09. Dezember 2017, 09:00 Uhr

Insolvenz

Walldorf GmbH ist pleite

Die A.&P. Walldorf Gmbh ist pleite. Das Gießener Amtsgericht hat soben das Insolvenzverfahren eröffnet. Damit droht der Gesellschaft ein Abschied aus der Schaustellerbranche.
09. Dezember 2017, 09:00 Uhr
Im Katharinenviertel stehen Buden und Stände der Familie Walldorf. Laut Insolvenzverwalter steht die GmbH vor einem Abschied aus der Schaustellerbranche. (Foto: Schepp)

Die Stadt Gießen wird bei der Vergabe von Schausteller-Standplätzen für ihre Großveranstaltungen zwischen Frühjahrsmesse und Weihnachtsmarkt nicht mehr auf die Hilfe der A.&P. Walldorf GmbH zurückgreifen können: Das Amtsgericht Gießen hat soeben das vorläufige Insolvenzverfahren gegen diese Firma eröffnet und Rechtsanwalt Dr. Hans-Jörg Laudenbach als Insolvenzverwalter eingesetzt. Das Verfahren beantragt hatte kürzlich Geschäftsführer Patrick Walldorf, sein Cousin Andreas Walldorf hat in dieser Woche nachgezogen.

 

Streithähne an einen Tisch?

 

Die beiden Inhaber, die früher gemeinsam gute Geschäfte gemacht hatten, führen seit längerer Zeit einen erbitterten Kleinkrieg gegeneinander. Vor einigen Monaten scheiterte vor dem Amtsgericht der Versuch von Andreas Walldorf, seinen Cousin als Geschäftsführer abzuberufen.

Die GmbH war vor allem dadurch in Schieflage geraten, dass Andreas Walldorf Fahrgeschäfte und Imbissstände aus dem Firmenbesitz an seinen eigenen Betrieb verkauft hatte. Dadurch hatte die Gesellschaft auf diesem Geschäftszweig praktisch keine Umsätze mehr.

Das war auch im Rathaus übel aufgestoßen, weil die Gießen Marketing GmbH regelmäßig Unterpachtverträge mit A.&P. Walldorf GmbH abschlossen hatte, diese Aufgabe aber de facto zuletzt nur noch von den Schaustellerbetrieben Walldorf wahrgenommen worden war.

Insolvenzverwalter Laudenbach, der die GmbH zunächst weiter führen will, rechnet damit, dass sich die Gesellschaft vom Schaustellermarkt verabschieden wird und dass er die restlichen Vermögenswerte zugunsten der Gläubiger veräußern muss.

Weiter laufen kann nach Einschätzung Laudenbachs hingegen »Walldorf’s Bierhaus« am Katharinenplatz, das seit 2015 von der GmbH betrieben wird. Aus dem operativen Geschäft hat sich Andreas Walldorf aber vor längerer Zeit zurückgezogen.

Insolvenzexperte Laudenbach will im nächsten Schritt das versuchen, was die beiden Streithähne bisher nicht geschafft haben: Sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen und die Gesellschaft sauber aufzulösen.

 

Willkürliche Pachterhöhung

 

Das Gerangel um das Geschäftsgebaren der A. & P. Walldorf GmbH zeigt sich auch im Falle des städtischen Lagerplatzes neben den Stadtwerke-Heizkraftwerken am Leihgesterner Weg. Den hatte bis zum Jahr 2013 der Schaustellerverband Mittelhessen gepachtet. Als dessen Gießener Mitglieder austraten und einen eigenen Verband bildeten, überschrieb die Stadt den Pachtvertrag nicht dem neuen Verband, sondern auf dessen Wunsch dem Vorsitzenden Andreas Walldorf als Privatperson.

Anfang dieses Jahres erhöhte der Verpächter für alle Nutzer den Pachtzins in überschaubarem Ausmaß. Nur für die Walldorf GmbH stieg die Pacht drastisch an, von 700 auf 3400 Euro. Als Geschäftsführer der Firma buchte Walldorf diesen Betrag sogleich vom Firmenkonto ab.

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