Stadt Gießen

Vorträge über Trump, AfD und Le Pen

Populisten erobern die politische Bühne. Mit autoritären Vorstellungen, nationalistischen Parolen und mit dem Leugnen von Fakten reiten Politiker und Parteien in mehreren westlichen Ländern auf einer Welle des Erfolgs. Eine Vortragsreihe der Justus-Liebig-Universität widmet sich ab 19. April dem Verhältnis des US-Präsidenten Donald Trump zum Journalismus, ergründet die Aussichten der Rechtspopulistin Marine Le Pen bei den französischen Präsidentschaftswahlen und stellt die Frage: »Was will die AfD«?
09. April 2017, 19:53 Uhr
Stefan Schaal
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Die JLU will sich stärker »in den öffentlichen Diskurs hineingegeben«, erklären Präsident Joybrato Mukherjee (l.) und Prof. Claus Leggewie (r.). (Foto: Schepp)

Populisten erobern die politische Bühne. Mit autoritären Vorstellungen, nationalistischen Parolen und mit dem Leugnen von Fakten reiten Politiker und Parteien in mehreren westlichen Ländern auf einer Welle des Erfolgs. Eine Vortragsreihe der Justus-Liebig-Universität widmet sich ab 19. April dem Verhältnis des US-Präsidenten Donald Trump zum Journalismus, ergründet die Aussichten der Rechtspopulistin Marine Le Pen bei den französischen Präsidentschaftswahlen und stellt die Frage: »Was will die AfD«?

»Wir leben in einer Zeit, in der wir es zunehmend mit vereinfachenden Antworten und mit Experten-Bashing zu tun haben«, sagt Präsident Prof. Joybrato Mukherjee. Die Universität wolle sich stärker »in den Diskurs hineingegeben«, erklärt er. »Wir sind ohnehin involviert. Wir sind mitten in der Gesellschaft und nicht außerhalb des Sturms.« Einen »Generalangriff von autoritären politischen Strömungen gegen die Expertise der Wissenschaft« beobachtet der Politikwissenschaftler Prof. Claus Leggewie, der die Vortragsreihe organisiert. »US-Präsident Trump leugnet den Klimawandel«, erklärt er. »Dabei ist die Erderwärmung so gut erforscht wie kein anderes Phänomen. « Die Freiheit der Wissenschaft werde weltweit bedroht. Deutschland müsse vermehrt bedrohte Wissenschaftler aufnehmen. Leggewie sieht die Universität in der Pflicht. »Wir sind nicht nur ein bürokratischer Betrieb, der Studenten ausbildet.«

Wie US-Präsident Trump Fakten als »Fake News« ablehnt und wie er mit Journalisten und Medien umgeht, ist Thema eines Vortrags am 19. April um 19 Uhr in der Uni-Aula. Der Politologe Prof. Christoph Bieber spricht zur »Konkurrenz von Politik und Journalismus unter Trump«. Am 3. Mai um 19 Uhr lautet das Thema »Frankreichs Uhren gehen wieder«. Leggewie, Inhaber der Ludwig-Börne-Professur an der Justus-Liebig-Universität, wird vier Tage vor der entscheidenden zweiten Wahlrunde den Kampf um die französischen Präsidentschaft analysieren.

Den Schlusspunkt der Reihe bildet am 31. Mai ebenfalls in der Uni-Aula ein Vortrag eines ausgewiesenen Kenners der AfD. Justus Bender, politischer Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, beschäftigt sich seit 2013 intensiv mit der Partei. In seinem Vortrag unter dem Titel »Was will die AfD« gibt er auch Ratschläge, wie man sich mit im Gespräch mit Sympathisanten der AfD mit dem Gedankengut auseinandersetzen kann. An dem Vortrag wird sich auch der Gießener Lehramtsstudent Ali Can beteiligen, Gründer der »Hotline für besorge Bürger«. »Wir laden völlig offen zur Diskussion ein«, betont Uni-Präsident Mukherjee. »Das sollen keine Veranstaltungen werden, bei denen sich liberale Akademiker auf die Schulter klopfen.«

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Vortraege-ueber-Trump-AfD-und-Le-Pen;art71,238404

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