für Skater ist Gießen sehr attraktiv – und manche wählen die Stadt deshalb sogar als Studienort aus. Denn obwohl die Stadt relativ klein ist, hat sich durch die Halle und die ansässigen Skateshops eine stabile Szene entwickelt. Auch durch die Skateboardfirma, die seit 1999 Decks und Boards produziert, hat Gießen in Deutschland einen Ruf als Skateboardstadt.

Für Skater ist Gießen sehr attraktiv

David Perez, Skatelehrer

Ist es leicht, Anschluss zu finden?

Kaletsch: Dadurch, dass es hier recht überschaubar ist, ist es für Leute relativ leicht, in der Szene Fuß zu fassen. Es gibt eine intakte Szene und viele Leute, die Bock haben, neue Leute aufzunehmen. Das ist cool in Gießen.

Perez: Studierende, die neu in der Stadt sind, kennen oft niemanden. Man lernt sich dann meist erstmals im Park kennen und dockt dann an. In der Halle kann man seinem Hobby dann auch im Winter nachgehen.

Jetzt ist also Hochsaison in der Halle?

Perez: Im Winter kann man draußen nicht so gut fahren, wenn es regnet und schneit. Dann kommen auch Leute von außerhalb. In ganz Hessen gibt es nur drei Hallen: Wiesbaden, Kassel und Gießen.

Kaletsch: Ab Herbst haben wir einen Anstieg an Besuchern. Da kommen schon mal 20 bis 25 Leute pro Tag. Im Sommer ist natürlich weniger los.

Perez: Dann finden eher Workshops und Skatekurse statt.

Skatelounge Gießen (Foto: O. Schepp)
Skatelounge Gießen (Foto: O. Schepp)

Warum muss der Verein den hinteren Teil der Halle nun kurzfristig abgeben?

Kaletsch: Den Teil nutzen wir seit 2009 für unsere Mini-Rampe, eine kleine Halfpipe. Ein bautechnischer Fachmann hat bei einer unangemeldeten Begehung im Auftrag unseres Vermieters festgestellt, dass gewisse Standards nicht eingehalten werden.

Können die Mängel nicht behoben werden?

Kaletsch: Die Nachrüstung müssten wir selbst bezahlen. Das macht wirtschaftlich für unseren Verein keinen Sinn. Wir haben explizite Absprachen mit dem Vermieter ohnehin nur für den vorderen Teil der Halle. Dass es so abrupt endet, hat jedoch keiner kommen gesehen.

Wie geht es konkret weiter mit der Halle?

Kaletsch: Der vordere Teil bleibt wie gewohnt in Betrieb. Wir haben nun noch den März, um die Rampe aus dem hinteren Teil zu verkaufen, zum 1. April müssen wir raus sein. Falls bis dahin niemand interessiert ist, werden wir uns daraus Materialien für den vorderen Teil nehmen und den Rest entsorgen.

David Perez und Jonas Kaletsch ivom Skateboardverein Gießen. (Foto: O. Schepp)
David Perez und Jonas Kaletsch ivom Skateboardverein Gießen. (Foto: O. Schepp)

Der Eintritt zur Skatelounge ist relativ erschwinglich. Wie wird die Halle überhaupt finanziert?

Kaletsch: Wir finanzieren uns über mehrere Säulen. Dazu gehören Eintrittsgelder und Mitgliedsbeiträge. Mitgliedschaften laufen mindestens ein Jahr und kosten acht Euro pro Monat, also 96 Euro im Jahr. Für die BMX-Radfahrer ist es mit fünf Euro etwas günstiger, da für sie die Halle nur zweimal pro Woche freigegeben ist. Außerdem greifen wir auf die Sportförderung der Stadt Gießen zurück, da wir im Landessportbund und dem hessischen Rollsport- und Inlineverband sind.

Warum ist Skaten ein gutes Hobby?

Perez: Man macht etwas mit Leidenschaft und muss am Ball bleiben. Bevor man einen Sprung mit dem Skateboard hinbekommt, muss man schon ziemlich lange üben. Das ist auch für Kinder und Jugendliche eine gute Erfahrung.

Info

Skatelounge: Fahren unter Dach

Auf rund 400 Quadratmetern Holzboden ist die Skatelounge im Heegstrauchweg 60 in Gießen eine Spielwiese für Skater und Biker. Erlaubt sind Skateboards, Inline Skates, BMX-Räder und Dirt Bikes. Geöffnet ist die Halle Mo. 19 – 22 Uhr (Bike Night), Di. 16 - 19 Uhr (Girlsday), Mi. 18 — 21.30 Uhr, Do. 18.30 — 22.00 Uhr, Fr. 16 — 22Uhr (ab 19 Uhr Bike Night), Sa. 16 — 19.30 Uhr, So. 16 — 18.30 Uhr. Seit 2004 betreibt der Skateboardverein Gießen e.V. die Halle. Der Eintritt beträgt einen Euro für Vereinsmitglieder und vier Euro für Nicht-Mitglieder. Infos zu Veranstaltungen und Kursen unter www.skatelounge.de.

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