12. August 2018, 21:31 Uhr

Von locker-flockig bis kantig-dunkel

12. August 2018, 21:31 Uhr
Jazz in St. Thomas Morus mit Peter Groß (r) und Robert Gunst. (Foto: axc)

Eine Begegnung am Rande der Evangelischen andeskirchenmusiktage Kurhessen-Waldeck 2017 machte es möglich, dass der Kirchhainer Bezirkskantor Peter Groß am Freitag mit seiner Hammondorgel in der Gießener St. Thomas Morus-Kirche gastierte. Und trotz seines augenzwinkernden Warnhinweises, dass es nicht Rheinberger oder Mendelssohn zu hören geben werde, sondern Jazz, ließ sich natürlich keiner der rund 60 Zuhörer von dem Konzert abschrecken, dessen Durchführung von der Kulturstiftung Gießen unterstützt wurde.

Warum auch? Kirchenschiffe werden ja schon seit Langem nicht nur für Sakralmusik, sondern auch für Jazz, Weltmusik und Härteres genutzt, und die in der Ankündigung genannten Namen – unter anderem Dave Brubeck und Oscar Peterson – stehen auch nicht gerade für schwer zugängliche Musik. Zudem waren die ersten Hammondorgeln vor gut 80 Jahren ohnehin als Ersatz für teure Pfeifenorgeln gedacht.

Mit dem durch Sinatra bekannt gemachten Klassiker »Fly me to the Moon« und Petersons »Roundalay« ging es gleichermaßen flott wie entspannt los. Am Schlagzeug locker swingend unterstützt wurde Groß durch seinen Cousin Robert Gunst, den Bass übernahm der Organist mit Hilfe der Fußpedale selbst. Bis auf die Stücke des englischen Jazzorganisten Harry Stoneham stammten alle Arrangements für seine Hammond von Groß selbst.

Bei den locker-flockig daherkommenden Ohrenschmeichlern durfte man sich durchaus an die »Hammond à gogo«-Phase eines James Last erinnert fühlen – schließlich war der Bremer Bandleader ursprünglich auch ein Jazzer. Etwas kantiger und dunkler tönten die Stoneham-Kompositionen »Move In« und das bluesige »Debbie«. Langsam und getragen: Brubecks Slow Waltz »Blue Shadows«. Angesichts der fast unendlichen Klangmöglichkeiten der Orgel fiel Brubecks immer faszinierendes »Take Five« dann recht kurz aus.

Bemerkenswert war der Klang in dem schönen, aber akustisch nicht sehr warmen Kirchenschiff: üppiger Hall, dafür aber auch recht schrille Höhen. Da der Organist seine 180 Kilogramm schwere »echte« Hammond nicht anschleppen konnte, spielte er auf einem B 4000 Hammond Clone, der einiges weniger wiegt und dem originalen Klang recht nahekommt. Lediglich der typisch schwebende Sound rotierender Leslie-Lautsprecher fehlte hier und da ein wenig.

Groß beeindruckte durch seine freundlich-unaufdringliche Moderation und während des Spielens durch seinen ständigen Blickkontakt mit dem Publikum, so dass sich die Freude schnell auf die Zuhörer übertrug. Auch Fußwippen in der Kirche sei letztlich Gotteslob, freute sich wiederum Peter Groß. Nach gut 90 Minuten schickten er und Gunst die Gäste mit einer Wiederholung von Carmichaels »Georgia on My Mind« nach Hause.

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