Stadt Gießen

Vor dem Anpfiff kommt die Romantik

Gießen (gl). In Zeiten einer Fußballweltmeisterschaft kann klassische Musik Alternative und Ergänzung zugleich sein. Unimusikdirektor Stephan Ottersbach und seine rund 90 Musiker des Uniorchesters tragen dem Rechnung und lassen ihr Semesterabschlusskonzert am Freitag, 23. Juni, bereits um 17 Uhr in der Kongresshalle beginnen. Knapp 70 Minuten Musik stehen auf dem Programm, sodass auch für Fußballfans noch genügend Zeit bleibt bis zum Anpfiff der Partie Deutschland gegen Schweden.
19. Juni 2018, 21:55 Uhr
Karola Schepp
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B. Schmickler

Gießen (gl). In Zeiten einer Fußballweltmeisterschaft kann klassische Musik Alternative und Ergänzung zugleich sein. Unimusikdirektor Stephan Ottersbach und seine rund 90 Musiker des Uniorchesters tragen dem Rechnung und lassen ihr Semesterabschlusskonzert am Freitag, 23. Juni, bereits um 17 Uhr in der Kongresshalle beginnen. Knapp 70 Minuten Musik stehen auf dem Programm, sodass auch für Fußballfans noch genügend Zeit bleibt bis zum Anpfiff der Partie Deutschland gegen Schweden.

Auch das ist neu: Auf die sonst bei den Semesterabschlusskonzerten übliche Konzerteinführung muss diesmal verzichtet werden. Es fand sich kein (angehender) Musikwissenschaftler für diesen Part. Schade, denn das Programm bedürfte durchaus ein wenig fachkundiger Erläuterungen, stehen doch mit Richard Wagner und Gustav Mahler zwei Komponisten der Romantik auf dem Programm, die viel verbindet und vieles trennt – und die Auswahl der Kompositionen bildet dies ab. Beide haben in ihrer Genialität, aber auch in ihrem Größenwahn, die Musik an ihre Grenzen gebracht. Der eine in der Oper, der andere in der Sinfonie. Beide sind für ihren großen Klang berühmt, haben aber auch in Liedern fein austarierte Kammermusik geliefert. Dem allen trägt das Konzert Rechnung. Im Kern erklingen Gustav Mahlers eigentlich für Bariton komponierte »Lieder eines fahrenden Gesellen« und die »Wesendonck-Lieder« von Richard Wagner, mit denen er seiner Geliebten huldigte.

In beiden Stücken wird als Gesangssolistin die Altistin Birgit Schmickler mit dem Orchester zu hören sein, in deren Stimmfarbe sich Ottersbach schon beim Semesterabschlusskonzert vor zwei Jahren »verliebt« hatte. Schmickler war einige Zeit an der Oper Frankfurt engagiert, arbeitet nun als freiberufliche Sängerin und kümmert sich an der Frankfurter Domschule um Stimmbildung. Sie habe eine »Stimme, die einen umarmt«, lobt Ottersbach.

Umarmen, allerdings im typischen vollen Mahler- bzw. Wagner-Klang, werden die Besucher im Konzert auch das Vorspiel zu Wagners »Tannhäuser« als Auftakt und zum Finale die »Totenfeier« von Mahler. »Die reine Musikzeit beträgt 70 Minuten, allerdings ist das Konzert in der Intensität sehr dicht«, macht Ottersbach neugierig und hofft – wieder einmal – auf ein ausverkauftes Konzert.

Karten zu 14 Euro, für Schüler und Studenten ermäßigt sieben Euro, gibt es im Vorverkauf bei der Touristinformation in der Schulstraße 4. Restkarten erhält man ab eine Stunde vor Konzertbeginn auch an der Abendkasse. (Foto: Archiv)

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