28. Mai 2019, 11:00 Uhr

Ausgesetztes Baby

Von Schwangerschaft angeblich nichts bemerkt

Im Prozess um das Baby, das eine Gießenerin in München ausgesetzt hat, ist jetzt ihr Liebhaber zu Wort gekommen - mit bemerkenswerten Aussagen.
28. Mai 2019, 11:00 Uhr

/München (bf). Verzweiflungstat oder Verbrechen? Die Gießenerin Rana M. (27) brachte im Münchner Stadtteil Neuperlach ein Kind zur Welt und legte es direkt danach in einem Gebüsch ab. Vor dem Landgericht in der bayrischen Landeshauptstadt muss sich die Mutter nun wegen versuchten Mordes verantworten. Sie verweigert die Aussage.

Am zweiten Prozesstag sagte am Montag der wichtigste Zeuge aus: Marc W. (47). Er hatte Rana M. im August 2018 zu sich nach Hause eingeladen. Mit dem Bus fuhr die Gießenerin nach München, beide besuchten einen Biergarten, unterhielten sich und fuhren dann zu ihm nach Hause.

Dort hatten beide Sex - doch, dass Rana M. hochschwanger gewesen war und am nächsten Morgen sogar ein Kind zur Welt brachte, will der Münchner nicht bemerkt haben.

»Ich wusste davon nichts«, beteuert der Journalist. Sein Gesicht bedeckte er am Montag mit einer Maske - aus Scham. Selbst im Prozess nahm er sie nicht ab. Doch zumindest konnte das Gericht ihn überhaupt dazu bewegen, auszusagen. »Ich wachte morgens gegen fünf oder sechs Uhr auf, weil Rana aufgebracht war«, erzählt Marc W.

Angeblich hatte sie sein Schlafzimmer verlassen - wohin sie gegangen war, das wisse er nicht. Wenig später war sein Bad und das Wohnzimmer voller Blut. Der Zeuge: »Ich war erschrocken, wusste nicht, was mit ihr los war. Sie sagte nur, sie muss nach Frankfurt ins Krankenhaus.«

Zeuge mit Maske im Gericht

Er sei erschrocken und habe ihr angeboten, sie in ein Münchner Krankenhaus zu fahren. »Doch sie lehnte ab und wollte zu einem Arzt ihres Vertrauens«, sagt Marc W. »Das Blut haben wir noch schnell gemeinsam aufgewischt. Sie wollte nicht, dass es auf den Fugen gerinnt.«

Seltsam: Fragen stellte Marc W. nicht. Zum Beispiel, woher das Blut stammte und ob Rana M. womöglich verletzt sei. Sondern fuhr die Frau, die er zum ersten Mal getroffen hatte, gegen 7.30 Uhr nur zum Bahnhof.

Als der Journalist dann wieder in seiner Wohnung in der Therese-Giehse-Allee ankommt, ist das Haus umringt von Einsatzkräften - denn eine Fußgängerin hatte das schwer verletzte Neugeborene in der Zwischenzeit gefunden und den Notruf gewählt. »Ich habe mich gewundert und noch einmal nachgedacht«, sagt Marc W. Dann haben er sich bei der Polizei gemeldet.

Ob er keinen Verdacht geschöpft habe, will Richter Norbert Riedmann wissen. »Nein. Nur am Bahnhof war mir aufgefallen, dass ihr Bauch etwas flacher war.« Seitens des Gerichts wurde allerdings nicht geprüft, ob es glaubhaft ist, dass ein Mann mit einer hochschwangeren Frau Sex hat und das gar nicht merkt.

Auch die Angeklagte Rana M. macht dazu keine Angaben. Sie verfolgte den Prozess gestern augenscheinlich erneut völlig teilnahmslos. Ihr Baby ist mittlerweile in der Obhut des Jugendamtes und wohlauf, der Angeklagten droht jahrelange Haft.

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